Schweinfurt

Ein ganzer Abend voller Schubert

Mit Leichtigkeit und Eleganz überzeugen die Münchner Symphoniker unter Kevin John Edusei. So gelang es die Essenz ausgewählter Werke zu Gehör zu bringen.
Die Münchner Symphoniker: Sportlich auf dem Spielfeld, sportlich und gemeinschaftlich auch bei der musikalischen Arbeit.
Die Münchner Symphoniker: Sportlich auf dem Spielfeld, sportlich und gemeinschaftlich auch bei der musikalischen Arbeit. Foto: Marco Borggreve

Ein ganzes Programm voller Schubert, so Manchen mag diese Entscheidung für nur einen Komponisten überrascht haben. Der Konzertabend war jedoch gleichwohl so überraschend vielseitig, dass man es sich nicht hätte schöner wünschen können. Die Programmidee stellte quasi Gedanken über das Orchesterschaffen von Franz Schubert dar. Was ist die Essenz der ausgewählten Werke? Kevin John Eduseis Antwort fiel eindeutig aus, sie war bestechend licht und schlank.

Schon der Beginn Schuberts Symphonie Nr. 3 D-Dur D200 nahm diesen Grundansatz auf. Die Einzelstimmen waren beim genauen Hinhören auszumachen, webten im Zusammenspiel gleichwohl einen durchscheinend schimmernden Stoff, der Raum für die Tiefe offen ließ. Inspiriert durch den zurückhaltenden Gestus des Dirigenten gingen die Musiker in das im ersten Satz heraufziehende Unwetter. War es in diesen Tagen vielleicht gar ein Schneesturm? Ein brillantes Vivace und ein Mozart assoziierender dritter Satz komplettierte diese frische Interpretation.

Sportliche Spielweise

Es war ein großes Vergnügen, Edusei bei seinem Dirigat zuzusehen. Er deutete nur an, wiegte sich sacht in den Hüften, öffnete beide Unterarme und ließ die Musiker kommen. Diese Freude und sein Lächeln übertrugen sich eins zu eins auf die Mitglieder der Münchner Symphoniker. Auf dem Ensemblefoto bilden sie einen großen Kreis auf dem Mittelkreis eines Fußballfeldes. Ähnlich sportlich und gemeinschaftlich ist ihre Spielweise. Wunderbar!

Hinrich Alpers erwies sich als ein idealer Solist für die Wanderer-Fantasie op. 17 von Franz Schubert in der Fassung von Franz Liszt. Er leuchtete nicht nur in die solistischen Passagen hinein, vor allem im Zusammenspiel mit den Bratschen oder dem Solo-Cello fand er einen diskursiven, zugewandten und offenen Ton. Augenzwinkernd setzte sich Alpers zur Zugabe an den Flügel und konstatierte trocken: "Beethoven". Schon nach den ersten sechs Tönen war klar, dass er das Rondo "Alla Ingharese quasi un capriccio", besser bekannt unter dem Titel "Wuth über den verlornen Groschen, ausgetobt in einer Kaprize" spielte. Wie Glasperlen klickerten die Sechzehntelfiguren über die Tasten, Alpers‘ Spielweise erlaubte einen ungetrübten Blick auf dieses launige Rondo.

Sensibilität für den Komponisten

Mit Schuberts E-Dur-Symphonie, einem unvollendet vorliegenden Werk mit einer bewegten Geschichte ging das Programm in die zweite Spielhälfte. Die eigens für das Ensemble gefertigte Aufführungsfassung durch den Schubertspezialisten Brian Newbould zeugt von größtmöglicher Sensibilität für den Komponisten. Liegt doch durch Schuberts Hand nur der vollständige Entwurf und eine nur teilweise Instrumentierung vor. Wir hörten eine farbenfrohe und gleichermaßen innige Interpretation, die dem Dirigenten besonders zu Herzen zu gehen schien. Ein heiteres Scherzo mit einer vorzüglichen Flöte bleibt besonders in Erinnerung.

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