Schweinfurt

Ergotherapeuten und Corona: Geht Behandlung auch über Video?

Sie dürfen arbeiten, doch die Patienten bleiben aus. Als Behandlungsmethode ist die Videotherapie seit Ende März gestattet. Was Schweinfurter Ergotherapeuten davon halten.
Um die Patienten kontaktlos zu behandeln, ist seit Ende März Videotherapie gestattet.
Um die Patienten kontaktlos zu behandeln, ist seit Ende März Videotherapie gestattet. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Die Ergotherapie-Praxis von Shanice Zilch ist seit dem 23. März geschlossen. Weil ihr schon vor der Corona-Pandemie aus Angst vor einer Infektion Patienten abgesagt hatten, weil sie sich selbst vor einer Infektion schützen wollte und weil Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel fehlten. Aber auch, weil Ministerpräsident Söder in seiner Pressekonferenz nicht klar formuliert hatte, wie es für Heilmittelerbringer weitergehen soll.

Heute weiß sie, dass sie arbeiten dürfte. Doch: "Eine Fortführung meines Arbeitsplans ist unter den derzeitigen Umständen undenkbar", schreibt Zilch in einer E-Mail an diese Redaktion. Einerseits könnten kaum Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, andererseits würden viele Patientenbehandlungen sowohl in der Praxis, bei Hausbesuchen oder in sozialen Einrichtungen aus Angst vor einer Infektion oder aus Sicherheitsvorschrift wegfallen.

Videotherapie zugelassen

Seit Mitte beziehungsweise Ende März haben die gesetzlichen Krankenkassen und die Unfallkassen Videotherapie als eine Möglichkeit der ergotherapeutischen Behandlung zugelassen. Sie solle den Therapeuten die Behandlung ihrer Patienten trotz geschlossener Praxen ermöglichen – und das kontaktlos. Auch für Privatpatienten mit und ohne Beihilfe sei eine Teletherapie möglich, zitiert der Deutsche Verband der Ergotherapeuten aus Veröffentlichungen des Verbandes der privaten Krankenversicherungen und aus einem Rundschreiben des Bundesinnenministeriums.

Doch ist das Konzept ein denkbarer Ersatz für Ergotherapeuten? "Praktisch ist die Videotherapie in der Realität meiner Meinung nach nicht umsetzbar, geschweige denn sinnvoll", findet Shanice Zilch. Es sei kaum bis gar nicht möglich, eine motorisch-funktionelle oder sensomotorisch-perzeptive Behandlung, beispielsweise nach einem Schlaganfall, in Form einer Videotherapie umzusetzen. Zudem handele es sich bei ihren Patienten zumeist um ältere Menschen, "welche oftmals gar keinen Computer besitzen oder nicht über ausreichende digitale Fähigkeiten verfügen", schreibt Zilch. "Wirksame Behandlungen können in meinem Beruf sehr häufig nur durch engen Kontakt zwischen Patient/-in und Therapeut/-in erzielt werden."

Anders als Shanice Zilch hat sich Maik Hartwig für die Videotherapie entschieden und zeigt sich zufrieden: "Meine Erfahrungen mit der Videotherapie sind immens gut", sagt der Ergotherapeut, der seine Praxen in Schweinfurt und Bad Königshofen ebenfalls seit Ende März geschlossen hat. Innerhalb kürzester Zeit sei er auf Videotherapie umgestiegen. Unterstützung bekam er dafür aus den USA. Eine Firma habe ihm während Corona computergestützte Therapiegeräte zur Verfügung gestellt, die er an seine Patienten kostenfrei verleihen konnte. Trotz seiner Ausstattung findet er: "Es muss nicht immer ein Roboter sein." Einfache Gegenstände, die der Patient zuhause hat – Flaschen, Stäbe – würden auch funktionieren.

Kontaktlose Behandlung

Hartwig setzt bei seiner Therapie auf sogenannte Hands-Off-Verfahren, bei denen das aktive, repetitive (wiederholte) Üben durch den Patienten selbst und nicht das Führen durch die Hand des Therapeuten im Vordergrund steht. Das geht seiner Meinung nach auch über Video. In der Telerehabilitation mache der Patient nichts anderes als in der Praxis auch, erläutert Hartwig. Der Therapeut könne seinem Patienten über Video Übungen vormachen und ihn verbessern, wenn er sie nicht richtig ausführt.

80 Prozent seiner Patienten hätten im März ihre Termine schon abgesagt, erzählt er. Einen "nicht unerheblichen Teil" derer konnte der Ergotherapeut durch die Videotherapie auffangen. Ein Vorteil: Viele seiner Patienten, die aufgrund der Corona-Pandemie darauf umgestiegen sind, seien schon vorher in Behandlung in seiner Praxis gewesen. "Wir wussten also, woran wir arbeiten", sagt Hartwig.

Als Grenzen der Videotherapie nennt auch Hartwig fehlende digitale Geräte oder Internetzugang. Auch einige Schwerstpatienten könnten so nicht behandelt werden. Doch der Ergotherapeut setzt auf die Unterstützung der Angehörigen, er nennt sie gerne Co-Therapeuten. Sie könnten bei digitalen Fragen helfen. 

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