GEROLZHOFEN

Erinnerungen an verschwundenen Landkreis

Alles GEO: Bei der Vernissage gruppierten sich (von links) Sabine Wolf, Vorsitzende des Historischen Vereins, Bürgermeisterin Irmgard Krammer, Museumsleiter Bertram Schulz, Altbürgermeister Franz Stephan und Altlandrat Ernst Kastner um ein Meldefahrzeug der Gerolzhöfer Feuerwehr.

Es war fast ein bisschen wie früher: Der Gerolzhöfer Landrat unterhielt sich angeregt mit seinen Mitarbeitern, viele Bürgermeister aus dem Umland waren nach Gerolzhofen gekommen. Und darum herum war alles Landkreis Gerolzhofen. 40 Jahre ist das es her, dass es diesen Landkreis nicht mehr gibt. Deswegen stellte Museumsleiter Bertram Schulz, unterstützt vom Historischen Verein, im Alten Rathaus eine wirklich sehenswerte Ausstellung unter dem Titel „40 Jahre Gebietsreform in Bayern – Auflösung des Landkreises Gerolzhofen“ mit vielen Raritäten zusammen (zum Inhalt siehe gesonderten Bericht).

Große Freude herrschte bei der Ausstellungseröffnung über das Erscheinen von Altlandrat Ernst Kastner, der mit seiner Familie in die ehemalige Kreisstadt gekommen war. Bürgermeisterin Irmgard Krammer befand ebenso wie Sabine Wolf, Vorsitzende des Historischen Vereins, Museumsleiter Bertram Schulz habe sich unter Zeitdruck „unheimlich viele Gedanken und Mühe gemacht, um diese facettenreiche Ausstellung zu arrangieren“. Sie spreche auch die an, die die Ereignisse vor 40 Jahren nicht hautnah miterlebt haben.

Die Bürgermeisterin zitierte aus einem Aufsatz im „Fränkischen Bund“, in dem kritisiert wurde, dass die Gebietsreform keine Rücksicht auf gewachsene Räume und kulturelle Besonderheiten genommen habe und an ihrem Ende große Kunstgebilde ohne logische Struktur standen. Krammer: „Wir haben uns dennoch ganz gut behauptet.“

„Schön, dass ich nicht ganz vergessen bin“, freute sich Altlandrat Ernst Kastner. Als er sich sein Haus an der Berliner Straße in Gerolzhofen gebaut hatte, dachte er nicht daran, dass der Landkreis zehn Jahre später aufgelöst werden würde. Kastner erinnerte daran, dass der Landkreis Gerolzhofen bei seiner Auflösung einiges vorzuweisen hatte – ein erweitertes Kreiskrankenhaus, eine neue Berufsschule, einen funktionierenden Sportbetrieb auf Landkreisebene. „Damit haben wir großen Eindruck bei den Politikern hinterlassen.“

Kastner erinnerte auch an die Verärgerung in Schweinfurt, als der Kreistag in Gerolzhofen in seiner letzten Sitzung noch einen stattlichen Zuschuss für den Bau des Wohnstifts beschloss.

„Schön, dass ich nicht ganz vergessen bin.“

Altlandrat Ernst Kastner bei der Ausstellungseröffnung

Das Hauptreferat des Abends hielt Altbürgermeister Franz Stephan, der die Gebietsreform glänzend aufbereitet hatte. Schon lange, bevor es den Landkreis Gerolzhofen gab, hatte die Stadt zentralörtliche Bedeutung. Bis zur Auflösung des Kreises gab es sieben Ämter in der Stadt; Beamte und Angestellte engagierten sich in vielfältiger Weise.

Stephan bekannte, es habe ihn persönlich bewegt, wie 1972 die bestens ausgestatteten Lehrwerkstätten der Berufsschule, an der er seit 1965 tätig war, umfunktioniert wurden und das Inventar verkauft wurde.

Viel Wert legte der Kreis auf das Gesundheitswesen, auf den Sport und die Jugendarbeit. Kastner attestierte Stephan, dass er zusammen mit der Verwaltung viele Gegenvorschläge zu der Reform entwickelt habe. Als einen Hauptgrund für die Auflösung nannte der Altbürgermeister die mangelnde innere Geschlossenheit der 77 Landkreisgemeinden: Den Süden zog es nach Kitzingen, Volkach nach Würzburg. Auch im Kreistag war wegen der Uneinigkeit nicht einmal eine Stellungnahme zur Reform zu erreichen.

Der Sommer 1972 brachte dann bedrückende Tage für Gerolzhofen. „Schwarze Fahnen an den Geschäften, Enttäuschung und Zorn auf die Politik des Freistaats und heftige Diskussionen allenthalben. Unsere ansonsten überaus lebendige Stadt war wie gelähmt“, beschrieb Stephan die Stimmung in der Endzeit des Landkreises. Er erinnerte auch an Kastners markigen Spruch in der letzten Kreistagsitzung: „Es war bestimmt im Merk'schen Rat, dass GEO nicht zu bleiben hat.“ Bruno Merk war der bayerische Innenminister, der damals die Reform angestoßen hatte.

Stephan, der im Herbst 1976 zum Gerolzhöfer Bürgermeister gewählt wurde, sprach aber auch über die überproportional hohen Zuschüsse aus dem Zentralitätsverlustausgleich. Von den fünf Millionen Mark konnte man manche Projekte mit bis zu 90 Prozent Zuschuss finanzieren. Sein Fazit: Der Verlust des Kreissitzes war ohne Zweifel ein heftiger Einbruch in der Stadtentwicklung. Stadtrat und Bürgerschaft haben aber die Ärmel hochgekrempelt und dafür gesorgt, dass die Stadt Mittelpunkt zwischen Steigerwald und Main blieb.

Museumsleiter Schulz sagte, die Ausstellung sei das optische Pendant zu Stephans Vortrag. Er dankte allen Leihgebern, die teils echte Raritäten zur Verfügung gestellt haben. Ein Schmankerl von Schulz am Ende: „Es gibt immer noch 722 zugelassene Fahrzeuge mit GEO-Kennzeichen.“

Viele Erinnerungsstücke: Dieses Exponat verweist auf die Straßenbauverwaltung des ehemaligen Landkreises Gerolzhofen. Foto: Finster

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