OBERSCHWARZACH

Eine Fülle an Klangfarben

„Triscendo. Voice. Harp. Sax. Percussion“ stand schlicht auf dem Plakat, das einen neuen Abend bei der Kästnerwoche ankündigte. Diese Schlichtheit täuschte. Denn die Zuhörer bekamen an diesem Abend eine Fülle an musikalischen Eindrücken und an Klangfarben, die kaum zu beschreiben ist.
Verbanden Weltmusik zu einem aufregenden, energiegeladenen Mix: Triscendo (von links nach rechts: Dirk Rumig, Thomas Hup... Foto: FOTO Anne bauerfeld

Ein erster Hauch dieser Fülle ließ sich ahnen, als Antje Hagens (Gesang) Stimme kraftvoll durch den KästnerHof-Salon brillierte, begleitet von einer ausdrucksstarken Harfe (Christine Eberherr) und einer überraschend aufmüpfigen Querflöte (Dirk Rumig). Beim nächsten Stück gesellte sich Percussionist Thomas Hupp mit indischen Trommeln, Tablas, dazu und verlieh so dem spanischen Folklorestück etwas berauschend-hypnotisches. Lullte einen die Flöte träg ein, hielt die Harfe streng, klar dagegen, während der starke Sopran mal zum Trägen, mal zum Strengen tendierte.

Nach diesem kleinen Amuse-Gueule starteten die vier Vollblutmusiker jedoch richtig durch. „Wir nehmen gerne neue Klangwelten zu bekannten Stücken dazu oder kombinieren bekannte Stücke“, erzählte Antje Hagen und trat mit ihren Kollegen den Beweis an.

„L'amour est un oiseau rebelle“, die „Carmen“-Arie kann man nicht auf dem Jazz-Saxophon spielen und mit dem Pink Panther-Thema kombinieren? Auf einer Konzertharfe nicht rocken und jazzen? Und wie man das alles kann! Ist das Fusion? „Der Morgen“ von Richard Strauß nicht auf dem Klavier gespielt, sondern kreiert mit Gesang und Bassquerflöte. Ist das Impressionismus? Dirk Rumigs passioniertes Spiel ließ die Zuhörer intensiv die mögliche Bandbreite und die Tiefe (s)eines Instruments kennen: eine Querflöte kann mehr als tonal moussieren.

Christine Eberherr war perfekt eins mit der Harfe, entlockte ihr virtuos so viel mehr als sanfte Begleitung. Spontan, intuitiv schien es, wie Thomas Hupp fast selbstverloren seine ungewöhnliche Percussion zaubern ließ.

Je tiefer das Quartett in die Weltmusik eintauchte, desto stärker ließ sich erkennen, dass sich dieses Erlebnis nicht in eine bestimmte Richtung oder einen bestimmten Stil einordnen lässt. Es war etwas ganz Eigenes, etwas, das am ehesten an eine konzertierte Jam-Session erinnerte, aber doch schlicht ganz „Triscendo“ war. Dies wurde spätestens hörbar, als Triscendo deutsche Liedkunst mit indischen Ursprüngen mischte - eine gewagte, wilde Mischung, mit verspielter, lässiger Percussion, einer fast harschen, schneidenden Harfe und dazwischen dem „Brunnen vor dem Tore“, what else?

Ein wenig massenkompatibler und mit ein wenig Augenzwinkern ging es dann im zweiten Teil weiter, angefangen mit dem Klassiker „Summertime“ und Antje Hagens lockend-lullender Stimme. „Wir spielen, was wir mögen und wozu wir Lust haben“, erklärte die Sopranistin lächelnd den folgenden sympathischen Mix aus Deutschrapp, Mambo, Folklore und mehr. „Klassisch“ waren jedoch auch diese Interpretationen nicht. Sie bestachen durch den Charme des „Andersseins“, der Verbindung von Indien und Südamerika, von Rhythmus und der Liebe der Künstler zu ihren Instrumenten. Denn es war auch einfach immer wieder ein Genuss, die Künstler, fast voyeuristisch, tief in ihrem Spiel zu beobachten.

Das Konzept von Triscendo kam jedenfalls an, denn so schnell wollten die Zuhörer die vier Künstler nicht gehen lassen und erklatschten sich begeistert mehr als eine Zugabe.

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