GEROLZHOFEN

Es geht ein Riss durch den Stadtrat

Unter der Überschrift „Schlagseite nach rechts“ geißelte unlängst die Süddeutsche Zeitung den „Flirt von SPD und Republikanern“ bei der Wahl von Erich Servatius (SPD) zum neuen 2. Bürgermeister. Und auch wenn die meisten Fraktionen die Stadtratsarbeit infolge der Wahl des 2. Bürgermeisters auf Dauer als „eigentlich nicht“ belastet ansehen, so kündigt der hauchdünn unterlegene Wolfgang Mößlein gegenüber dieser Zeitung den bislang üblichen Konsensstil „als obsolet“ und somit als überholt auf.
Die Niederlage für den CSU-Kandidaten Wolfgang Mößlein (links) bei der Wahl von SPD-Stadtrat Erich Servatius (6. von links) zum 2. Bürgermeister durch ein Bündnis aus Freien Wählern, SPD, Bürgermeisterin Irmgard Krammer und REP-Stadtrat Heinz Lorz belastet momentan die Arbeit im Gerolzhöfer Stadtrat. Ob der Graben, der momentan durch den Stadtrat geht, von Dauer ist, wird sich zeigen, wobei der Riss in obigem Bild von der konstituierenden Sitzung rein zufällig gewählt wurde. Foto: Foto Norbert Finster

Der CSU-Ortsvorsitzende war zuvor schon Irmgard Krammer (Freie Wähler) ebenso denkbar knapp mit nur 16 Stimmen Unterschied bei der Bürgermeisterwahl unterlegen. Bei der Wahl des 2. Bürgermeisters war ihm das Bündnis aus Freien Wählern (fünf Sitze), SPD (vier Sitze) sowie Bürgermeisterin Krammer und Heinz Lorz (REP) zum Verhängnis geworden. Der Republikaner-Stadtrat hatte letztendlich als Zünglein an der Waage den Ausschlag für Servatius gegeben.

Wolfgang Mößlein zur aktuellen Lage: „Wir können uns nicht auf der einen Seite eine reinhauen lassen und auf der anderen Seite munter weiter machen, als wenn nichts geschehen wäre.“ Im Grunde genommen sei es mit dem „früher ganz passablen Miteinander“ schon vorbei gewesen, seit Hartmut Bräuer aus dem Bürgermeisteramt geschieden ist. Selbstkritisch räumt er ein: „Vielleicht war ich zu sachorientiert. Der politische Gegner hat sich bereits auf uns konzentriert, während wir uns noch weiter auf die Stadt konzentrierten“.

Nachdem die CSU inzwischen einen derart harten politischen Stil von der Gegenseite aufgedrückt bekomme, stelle die Wahl des 2. Bürgermeister jetzt mit Sicherheit eine Zäsur dar. Klar sei, dass sich die CSU in der neuen Rahmensituation neu finden müsse.

Wie die neue Rolle konkret aussehen dürfte, ließen Ortsvorsitzender Wolfgang Mößlein und die neue Fraktionsvorsitzende Eva Maria Ott die Mitglieder des Ortsverbandes in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben vom 5. Juni wissen. Dort heißt es: „Die neue Konstellation hat politisch aber auch ihre Vorteile. Die neue Mehrheit hat nun die Stadtpolitik allein zu verantworten. Die CSU wird ihre Funktion als kritische Opposition ernst nehmen, was unsere Fraktion jedoch nicht hindern wird, weiter konstruktive Vorschläge zum Wohle der Stadt einzubringen.“

Um über seine persönliche Zukunft zu reden, so Wolfgang Mößlein, sei alles im Moment noch zu nah und zu frisch. Für Leute wie ihn gebe es aber zahlreiche Optionen. So sei er inzwischen in Adelsdorf, wo er als geschäftsleitender Beamter beschäftigt ist, auch zum Geschäftsführer der gemeindlichen Energiegesellschaft ernannt worden. Mößlein: „Eine total spannende Geschichte. Ich freue mich unwahrscheinlich, diese Gesellschaft zur Förderung regenerativer Energien in vielfältiger Weise aufbauen zu können. Ich kann da frei arbeiten und mich voll einbringen“. Was seine Lebensplanung anbelangt, so müsse es auch nicht für immer und ewig die Politik sein. Wolfgang Mößlein: „Ich mache jetzt seit meinem 22. Lebensjahr Politik“.

Erich Servatius, der neue 2. Bürgermeister und seinerzeit ebenfalls Irmgard Krammer bei der Bürgermeisterwahl unterlegener Kandidat, erachtet es als legitimes, demokratisches Mittel, sich bei Abstimmungen Mehrheiten zu suchen.

Auch die CSU habe versucht, sich der Stimme von Heinz Lorz zu versichern. Der hatte sich aber zuvor bereits für die andere Seite entschieden. Erich Servatius: „Es war von vorneherein klar, dass wir nur auf den Sitz im Bauausschuss zu Gunsten von Heinz Lorz verzichten. Und es war auch klar, warum wir das tun. Anders hätten wir die Wahl nicht geschafft. Aber auch CSU, die Jungen und geo-net hätten es nicht ohne Republikaner geschafft. Hätte Lorz für Mößlein gestimmt, hätte er die Wahl dann nicht angenommen?“. Auch bei künftigen Entscheidungen könne es immer wieder vorkommen, dass der REP-Stadtrat zum Zünglein an der Waage werde.

Überhaupt werde dem Ganzen zu viel Gewicht beigemessen. Der 2. Bürgermeister: „Die Gemeinsamkeit mit den Republikanern ist für mich in einer Ausschussgemeinschaft stärker als bei einer einmaligen Wahl“. Damit spielt Servatius auf die öffentliche Kritik der Liste „Die Jungen“ an, angeführt von ihrem Stadtrat Thorsten Wozniak. Denn ausgerechnet dessen Vorgänger Roland Feller hatte sich in den vergangenen sechs Jahren mit Heinz Lorz zu einer so genannten Ausschussgemeinschaft zusammengeschlossen, wodurch beide in bestimmten Ausschüssen vertreten waren.

Erich Servatius unterstreicht noch einmal: „Das war ein einmaliger Vorgang. Zwischen uns und Heinz Lorz ist keine gemeinsame Arbeit abgesprochen worden. Ich will als 2. Bürgermeister überparteilich zum Wohle der Stadt arbeiten!“

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