Gerolzhofen

Eine Gebrauchsanweisung, die man leicht versteht, aber...

Mit der Schönheit der Natur und ihren Kostbarkeiten muss der Mensch schonend umgehen. Im Rahmen der Woche der Nachhaltigkeit hat Pfarrer Stefan Mai dazu eine Predigt gehalten. Foto: Waldemar Wiederer

Am Samstagvormittag wurde die Woche der Nachhaltigkeit in Gerolzhofen eröffnet. Am Samstagabend griff dann auch Pfarrer Stefan Mai im Vorabendgottesdienst im Steigerwalddom das Thema auf und stellte die Nachhaltigkeit beim Umgang mit der Natur in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Der Pfarrer zitierte aus einer Erzählung des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi, in der es um ein ganz besonderes Gasthaus geht: Ein wohlhabender Mann richtete ein Gasthaus ein mit allem, was den Menschen gut tut: mit gemütlichen, wärmenden Öfen, Brennmaterial und Beleuchtung. Er füllte Vorratsräume mit jeder Art von Lebensmitteln, Gemüse und allen möglichen Erfrischungen, stellte Betten auf, füllte die Schränke mit vielen unterschiedlichen Kleidungsstücken und Schuhen – und all das in einem so reichen Maß, dass es für eine große Menge von Menschen ausreichen konnte. Nur eine Gebrauchsanweisung für die Nutzung des Gasthauses war dabei: Keiner sollte sich mehr nehmen, als er im Augenblick für sich selbst braucht. Und die Gäste sollten sich gegenseitig helfen und das Gasthaus so verlassen, wie sie es bei ihrer Ankunft vorgefunden hatten.

Aber wie es im Leben so geht: Die Menschen im Gasthaus fingen an, alles zu benutzen, ohne an die Mitmenschen zu denken. Sie versuchten, möglichst viel von den Vorräten für sich selbst zu sammeln und einzustecken, obwohl sie die meisten Dinge gar nicht nötig hatten. Jeder dachte nur an sich selbst. Sie begannen, sich wegen der Güter im Haus zu streiten, und zerstörten sogar die Vorräte in der Absicht, dass die anderen sie nicht bekommen sollten. Sie fingen an zu leiden: Sie froren, sie hatten Hunger, sie litten unter dem Unrecht, das sie sich gegenseitig zufügten.

Am Ende dieser Erzählung schreibt Leo Tolstoi: So wie die Menschen im Gasthaus, so verhalten sich auch die Menschen in der Welt. Sie leben nach ihrem eigenen Willen, ruinieren ihr eigenes Leben und das Leben der anderen. Sie machen sich gegenseitig dafür verantwortlich, sie machen Gott dafür verantwortlich – nur nicht sich selbst.

Tolstoi hat seine Erzählung schon vor 150 Jahren geschrieben, als das Thema Klimaschutz noch lange nicht so brisant war wie in unserer Zeit. "Für mich stellt sie eine Grundeinstellung gegenüber Gottes Schöpfung dar", sagte Pfarrer Stefan Mai. "Alles, was wir hier sehen an Bäumen, Pflanzen und Tieren, was wir an Luft atmen, was wir am Säuseln und Rauschen des Windes und am Gesang der Vögel hören, das gehört uns allen. Aber nicht nur uns, sondern auch allen nachfolgenden Generationen. Ein vornehmes und reichhaltiges Gasthaus, das uns Menschen Freude machen und gut tun will." 

Die Gebrauchsanweisung für dieses Gasthaus ist eigentlich leicht verständlich – "und doch ist der Homo Sapiens bis heute nicht weise genug dafür".

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