GELDERSHEIM

Erinnerung an den Pfarrer der Aufbauzeit

Alfred Popp (links) zeichnete im Pfarrheim das Leben des Pfarrers und Geldersheimer Ehrenbürgers Ferdinand Lipowsky nach. Rechts im Bild Peter und Werner Enzinger. Foto: Uwe Eichler

Sie drehte sich um nichts Geringeres als den Gottesbeweis, sowohl historisch als auch religionsethnologisch: Die Doktorarbeit des Pfarrers Dr. Ferdinand Lipowsky, dem Heimatforscher Alfred Popp ein Wochenende lang eine Ausstellung im Pfarrheim gewidmet hat.

Fast 30 Jahre lang, von 1949 bis 1977, war Lipowsky als Seelsorger am Biegenbach tätig, eine prägende Zeit nicht nur für die Kirchen-Gemeinde. Der Sudetendeutsche, 1905 als Landwirtssohn im heute tschechischen Jestrabi (Jastersdorf) geboren, wurde 1929 in Olmütz zum Priester geweiht. Während der Nazizeit soll der kantige Kleriker mehrfach bei der Gestapo „angeeckt“ sein.

Als heimatvertriebener Pfarrer kümmerte sich Lipowsky dann zunächst um die Seelsorge im Versehrtenkrankenhaus in Werneck. In Geldersheim ging es ebenfalls um die Bewältigung der dramatischen Kriegsfolgen, nicht zuletzt die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen.

Die Kirche St. Nikolaus bekam neue Glocken, nachdem die Vorgängermodelle für den „totalen Krieg“ eingeschmolzen worden waren. Der Ausbau des Kindergartens, der Schwesternstation und des Altenheims der Valentin-Engelhardtschen-Stiftung wurde ebenfalls in Angriff genommen. Lipowsky kümmerte sich insbesondere erstmals um die Sanierung der rund 40 Bildstöcke der Gemeinde, die zerfallen, teilweise aber auch zertrümmert worden waren: 1952 hatte ein psychisch Gestörter die Marterli attackiert. Ende der 1950er-Jahre ließ Lipowsky den Altarraum der Pfarrkirche St. Nikolaus umgestalten, hin zum heutigen „reinen“ Barockstil.

Mehr als ein Jahrzehnt lang gehörte der Geistliche dem Schweinfurter Kreistag an, im Jahre 1975 wurde er von den Geldersheimern für seine Verdienste zum Ehrenbürger ernannt. Seinen Altersruhesitz fand Lipowsky bei Augsburg, 1982 ist er während eines Urlaubs in Südtirol gestorben.

Die Ausstellung mit zahlreichen Fotos und Zeitungsausschnitten, aus der Sammlung von Alfred Popp, hat der Hobbyhistoriker in Zusammenarbeit mit Peter Enzinger und Pfarrer Markus Grzibek organisiert.

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