Gerolzhofen

Eine Lebensschule für die Sprache der Natur

Mit einer kleinen Feier im Pavillon wurde das "Grüne Klassenzimmer" auf den Wiesen der Nützelbachaue am Freitagnachmittag offiziell in Betrieb genommen.
In einer schlichten Zeremonie segnete Pfarrer Stefan Mai den Pavillon und das "Grüne Klassenzimmer" am Nützelbach. Foto: Klaus Vogt

Mit einer kleinen Feier im Pavillon wurde das "Grüne Klassenzimmer" auf den Wiesen der Nützelbachaue am Freitagnachmittag offiziell in Betrieb genommen.

Bürgermeister Thorsten Wozniak sagte, der Anstoß zu diesem Projekt kam in der Amtszeit von Bürgermeisterin Irmgard Krammer vom inzwischen verstorbenen Stadtförster Volker Conrad. Er habe dieses Gebiet als "Grünes Klassenzimmer" geplant, wo die Natur erlebbar sei und Menschen sich begegnen können. Zum Klassenzimmer in Sachen Natur gehören der Kräutergarten, die Allee mit Bäumen des Jahres, das begehbare Haus aus Weidenruten, die Wiesen, die Schaukel über dem Bach und der große Pavillon, wo demnächst regelmäßig ein Friedensgebet über alle Religionen, Konfessionen und Kulturen hinweg stattfinden wird. 

Das Gebiet sei ein Bereich, so Wozniak, wo man seine Seele baumeln lassen kann, wo man Ruhe und Erholung finde. In Erinnerung an den verstorbenen Initiator des "Grünen Klassenzimmers" hat die Stadt neben den Pavillon eine Esskastanie gepflanzt, der Lieblingsbaum von Volker Conrad.

"Ein Schatzkästchen"

Landrat Florian Töpper bezeichnete den Bereich als ein "Schatzkästchen" direkt neben der Bebauung. Noch sei die Nützelbachaue ein kleiner Geheimtipp, der es aber verdient, bekannter zu werden. Das Engagement der vielen Helfer zeige auch, dass das Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde nicht auf sich allein gestellt ist, sondern sich auf ehrenamtliche Partner verlassen könne. 

Pfarrer Stefan Mai erzählte, ehe er den Pavillon und das Klassenzimmer segnete, von einem Reisebericht des evangelischen Theologe, Pfarrers und Publizisten Jörg Zink, der ein Jahr lang Beduinen gelebt hatte. Eines Tages habe Zink am frühen Morgen die einjährige Layla mit ihrer Mutter vermisst. Sie sei in der Schule, antworteten die Beduinen. Ein einjähriges Kind in der Schule? Das kleine Mädchen war, auf dem Rücken der Mutter gebunden, in der Wüste mit dabei - und lernte beim Gucken über die Schulter seiner Mutter "in der Lebensschule die Sprache der Natur kennen".

Auch er selbst habe als kleiner Bauernbub weder lesen nach rechnen können, als er damals eingeschult wurde, berichtete Pfarrer Mai. Aber er habe gewusst, dass es in der Natur vielfältige Facetten der Farbe Grün gibt. "Heutzutage ist bei den Kindern Grün grün." Damals habe er in dieser "Lebensschule" alle Vogelarten schon an ihrem Ruf erkannt, die Kinder heutzutage würden dies kaum noch erlernen. Leider gehe es derzeit in der Schule nur noch um "Wissen, Wissen, Wissen".

Er bedauere es sehr, so Pfarrer Mai, dass die grünen Schultafeln aus den Klassenzimmern verschwinden, wo doch Grün die Farbe der Beruhigung sei. "Statt dessen gibt es jetzt Whiteboards. Digitalisierung, sonst nichts." Da freue es ihn, dass bei der jüngeren Generation jetzt ein Umdenken einsetze, dass man jetzt wieder das schätze, was auch den Alten schon wichtig war.

Bei der Einweihung des "Grünen Klassenzimmers": (von links) Pfarrer Stefan Mai, Landrat Florian Töpper, Stadtgärtner André Ditterich, Bürgermeister Thorsten Wozniak, die ehemalige Bürgermeisterin Irmgard Krammer, Stadtteilmanager Daniel Hausmann, Rita Popp (Kräutergarten) und Stadtbaumeisterin Maria Hoffmann. Foto: Klaus Vogt

Die Feier wurde musikalisch von Buben und Mädchen des Kinderhauses St. Regiswind sowie vom Flötenduo Emilia Johanni und Ayana Ludwig unter Gitarrenbegleitung von Elke Friedl musikalisch umrahmt.

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