Schonungen

Eltern sorgen sich um Sicherheit im Schulbus

Überfüllte Schulbusse und gestresste Fahrer bewirken, dass immer mehr Eltern ihre Kinder mit dem Pkw zur Schule bringen.
Während vorne schon die größeren Schüler einsteigen, quillt hinten ein scheinbar nicht endender Strom von Grundschülern aus dem Bus. Foto: Ursula Lux

Schonungens Eltern haben sich verbündet. Sie sind unzufrieden mit dem Schülertransport, der nach Wegfall einer Linie noch schlimmer sei als vorher. Die 15-jährige Marie beschreibt, worum es geht. Sie fährt in dem Bus von Buch über Abersfeld, Waldsachsen nach Forst. Nachdem dorthin eine Fahrt wegfiel, wartet die Gymnasiastin jetzt auf den nächsten Bus, der sie nach Schweinfurt bringt. "Wir steigen immer in einen schon vollen Bus", erzählt Marie. "Jetzt geht halt mal weiter hinter!", sei der Spruch, den sie jeden Morgen am meisten hört, aber hinten sei kein Platz mehr.

"Behandelt wie Pakete"

Marie sorgt sich vor allem um die kleineren Schüler, die beispielsweise in die Montessorischule nach Schweinfurt gehen. Sie könnten sich nirgends richtig festhalten. Da die ÖPNV-Busse nicht exklusiv für den Schülerverkehr eingesetzt werden, können auch andere Gäste mitfahren. Einige Mütter und Väter haben diese Chance genutzt und beschreiben ihre Erfahrungen. Carmen Thiergärtner weiß, dass das Busunternehmen rein rechtlich auf der sicheren Seite sei. Ca. 100 Schüler fahren mit, der Bus ist für 114 Passagiere ausgelegt. Aber "es kann doch nicht sein, dass unsere Kinder behandelt werden wie Pakete", meint sie.

Kritik über mangelnde Information 

Gerade die Schüler weiterführender Schulen hätten oft auch noch Musikinstrumente dabei, die manchmal einen ganzen Platz belegten. Die Kleineren haben ihre Schulranzen auf dem Rücken, die sie aus Platzmangel nicht abstellen könnten. "Wenn da der Busfahrer einmal richtig bremsen muss, passiert etwas", prophezeit Thiergärtner.

Ingrid Mai fährt mit diesem Bus täglich auf die Arbeit. Auch sie steigt in Forst um in Richtung Schweinfurt. "Wenn der Bus dann im Buchental in Schonungen hält und Schüler zusteigen, geht die Tür kaum mehr zu", erzählt sie. Am 18. Oktober sei der Bus in Forst überhaupt nicht gekommen. Über eine halbe Stunde standen Kinder und Erwachsene an der Haltestelle, bis einige Eltern den Transport übernahmen. Keinem war Bescheid gesagt worden. Wer eigentlich die Aufsichtspflicht habe,  fragen sich Eltern und  Peter Imhof wundert sich: "Die haben doch eigentlich Funk, wieso kriegt da keiner Bescheid?" Er erinnert sich noch gut daran, wie begeistert seine kleine Tochter war, dass sie mit dem Bus in die Schule fahren darf. Wenig später hatte die Erstklässlerin regelrecht Angst davor. Auch Meike Weichhold ist mehrfach mitgefahren. Nach ihrer Zählung hätten 36 stehende Kinder samt Schulranzen genügend Platz, aber 59 Stehplätze seien zuviel. Zumal von der ersten bis zur zehnten  Klasse alle in einem Bus seien. Die Kleinen haben die Schultaschen der Großen vor der Nase.

Gestresste Busfahrer

Danny Kurz ist selbst Lkw-Fahrer und fragt sich, ob denn die Sicherheit der Kinder keinen interessiere. Sein Sohn wollte nicht mehr mitfahren, weil der Busfahrer so gebrüllt habe und angedroht habe, er schmeiße die Kinder aus dem Bus. "Die kommen gerade aus dem Kindergarten und glauben so was", meint Kurz. Ihm gegenüber habe der Busfahrer diese Aussage bestätigt. Der Erfolg der Verhältnisse im Bus: Immer mehr Kinder werden von den Eltern im Pkw zur Schule gebracht. Manchmal halten in fünf Minuten sechs Autos an der Haltestelle, die Kinder aussteigen lassen.

Die Eltern suchen auch nach anderen Lösungen: Erwachsene Busbegleiter oder eigens ausgewiesene Plätze für die Erstklässler. Nachdem viele bei Landratsamt vorstellig wurden, lud die Verwaltung zu einem runden Tisch ein. Den Elternbeirat der Grundschule allerdings nicht, bemängelt Meike Weichold.

Gemeinde kann keine Lösung anbieten

Bürgermeister Stefan Rottmann ist das Problem aus den Bürgerversammlungen bekannt. Der Busunternehmer müsse wirtschaftlich denken, und er habe zu wenige Fahrer, erklärt er. Das führe dazu, dass er eine Buslinie einspare und größere Busse einsetze. Diese aber hätten eben mehr Stehplätze. Dem Wunsch von Marie, in Schonungen in den Stadtbus umsteigen zu können, erteilt Rottmann eine Absage. Den Transport müsse dann die Gemeinde zahlen, aber das dürfe sie im Moment gar nicht, weil sie Stabilisierungshilfe bekommt.

Der Knackpunkt liegt wohl in der Gesetzeslage. Nach Paragraph 22 der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr sind im Linienverkehr Stehplätze zulässig. Und der Gesetzgeber macht keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kinder. Rottmann erwartet eine wirkliche Verbesserung erst, wenn der Tarifverbund Mainfranken, dem sich der Landkreis Schweinfurt anschließen will, an den Start geht und dadurch ohne Probleme mit der Fahrkarte von einem auf das anderen Verkehrsmittel umgestiegen werden kann.

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