SCHWEINFURT

Er lebte die grüne Idee jeden Tag vor

Bruno Schömig Grüne
Gregor Schömig ist letzte Woche 87-jährig verstorben. Foto: Tepper

Gregor Schömig hatte keinen Autoführerschein. Den wollte er zwar mal machen, aber „ich habe ja nicht einmal Zeit, mein Fahrrad zu putzen“. In der ihm eigenen trockenen Art begründete Schömig dem Reporter gegenüber einmal seine Führerscheinlosigkeit. Letzte Woche ist der langjährige Stadtrat der Bündnisgrünen im Alter von 87 Jahren gestorben.

Gregor Schömig war ein bekennender Radfahrer. Konsequent war er mit seinem Drahtesel überall hin unterwegs oder er fuhr Bahn, wenn weiter entferntere Ziele zu erreichen waren. Schömig lebte die grüne Idee jeden Tag. Schömig war wie Joseph Beuys, sein Vorbild, Anthroposoph und deshalb auch Förderer des Waldorf-Kindergartens. Der gebürtige Schweinfurter war Mitglied der Christengemeinschaft, deren Begründer Friedrich Rittelmeyer in Schweinfurt zur Schule gegangen ist.

Zur aktiven Politik fand Schömig 1978. Der Grund war ein Auftritt von Herbert Gruhl (CDU, GAZ) im evangelischen Gemeindehaus, Autor des 1975 erschienenen Buches „Ein Planet wird geplündert“. Schömig wurde ebenfalls Mitglied der „Grünen Aktion Zukunft“ (GAZ). Die politische Heimat war gefunden. Er war Mitgründer der Bundesgrünen und des hiesigen Kreisverbands der Grünen (1979), bei denen er als Realo galt.

„Wir können nur etwas erreichen, wenn wir in den Parlamenten sitzen“, sagte er. 1990 hat sich der Mann, der über 50 Jahre bei der Bahn beschäftigt war, für den Stadtrat beworben. 1996 wurde er wiedergewählt. Zwölf Jahre lang setzte sich Schömig immer mit Vehemenz, aber ohne je laut zu werden, und stets guten Argumenten für alle grünen Themen, die Natur und ihren Erhalt ein.

Dass die CSU die Rad-Fahrt durch die Spitalstraße doch noch durchsetzte, darüber ärgerte sich Schömig. 2001 war das schon Mal so beschlossen. Schömig sammelte über 1000 Unterschriften gegen das Verbot. Der Beschluss wurde gekippt.

Es gab keine Demo gegen die Atomkraft, an der Schömig nicht präsent war mit seiner grün-gelben Antiatomkraft-Fahne in Händen. Er setzte sich für die Minderheiten ein, war bei Protesten gegen Rassismus und Ausländerhass von Schweinfurt ist bunt dabei.

Seine eigene grüne Welt lebte er jahrzehntelang in seinem Kleingarten hinter dem Bergl nahe der Wern. Er betrieb dort biologisch-dynamischen Anbau, verbrachte viel Zeit in seinem Idyll. Daher rührte auch sein Einsatz für die Gärtner der Anlage An den hohen Weiden, die dem Ausbau des Maintals weichen mussten.

Das grüne Urgestein ist vom Landesverband der Grünen und seinem Kreisverband zum Ehrenmitglied ernannt worden und mehrfach für seine langjährige Parteizugehörigkeit und sein Wirken insgesamt ausgezeichnet worden. Gregor Schömig wird am Montag, 19. März, um 14.30 Uhr auf dem Waldfriedhof in Aalen beerdigt, wo Mitglieder seiner Familie leben. Eine Delegation der Schweinfurter Grünen mit Kreis-, Stadträten und Kreisvorstandsmitgliedern nehmen daran teil.

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