Eine "Neue Aera" bricht an

SCHWEINFURT "Kurz vorm Ende" sei er gewesen, sagt Muck Groh, Gründer der legendären Band "Aera" und Gitarrist bei "Ihre Kinder". Krank war er, im Gefängnis saß er. Aber er ist wieder hochgekommen. Er macht sogar wieder Musik. Unter dem Bandnamen "Neue Aera" will er mit vier Musikerkollegen auf Tour gehen. Das erste Konzert findet am 19. Juli in der Disharmonie statt.

Neue und alte Kompositionen wollen Muck Groh und Kollegen spielen. Einen Aufguss der alten "Aera" wird es jedoch nicht geben. Das Wort "Revival" ist Groh verhasst. Jazziger und gleichzeitig rockiger werden die vorerst 15 Stücke klingen, verspricht er. Theo Jörgensmann, Locko Richter, Wolfgang Teske und Grohs Sohn Jonas Gruber haben viel Freiraum, um zu interpretieren und zu improvisieren.

Den Anstoß für die "Neue Aera" habe ein "Hardcore-Fan" aus Schweinfurt gegeben, verrät Jonas Porst, der "Menetscher" der Gruppe. Der Fan weiß und sammelt alles über "Aera". Jahrelang hat er Groh in den Ohren gelegen, doch endlich wieder Musik zu machen - am besten zusammen mit dem Saxophonisten Klaus Kreuzeder. Groh hat Kreuzeder dann auch angesprochen, sagt darüber aber, sie hätten sich auf "überhaupt keinen gemeinsamen Nenner" einigen können.

Aber die anderen Kollegen, die seien sofort Feuer und Flamme gewesen. "Fast so, als hätten sie darauf gewartet", meint Groh. Theo Jörgensmann spielt Klarinette "und anderes Gebläse" und war Mitglied bei Grohs Band "Grotesk", ebenso wie Schlagzeuger Wolfgang Teske. Bassist Locko Richter spielte, wie auch Teske, schon bei "Aera". Jonas Gruber, Bassist und Gitarrist, ist Muck Grohs Sohn und lebt in Berlin. Eine Woche vor dem Konzert in der Disharmonie sind sie alle nach Gaibach gekommen, um in Grohs einsam gelegenem Forsthaus zu proben.

Dort hat Groh die vergangenen Jahre verbracht. "Ich habe vor mich hin gelebt, mich auf die Malerei konzentriert und eine fürchterlich depressive Phase hinter mich gebracht", erzählt er. Er hat viel zu viel getrunken, wurde viel zu oft ohne Führerschein am Steuer erwischt und musste deswegen sogar ein halbes Jahr ins Gefängnis. Aber inzwischen waren die Leute aus der alten Zeit schon wieder aufgetaucht, allen voran Jonas Porst, mit der Idee von der neuen Band. "Ich musste mich darauf einlassen", schmunzelt Groh.

Die "Aera"-Fangemeinde ist schon ganz kribbelig. "Informationen verbreiten sich unglaublich schnell", sagt Porst, der "Menetscher, der alles Unmachbare machbar macht", wie er seinen Aufgabenbereich beschreibt. Fans und alte Bekannte, die schon lange als verschollen galten, haben sich gemeldet: Die "Neue Aera" wird sehnsüchtig erwartet.

Muck Groh will mit seiner Band von Schweinfurt aus Europa erobern. Aber eins nach dem anderen: "Jetzt füllen wir erst mal Deutschland", meint er gemütlich. Irgendeiner Stilrichtung kann und will er seine Musik nicht zuordnen. "Klischees kann man komplett streichen", sagt er.

Jonas Porst schüttelt es bei der Erinnerung an die für ihn unsäglichen Begriffe "Krautrock" oder "Landrock", in deren Nähe die Band "Aera" seinerzeit gerückt worden war. Groh hat die Musik von "Neue Aera" jedenfalls den Einflüssen aller Musikrichtungen geöffnet. Gesang soll es zu den Stücken zunächst nicht geben. Aber wenn doch, dann muss es nicht unbedingt deutsch sein. Groh schmunzelt und schließt auch eine Phantasiesprache nicht aus. "Sinnvollen Unsinn", nennt er das.

"Neue Aera" treten am Mittwoch,
19. Juli, um 2030 Uhr in der Dis-
harmonie in Schweinfurt auf. Infos
zur Band unter www.muckgroh.de
oder www.neueaera.de

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