GELDERSHEIM

Ende April ziehen die ersten Flüchtlinge ein

Ehemalige Conn Barracks: Die neue Zufahrt zur Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber Foto: Anand Anders

Ende April, etwas später als geplant, werden die ersten Asylbewerber in die ehemaligen Conn Barracks einziehen. Noch haben die Handwerker viel zu tun. Nur eines der drei Gebäude, die die Regierung von Unterfranken angemietet hat und als Gemeinschaftsunterkunft für knapp 200 Menschen herrichten lässt, ist so gut wie fertig.

„Sehr gute Räume“, lobte Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber. Die CSU-Frau hatte aus Anlass des Unterfranken-Besuchs ihrer Parteikollegin, der Europaabgeordneten Monika Hohlmeier, eine Besichtigung organisiert und dazu Menschen eingeladen, die mit dem Thema Asylbewerber zu tun haben.

Die große Resonanz überraschte Weisgerber. Natürlich war die Regierung von Unterfranken als Hausherr der Einrichtung dabei. Aber auch Vertreter des Landratsamtes, der umliegenden Gemeinden, des Arbeitsamtes, Bezirks- und Kreisräte und ehrenamtlich für Asylbewerber Tätige nutzten die Gelegenheit, sich die neue Unterkunft anzuschauen. Vor allem die ehemaligen Quartiere der Unteroffiziere eignen sich gut für Familien. Jeweils vier Personen werden sich zwei Zimmer mit Küchenzeile, Wandschrank und ein kleines Bad teilen.

„Luxuriös“ fanden einige der Besucher. Dabei sind die Räume nicht so groß und das Mobiliar nicht neu. Es stammt noch von den Amerikanern und wurde abgekauft. „Sinnvoll“, fanden das alle. Beim nahe gelegenen Spielplatz gelang das nicht, was Monika Hohlmeier, als sie davon hörte, bedauerte. Volker Meyer von der Regierung von Unterfranken betonte, man habe noch versucht, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Geräte abzukaufen, sei aber zu spät gekommen. Aber man wolle einen Spielplatz bauen.

Manfred Wetzel, Abteilungsdirektor bei der Regierung von Unterfranken, bestätigte auf Anfrage, dass die neue Wasserleitung fertig ist. Wie berichtet, hatte die Bima Wasserversorgung und Heizung der Amerikaner stillgelegt, obwohl die Regierung von Unterfranken die Anlagen gerne genutzt hätte. Aber das war kein großes Thema mehr bei der Besichtigung.

„Abertausende sterben und wir bekommen von der Tragödie kaum etwas mit.“
Monika Hohlmeier über das Schicksal der Flüchtlinge

Bis die ersten Bewohner kommen, muss noch einiges geklärt werden. „Zum Beispiel das Thema Busanbindung“, sagte die stellvertretende Landrätin Christine Bender. Die Regierung von Unterfranken will einen Shuttleservice nach Niederwerrn und Schweinfurt anbieten, damit die Asylbewerber zum Einkaufen, in die Schule oder ins Landratsamt kommen. Aber die bestehende Haltestelle könne aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden, so Bender. Auch die Frage der Kindergartenplätze ist noch nicht geklärt, weil die umliegenden Kindergärten alle besetzt sind. „Notfalls könne man in der Gemeinschaftsunterkunft eine Gruppe einrichten“, regte Bender an.

Unproblematisch scheint dagegen der Schulbesuch der Flüchtlingskinder. In der Mittelschule Niederwerrn gebe es eine gut funktionierende Übergangsklasse, für die Grundschule könne man eine einrichten. Auch den Mehraufwand für die Verwaltung sprach die stellvertretende Landrätin an. Man werde wohl eine weitere Stelle im Landratsamt einrichten.

In der Gemeinde Geldersheim gibt es offensichtlich eine große Bereitschaft, sich für die Flüchtlinge zu engagieren. Die stellvertretende Bürgermeisterin Annemarie Schuler berichtete von etlichen Anfragen der Bürger, wie sie helfen könnten. Rund 100 gebrauchte Fahrräder und 60 Fernseher wurden bereits gespendet. Schwierig sei die Anbindung der Conn Barracks an die Gemeinde. Es gebe nicht einmal einen ordentlichen Wirtschaftsweg.

Anja Weisgerber skizzierte die Haltung der CSU zum Thema Asyl: All denen helfen, die verfolgt sind und ihre Verfahren beschleunigen; Wirtschaftsflüchtlinge möglichst schnell zurückweisen; Hilfe in den Herkunftsländern geben. Monika Hohlmeier ging richtig zur Sache und hielt aus dem Stegreif einen fast halbstündigen Vortrag über die Situation der 50 Millionen Flüchtlinge im Nahen Osten und in Afrika.

„Abertausende sterben auf der Flucht und wir bekommen von dieser Tragödie kaum etwas mit“, sagte die Europaabgeordnete. Viele würden unterwegs umgebracht, ihre Organe verkauft, andere verschleppt und missbraucht, selbst Säuglinge und kleine Kinder. „Schauen wir zu, wie sie elendiglich verrecken?“, wählte Hohlmeier drastische Worte. Ihre Antwort: einige aufnehmen und den Ländern in Afrika helfen. Trotzdem bleibe das Unglück riesengroß.

Manfred Wetzel von der Regierung von Unterfranken bei der Begrüßung der Besuchergruppe. Foto: Anand Anders
Rechts Anja Weisgerber und Monika Hohlmeier in einem der sanierten Räume. Foto: anand Anders

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