WÜLFERSHAUSEN

Einmarsch der Amerikaner: "Endlich erlöst"

Gefallenengrab: Beim Einmarsch der US-Truppen am 7. April 1945 kamen drei Soldaten nicht weit von Wülfershausen ums Leben. Bis in die 1950er-Jahre pflegten Schülerinnen das Grab (links), bis die Gefallenen nach Würzburg umgebettet wurden. Foto: Elmar Heil

Am 7. April jährte sich zum 70. Mal der Einmarsch der amerikanischen Truppen in Wülfershausen. An den Jahrestag erinnerte der Vorsitzende der Soldaten- und Kriegerkameradschaft, Elmar Heil, beim Seniorennachmittag.

Er verlas einen Bericht von Zeitzeugen. Informationen hatten vor allem seine Mutter Helene Heil, zur Zeit des Einmarsches Wirtin im den Gastwirtschaft König Otto von Griechenland, sowie Hedwig Schmitt geliefert. Sie war die Tochter von Silverius Heil, der vor 70 Jahren Bürgermeister in Wülfershausen gewesen war.

Der ganze Ort hatte Angst vor den heranrückenden alliierten Truppen. Dies um so mehr, da erst am 3. April Leonard Drenkard und dessen Sohn Josef bei einem Tieffliegerangriffe ums Leben gekommen waren. Sie befanden sich mit ihrem Pferdegespann von der Waldarbeit auf dem Nachhauseweg, als sie kurz vor dem nördlichen Ortsrand von amerikanischen Tieffliegern angegriffen und getötet wurden.

Noch kurz vor dem Einmarsch tauchten SS-Leute im Ort auf und kündigten Bürgermeister Heil an, dass deutsche Soldaten sich mit vier Kompanien im Ort zur Verteidigung einrichten würden. Der verängstigte Gemeindechef fürchtete um den Ort und teilte den Offizieren mit, dass schon am Vortag junge bewaffnete Soldaten durch den Ort gezogen seien und dass auch die Leute des Volkssturms den Ort verlassen hätten. Außerdem hätte er telefonisch Nachricht erhalten, dass sich die Soldaten auf einer Verteidigungslinie bei Obbach zurückziehen sollten. Auch die Artillerie sei schon dorthin unterwegs. Wer der Befehlsgeber dazu gewesen sei, wisse er nicht mehr.

Die SS-Leute entschlossen sich, auch weiterzugehen, drohten dem Bürgermeister aber an, ihn aufzuhängen, wenn sich seine Auskunft als falsch erweise. Daraufhin versteckte der „Silver“ in der Scheune der benachbarten Familie Neugebauer einen Rucksack mit Proviant, um bei Gefahr sofort fliehen zu können.

Neun Scheunen brannten

Was im Falle einer Verteidigung wohl geschehen wäre, zeigt das Beispiel Greßthals in nur fünf Kilometern Entfernung. Dort stießen die US-Truppen auf Widerstand. Sie beschossen den Ort mit der Folge, dass drei Greßthaler Bürger, drei deutsche Soldaten sowie ein polnischer und ein französischer Kriegsgefangener getötet und neun Scheunen in Brand gesetzt wurden. Silverius Heil beauftragte Amanda Woerler, die Englisch konnte und am Ortsrand Richtung Neubessingen wohnte, eine weiße Flagge zu hissen. Am Morgen kam Alfons Brux zu ihm gerannt und meldete, dass die Apotheke brenne. Dort hatte eine Granate eingeschlagen. Den Brand löschte der Bürgermeister zusammen mit dem Apotheker Bohn.

Am Morgen des 7. April hielten sich noch drei deutsche Soldaten in Wülfershausen auf, die am Backofen Rast gemacht hatten. Trotz Warnungen gingen die Drei weiter und wurden 500 Meter östlich von Wülfershausen, kurz vor dem Waldstück „Struth“, von den aus Neubessingen anrückenden Amis getötet. Bis Anfang der 1950er-Jahre befand sich das Grab der Gefallenen an ihrem Todesort. Dann wurden sie auf den Heldenfriedhof in Würzburg umgebettet.

„Endlich erlöst“ habe sich der Bürgermeister gefühlt, als die Amerikaner gegen Mittag aus Richtung Neubessingen kommend einmarschierten. Er selbst musste sich quasi als Schutzschild auf die Kühlerhaube eines amerikanischen Jeeps setzen, der mit ihm durch den ganzen Ort fuhr. Ein Dolmetscher übersetzte, dass Wülfershausen für drei Tage mit 1500 Soldaten besetzt und er erschossen werde, falls ein Soldat von der Bevölkerung getötet würde. Der „Silver“ versprach, dass die Wülfershäuser friedlich sein werden und bat darum, dass auch die amerikanischen Soldaten dies sein sollten.

In der Gastwirtschaft „König Otto von Griechenland“ wurde ein Lazarett eingerichtet, in das schon bald Verwundete eingeliefert wurden. Dort hielt sich auch ein Militärgeistlicher auf, der die US-Soldaten während eines Sonntagsgottesdienstes ermahnt hatte, sich gegenüber der deutschen Bevölkerung ordentlich zu verhalten. Trotzdem hatten viele Angst vor den Soldaten.

Außer kleineren Plünderungen (Kleider, Trachten) wurde kaum jemand belästigt. Kinder erhielten sogar Schokolade, Kekse und bis dahin unbekannten Kaugummi von den Soldaten, von denen einige großen Spaß beim „Sachslesfahren“ hatten.

Schon zum 50. Jahrestag des Einmarsches der Amerikaner hatte die Soldaten- und Kriegerkameradschaft wieder eine Gedenkstätte für die drei gefallenen Soldaten errichtet. Elmar Heil hatte dazu die Namen und Angehörigen der drei Gefallenen ausfindig machen können: Obergefreiter Josef Miller aus Weißenhorn bei Ulm, Gefreiter Gerhard Jakel aus Vielbach/Westerwald und Stabsgefreiter Karl Fröhlich aus Breitenfeld/Steiermark.

Zum 50. Jahrestag errichtete die Soldaten- und Kriegerkameradschaft an der Stelle des Gefallenengrabes eine neue Gedenkstätte Foto: Elmar Heil

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