Gerolzhofen

Erich Radimirsky zum Ehrenvorsitzenden ernannt

Der Vorstand vom Bund vertriebener Deutscher - Ortsverband Gerolzhofen und der neuen Ehrenvorsitzende, Erich Radimirsky (Vierter von rechts). Mit auf dem Bild Vorsitzender Siegfried Leppek (Zweiter von rechts). Foto: Robert Neubig

Die Jubiläumsfeier "70 Jahre Bund vertriebener Deutscher" eröffnete Monika Zink mit dem Gedicht "Der Flüchtling", das die Probleme der Flüchtlinge und Vertriebenen beschrieb.  Vorsitzender Siegfried Leppek vom "Bund vertriebener Deutscher - Ortsverband Gerolzhofen" (BvD) blickte anschließend auf 70 Jahre Vereinsschichte zurück.

Das Ziel der Gründung war, die Mitglieder zu integrieren, das Brauchtum und Liedgut der Vertriebenen und Flüchtlinge zu bewahren und Heimattreffen zu veranstalten. Mit einem Faschingsball führte der BvD im Januar immer die erste Tanzveranstaltung des Jahres im Hotel-Gasthof "Wilder Mann" durch.  Zweiter Vorsitzender Otmar Reick sprach über die Gründung des Vereins und Informationen zur Nachkriegszeit.

Viele Deutsche waren wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben oder flüchteten. Insgesamt verloren rund 14 Millionen Deutsche ihr Zuhause, führte er aus. Die Rhetorik, die nach 1945 deutschen Vertriebenen und Flüchtlingen im Westen entgegen schlug, sei furchtbar gewesen. Man habe für das Leid und das Elend seiner deutschen Mitbürger kein Verständnis aufgebracht und ihnen teilweise sogar selbst die Schuld an ihrer Situation gegeben. Es gab nicht genug Wohnraum für die Vertriebenen und Maßnahmen wie Wohnungsbeschlagnahmen, Einquartierung und andere Zwangsmaßnahmen führten zu schweren Verwerfungen in der Bevölkerung.

Im damaligen Landkreis Gerolzhofen kamen bis zum Jahre 1948 insgesamt 10 000 Flüchtlingen und Vertriebene an. Davon wurden in Gerolzhofen 1405 Personen untergebracht. Die anderen wurden auf die umliegenden Ortschaften verteilt. In manchen Ortschaften gab es mehr Neuankömmlinge als Einheimische. Die Einwohnerzahl in Gerolzhofen betrug im Mai 1939 exakt 3539 Personen. Im September 1950 betrug die Einwohnerzahl 5097. Arbeitsplätze waren in um Gerolzhofen nicht vorhanden. Leider gab es viele Vertrieben und Flüchtlinge, die mit ihrem Schicksal, ihrer Situation und der Traumatisierung durch Krieg, Flucht und Vertreibung nicht zurechtkamen und den Verlust ihrer Heimat nie überwinden konnten, sagte er.

Im Jahr 1947 organisierten sich die Flüchtlinge und es entstanden viele einzelne kleine landkreisbezogene Landesvertriebenenverbände, die am 1. April 1949 unter dem Namen "Zentralverband vertriebener Deutscher" zusammengefasst wurden. Der ZvD umfasste das ganze Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Er war schließlich auch eine politische Macht und fand deswegen nicht nur Fürsprecher. In Gerolzhofen entstand der "Bund vertriebener Deutscher - Ortsverband Gerolzhofen".

Für die Jugend gab es in Gerolzhofen die "Deutsche Jugend des Ostens" (DJO), die im Scherenbergturm ihren Treffpunkt hatte. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung fanden viele einen neuen und sicheren Arbeitsplatz. Die neuen Mitbürger brachten sich mit viel Wissen, Können und ihrer aktiven Mitarbeit in der Stadt Gerolzhofen ein. An den Straßennamen  wie Danzig-, Sudeten-, Breslauer- oder Königsberger Straße ist noch heute der Einfluss zu sehen.

Im Jahr 1952 schuf der Holzbildhauer Ewald Wohlrab ein Gedenkkreuz für die Heimatvertrieben auf dem Gerolzhöfer Friedhof. Im Jahr 2017 wurde dem "Kreuz des Ostens" vom BvD eine Stele hinzugefügt.

Die Vorstände des BvD waren Berthold Blohmeyer, Walter Mende und Erich Radimirsky. Der jetzige  Vorsitzende ist Siegfried Leppek. Heute besteht der Verein aus 37 Mitgliedern, die das 70. Jubiläum feierten.

Ein Höhepunkt war die Ernennung von Erich Radimirsky zum Ehrenvorsitzenden des BvD. Im Jahr 1987 wurde er zum 2. Vorstand gewählt. Zwei Jahre später übernahm der das Amt des Vorsitzenden. Dadurch konnte der Verein gerettet werden und wurde nicht aufgelöst. In den 30 Jahren seiner Tätigkeit organisierte er Busreisen und viele Veranstaltungen.

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