GRAFENRHEINFELD

Energiesparen im AKW Grafenrheinfeld

Seit 2015 ist das KKG vom Netz. Strom wird hier konsumiert, nicht mehr produziert. Foto: Anand Anders

Evamaria König, zuständig am Standort für Kommunikation, kann sich noch an die Zeit erinnern, als die Lichter nie ausgingen. Alles hell erleuchtet, Strom gab es ja im Überfluss, kostenlos. Und die Heizung, die nutzte den Dampf der Turbine, um für ordentlich Wärme zu sorgen. Damit heute die 200 KKG-Mitarbeitern, deren Zahl weiter schrumpfen wird, an kalten Tagen nicht frieren, muss nun die frühere Notlösung herhalten, die sonst in der Revision im Einsatz war.

Denn Dampf gibt es nicht mehr. Man muss ihn extra herstellen, hat dafür den Brenner des Hilfskessels von Heizöl auf die Kombination Öl/Gas umgestellt. Und auch sonst ist vieles anders auf dem Gelände, das von den markanten, 143 Meter hohen Kühltürmen überragt wird.

Der Strom kommt aus dem Netz

Der Strom kommt inzwischen aus dem Netz, man muss dafür bezahlen. Energie-, Stromsparen ist auf einmal ein Thema, nicht nur wegen der Kosten. Schon 2015 hat man laut König ein Energiemanagement eingeführt. Das hat den Gas- und Stromverbrauch im KKG im Blick. Systeme, die nun nicht mehr gebraucht werden, wurden außer Betrieb genommen, andere optimiert, um Energie zu sparen. So verbraucht das KKG heute pro Tag 4,9 Megawatt, zu Betriebszeiten waren es 70.

Und das 20-Kilovolt-Stromkabel, das für den Bau und Betrieb der geplanten Bereitstellungshalle gebraucht wird, verlegt die Überlandzentrale Lülsfeld als zuständiger Netzbetreiber. Auf höchst professionelle Art und Weise, wie Kraftwerksleiter Bernd Kaiser zufrieden sagt. Die Zeiten, in der hier Strom produziert wurde, hat er nie erlebt. 2017 übernahm Kaiser den Job von Reinhold Scheuring. Seine Aufgabe ist der Rückbau, nicht der Betrieb.

Ein Job, den er mit Mitarbeitern stemmen wird, die zum Teil seit 30 Jahren im KKG arbeiten. Auch bei ihnen hat ein Umdenken stattgefunden. Dass die Anlage schließen wird, die Aufgabe nun darin besteht, sie abzubauen, also zu vernichten, mussten viele damals erst einmal verdauen, nun aber schaut man nach vorne, um gemeinsam das Mammutprojekt zu stemmen, das wird in dem Gespräch mit den Vertretern von Preussen-Elektra deutlich. Darunter Kraftwerksleiter Kaiser, Rückbauleiter Stefan Krieger, Evamaria König und Pressesprecherin Almut Zyweck.

Vieles hat sich verändert, sagt Evamaria König, am Standort zuständig für Kommunikation, beim Pressetermin am Dienstag im KKG. Wo früher schier endlos Strom zur Verfügung stand, gibt es seit 2015 ein Energiemanagement. Rechts im Bild: Andreas Fassnacht, Leiter Technisches Büro. Er ist von Anfang an dabei. Foto: Anand Anders

Die Zeiten haben sich gewaltig geändert

Hätte man die KKG-Mitarbeiter vor einigen Jahren gefragt, als es erstmals um die Abschaltung ging und dann ganz konkret wurde, die Antworten wären anders gewesen als heute, sagt sie. Denn während die jüngere Generation sich schon bei der Berufswahl bewusst gewesen sei, dass die Zeit der Atomenergie in Deutschland endlich wäre, sind die älteren Mitarbeiter noch ganz anders in den Beruf gegangen. 1982 galt die Atomenergie als das Non-Plus-Ultra, waren die Reihen der Kritiker vielleicht laut, aber dennoch klein.

Von Anfang an dabei

Andreas Fassnacht, Leiter Technisches Büro, hat diese Zeit selbst erlebt. Er ist einer von vielen Mitarbeitern, die das KKG fast von Anfang an begleitet haben. In seinem Fall ein Jahr vor der Inbetriebnahme. Die war 1982. Ein Bild im Informationszentrum zeigt Fassnacht im Reaktor, da war das Becken für die Brennstäbe, das später fast unnatürlich blau schimmerte, noch leer. Jetzt ist es das wieder, das Wasser ist schon lange abgelassen. Eine atomare Reaktion gibt es nicht mehr. Die Brennelemente schon. 578 warten noch im Lagerbecken darauf, ins Zwischenlager gebracht zu werden.

Die Aufgabe, vor der man nun steht, der Rückbau des sogenannten Kontrollbereichs, ist eine große, sagt Fassnacht und verdeutlicht das an vielen Beispielen. Jedes Teil, jede Schraube, jeder Stahlträger, alles muss demontiert, geprüft, gemessen, möglicherweise auch gereinigt oder gelagert werden.

15 Jahre intensive Arbeit liegen vor dem Team

Ein Meter, größer dürfen die Stücke nicht sein, damit sie in die Boxen passen, die dann durch die Beprobung laufen. Fassnachts Blick geht in Richtung der Rohre, Kabel und Leitungen über uns, an die Wand, deren Oberfläche Quadratmeter für Quadratmeter abgekratzt wird. Dann folgt die Messung. Und das gilt für jedes Teil aus dem Kontrollbereich. Hier können Teile radioaktiv belastet sein, schließlich ist das der Kern der Anlage. Viel zu tun, sehr viel.

Strom wird seit Juni 2015 im KKG nicht mehr produziert. Die Anzeige steht auf Null. Foto: Susanne Wiedemann

Seit sechs Jahren läuft die Vorplanung für den Rückbau, vor vier Jahren begann das Genehmigungsverfahren. Am 11. April 2018 dann die Freigabe. Man kann loslegen. 15 Jahre wird diese Aufgabe die KKGler beschäftigen. Das Ziel: möglichst viel der 19 600 Tonnen Material aus diesem Kernbereich, in dem der nukleare Rückbau stattfindet, soll in den normalen Materialkreislauf. Der Rest der KKG-Anlage sind ganz normale Gebäude, Verwaltungstrakte und so weiter. Belastet sei hier nichts, heißt es.

Wie aus einer anderen Zeit

Die Jahre, die das Kernkraftwerk auf dem Buckel hat, sind unverkennbar. Alles wirkt ein wenig aus einer anderen Zeit, nicht nur das Treppenhaus, mit dem unverkennbaren Steinbelag, der auch Privathäuser aus dieser Bauzeit verunziert. Davon bleiben wird nichts, bis auf die beiden Lager, das Zwischenlager Bella und das neue, Beha. 2035 werden alle Gebäude, auch die Kühltürme abgerissen sein. Vielleicht bis auf ein Verwaltungsgebäude, das dann anders genutzt wird, sagt Kaiser. Wer weiß.

 

Rückblick

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  5. Brandschutz im AKW Grafenrheinfeld: Ehrenamtliche gefordert
  6. AKW: Kritik am Abbau der Werksfeuerwehr
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  11. Schleierhaftes Plädoyer für die Atomkraft
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  16. Energiesparen im AKW Grafenrheinfeld
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