SCHWEINFURT

Engpässe bei großen und kleinen Wohnungen

Schweinfurts größtes Wohnviertel ist der Stadtteil Bergl, geprägt vom ehemaligen sozialen Wohnungsbau. Foto: Anand Anders

Der Wohnungsmarkt in Schweinfurt ist ausgeglichen, was nicht heißt, dass Mieter und Vermieter wunschlos glücklich sind. Die Vier-Zimmerwohnung für 500 Euro (warm) gibt es auch in Schweinfurt nicht. Für 100 Quadratmeter aus der Zeit um das Jahr 2000 nennt der Schweinfurter Mietenspiegel eine Vergleichsmiete zwischen 634 und 726 Euro (ohne Nebenkosten). In München sind dafür rund 1300 Euro, in Würzburg 1050 Euro und in Aschaffenburg 900 Euro zu zahlen.

Bernhard Ackermann, Geschäftsführer beim hiesigen Mieterverein (1900 Mitglieder), sieht im Gegensatz zu der Situation in deutschen Großstädten keine sich zuspitzende Entwicklung auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. Ärger gäbe es aus unterschiedlichsten Gründen immer. Und grundsätzlich: „Es ist schwierig, eine passende Wohnung zu finden, insbesondere eine größere.“

Trend nicht abzusehen

Johannes Will-Fuchs vom Haus und Grundbesitzerverein Schweinfurt sowie Jutta Leitherer (Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht) sehen ebenfalls allgemeine und wenig lokalspezifische Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Gesucht seien vor allem kleine und größere Wohnungen – gleichermaßen in der Stadt wie in den Stadtrandgemeinden. Wegen der Bautätigkeiten auf den Konversionsflächen (ehemalige Wohnsiedlungen der Amerikaner und die Kaserne) sei derzeit beim Mietzins kein Trend auszumachen.

Nicht in Sicht sei ein wachsendes Angebot bei der Suche nach einem größeren Zuhause, wofür Leitherer und Will-Fuchs die hohen Erstellungskosten verantwortlich machen. Eine adäquate Miete sei für die weiträumigen Vier Wände in Schweinfurt nicht zu erzielen, auch weil der Staat hierfür keine Anreize biete.

Leerstände

Zur Schattenseite des Mietwohnungsmarkts zählen „Haus und Grund“ die Leerstände, „weil sich entweder der Eigentümer die Renovierung, oder der Mieter die modernisierte Wohnung nicht leisten kann“. Will-Fuchs ist zudem die Rechtssprechung „zu mieterorientiert“, was vor einer Vermietung abschrecke. Ausgelegt seien viele gesetzliche Vorgaben auf die Situation in Großstädten, wo der Mietwucher ein Thema sei. Das Nachsehen hätten Eigentümer außerhalb der Ballungszentren, die die Vermietung beispielsweise als Altersabsicherung vorgesehen hatten.

Moderate Steigerung

In Schweinfurt steige der Mietzins „moderat“, sagen die beiden Rechtsanwälte. Neun Euro würden pro Quadratmeter für die frisch sanierte Wohnung im Mietshaus mit Aufzug verlangt. Gefahren für den Markt sehen Will-Fuchs und Leitherer durch „explodierende Erstellungskosten“ (vor allem im privaten Wohnungsbau) und die kletternden Verkaufspreise bei Immobilien, die weit stärker als die Mieten steigen würden. Wer an die Rendite denke, der veräußere oftmals, weil er nicht 30 Jahre auf die ersten echten Einnahmen aus der Vermietung warten könne.

„Enger geworden“ ist der Markt für alle, die auf finanzielle Unterstützung beim Wohnen angewiesen sind, so Jürgen Montag, Sozialreferent im Schweinfurter Rathaus. Noch habe das Amt für soziale Leistungen in Zusammenarbeit mit der städtischen Tochter SWG (Stadt- und Wohnbau GmbH) für die Schwächeren „etwas bekommen“, sagt Montag.

Wohnen in der Kaserne

Sowohl Unterkünfte für Wohngemeinschaften wie auch Appartements brauchen die Studenten. Zu Beginn der Sommersemester hat das Studentenwerk keine Probleme, den Bedarf zu decken. Wie auch anderenorts sieht dies zum Beginn des Wintersemesters anders aus, weshalb man überlegt, in der Kaserne ein zweites Gebäude zu kaufen und umzubauen. In einem ersten Gebäude entstehen dort aktuell 91 Wohneinheiten, die teilweise schon bezogen sind.

Für alle da

Michael Radler von der SWG (Bestand: 5000 Wohnungen) spricht von einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt. Nur in einzelnen Segmenten könne es auch einmal enger werden, vor allem bei den größeren Wohnungen. Geachtet wird bei dem Wohnungsunternehmen „auf den richtigen Mix, denn wir sind für alle da, für Studenten, Familien, Ältere und Jüngere, oder etwa für die ausländischen Mitbürger“. Für Radler ist die Durchmischung wichtig, denn passe alles in den Hausgemeinschaften, dann passe das Wohnen im Straßenzug und in den Stadtvierteln.

Wohnen bei der Genossenschaft

Klaus Krug vom Bauverein, dem zweitgrößten Wohnungsunternehmen in Schweinfurt, weiß, dass die Wohnungen der Genossenschaft begehrt sind, was wohl auch der Grund für eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage ist. Klagen über fehlende Wohnungen sind ihm nicht unbekannt, doch seien unter den Suchenden etliche Leute, die unrealistische Vorstellungen über den Mietzins hätten. Mit 500 Euro kalt für vier Zimmer seien Erstellungskosten, Unterhalt und Modernisierungen nicht zu finanzieren. Vorgaben bei der Energieeinsparung oder etwa bei der Barrierefreiheit seien zusätzlich zu erfüllen.

Fehlentwicklungen akzeptiert

In Sachen Wohnungsnot und Wohnungswucher in Großstädten sei die Politik nicht unschuldig, die eigene Unternehmen privatisiert, Fehlentwicklungen akzeptiere und die Chance auf eine Marktregelung vertan hätte, meint Kraus. Als Genossenschaft sei man dagegen dem Wohl der Mieter verpflichtet. Und das Geld bleibe vor Ort, werde wieder investiert.

Auch beim Bauverein gibt es keine Vergabe streng nach Warteliste. Krug: „Der Mieter muss in die Hausgemeinschaft passen.“

Am billigsten ist das Wohnen in den Altbauten – wie hier im südlichen Bergl. Foto: Anand Anders

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