Gerolzhofen

Es braucht eine belastbare Grundlage

Klaus Vogt Foto: Theresa Müller

Am Donnerstag wird sich der Kreistag Schweinfurt mit der Zukunft der Steigerwaldbahn beschäftigen. Nachdem alle Gemeinden entlang der Strecke, außer Gerolzhofen, einen Antrag auf Entwidmung der Strecke gestellt haben, will die für die endgültige Schließung der Strecke zuständige Regierung von Mittelfranken im Rahmen ihrer Meinungsfindung jetzt vom Landkreis wissen, welche Meinung er denn in dieser Angelegenheit vertritt. Kraft Gesetzes muss der Landkreis als Träger des Öffentlichen Personennahverkehrs dazu gehört werden.

Die Frage, ob eine Wiederbelebung der alten Trasse zu einer deutlichen Verbesserung des ÖPNV in der Region führen könnte oder ob sie sich mangels ausreichender Fahrgäste zu einem Millionengrab entwickelt, hat in der Vergangenheit zu heftigen Diskussionen geführt, bei denen oftmals die Grenzen der Fairness überschritten wurden. Dabei ist das Zerschlagen des Gordischen Knotens für den Kreistag am Donnerstag ganz einfach: Lasst die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ein Gutachten über das Fahrgastpotenzial erstellen. Dann hat man endlich eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Stellt sich heraus, dass es tatsächlich eine hohe Nachfrage nach einer Bahnverbindung gibt, muss sich der Landkreis gegen die beantragte Entwidmung aussprechen, denn eine Wiederbelebung der Steigerwaldbahn macht dann Sinn. Gibt es hingegen keine Nachfrage, braucht es die Millionen-Investition auch nicht.

1000 so genannte Personenkilometer, eine kompliziert zu errechnende Maßeinheit für die Verkehrsleistung im Personenverkehr, müssen laut der BEG mindestens erreicht sein, um eine Bahnstrecke vernünftig betreiben zu können. Man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis die BEG, falls sie beauftragt wird, in ihrem Gutachten kommt. Bei der Diskussion um die Mainschleifenbahn Volkach – Würzburg  hat sich gezeigt, dass die von der BEG ermittelten Fahrgastzahlen doch deutlich unter denen lagen, die ein von der Stadt Volkach beauftragter Gutachter berechnet hatte.

Sollte sich bei einem Gutachten der BEG herausstellen, dass die Steigerwaldbahn tatsächlich über 1000 Personenkilometer generieren kann, heißt dies allerdings noch lange nicht, dass auf der Trasse die Signale gleich auf Grün gestellt werden. Es müsste erst noch ein Unternehmen gefunden werden, das die Infrastruktur der Strecke von der Deutschen Bahn abkauft und sie weiter betreibt. Und dann braucht es auch noch ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, das einen wirtschaftlichen Sinn darin sieht, seine Züge auf der Strecke fahren zu lassen.

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