Ebrach

Europäischer Zisterzienserweg

Auf dem Weg von Sulzheim nach Ebrach: Raststation an der Gertraudiskapelle Foto: Birgit Kastner

Mit einem Festakt feierte der Landkreis Bamberg laut einer Pressemitteilung mit seinen europäischen Projektpartnern in Ebrach den Abschluss der Kooperationsverträge und den Start in die gemeinsame Bewerbungsphase für das transnationale Europäische Kulturerbe-Siegel für zisterziensische Klosterlandschaften. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte in Kloster Ebrach die Bedeutung dieses Siegels für die Bewusstmachung gemeinsamer europäischer Geschichte und Werte.

„Dieses Projekt macht Lust auf Europa“, schwärmte der Minister in der ehemaligen Abteikirche des Zisterzienserklosters Ebrach vor zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland, die der Landkreis Bamberg als Initiator, transnational Koordinator und Träger des Zisterzienserprojekts geladen hatte. „Das Europäische Kulturerbe-Siegel erleichtert den Zugang zum europäischen Kulturerbe“, betonte Sibler, gerade die gemeinsame kulturelle Identität und der gemeinsame Wertekonsens verbinde uns Europäer. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Landkreis Bamberg eine Bewerbung des Zisterzienserklosters Ebrach im Steigerwald zusammen mit Partnerstätten in sechs Ländern. Unter dem internationalen Titel „Cisterscapes - Cistercian landscapes connecting Europe“ soll das einzigartige kulturelle Erbe, das die Zisterziensermönche in der Landschaft hinterlassen haben, erforscht, aufgewertet und in einen Antrag zusammengeführt werden. Durch das Wirken der Klöster ähneln sich Landschafts- und Siedlungsstrukturen in weit entfernten Gegenden Europas. „Es ist Zeichen der Erinnerung, dass die Idee einer Zusammengehörigkeit europäischer Identitäten schon vor Jahrhunderten existiert hat.“, so Abt Philipp Helm aus dem Ebracher Tochterkloster Rein in der Steiermark.

Klosterlandschaft als Kulturerbe

„Die herausragende Bedeutung der Ebracher Klosterlandschaft und unserer Partnerstätten in Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien ist unsere Motivation für die transnationale Bewerbung auf ein europäisches Kulturerbe-Siegel und soll der Anfang unseres „Zisterzienserwegs“ durch Europa sein!“ erklärte Landrat Kalb und formulierte auch gleich sein Fernziel: „Nach dem Europäischen Siegel kommt der Welterbe-Titel, darauf arbeiten wir langfristig hin.“

Die gestartete Bewerbungsphase im Verbund mit 18 Partnern ist in ihrer Dimension sowohl die größte transnationale Bewerbung, die das Europäische Kulturerbe-Siegel in seiner jungen Geschichte verzeichnet als auch das bislang umfangreichste transnationale Kooperationsprojekt für den Haupt-Fördergeber LEADER Bayern. Daneben beteiligen sich die Oberfrankenstiftung wie auch die Diözesen Bamberg und Würzburg an der Projektfinanzierung. Auf fachlicher Ebene ist das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zentraler Partner des Projekts und Mittelgeber für Maßnahmen der Erforschung und Vermittlung von Kulturlandschaften.

Das Bündnis der Klosterlandschaften wird durch insgesamt 50 kommunale und bürgerschaftliche Partner getragen, die sich insgesamt zu einer Investition von vier Millionen Euro verpflichtet haben, um die historische Kulturlandschaft ins Bewusstsein zu rücken, zu vermitteln, touristisch aufzuwerten und für die Weiterentwicklung ländlicher Regionen zu nutzen. Mit einem konzertierten Maßnahmenprogramm werden sich die Partner in den nächsten zwei Jahren auf die Anforderungen für das Siegel vorbereiten. Dazu zählen insbesondere Vermittlungs- und Bildungsmaßnahmen, Investitionen in die Infrastruktur, die Entwicklung von Multimedia-Landschaftsmodellen und schließlich ein Europäischer Fernwanderweg, der die Klosterlandschaften von Ost nach West über 1.300 km miteinander verbinden und damit auch touristisch erschließen soll. Benefit für die Kommunen wird auch der Erfahrungsaustausch in der Regionalentwicklung auf europäischer Ebene sein. In Bayern sind Ebrach und die Steigerwaldlandkreise, Klosterlangheim mit Stadt und Land Lichtenfels sowie Kloster Waldsassen mit Stadt Waldsassen und Landkreis Tirschenreuth am Projekt beteiligt. Das Management und die transnationale Koordination sind beim Landkreis Bamberg unter der Leitung von Birgit Kastner angesiedelt.

Hintergrundinformation

Zu den 38 bisher von der EU ausgezeichneten Stätten des europäischen Kulturerbes sollen künftig auch zisterziensische Klosterlandschaften zählen. Das Europäische Kulturerbe-Siegel wird von der Europäischen Kommission seit 2013 im 2-Jahres-Rhythmus vergeben und Stätten zuerkannt, die für die Geschichte Europas und die kulturelle Identität der Menschen von herausragender Bedeutung sind. Mit der zisterziensischen Klosterlandschaft hat der Landkreis Bamberg, in dem die Abtei Ebrach liegt, ein Bewerbungsthema gewählt, das ein grenzübergreifendes gemeinsames kulturelles Erbe in Europa darstellt. Ebrach war im Jahr 1127 die erste rechtsrheinische Gründung des mächtigen burgundischen Ordens und ein Dreh- und Angelpunkt der Ostausbreitung der Zisterzienser im Hochmittelalter. Zu den wesentlichen Merkmalen der zisterziensischen Landschaftsprägung zählen dabei neben den Klöstern die Wasserkanäle, Mühlen und Teichketten, alte Weinberge, ausgedehnte Wälder, Wirtschaftshöfe mit prägnanten Flurstrukturen, Altstraßen, Wallfahrtswege und -kapellen, die ehemaligen Amtsschlösser mit ihren Gärten sowie die Stadthöfe. Das Siegel in der Kategorie Kulturlandschaft soll somit das Natur- und Kulturerbe in einen Umkreis von jeweils mehr als 50 Kilometer um die Klöster der beteiligten Regionen umfassen.

Die Bewerbung wird im Herbst 2021 eingereicht werden, die Nominierungen durch die EU-Kommission finden 2023 statt. Das Projekt erhält eine LEADERFörderung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Der Festakt in der Abteikirche Ebrach. Foto: Daniel Löb
Eintrag in das goldene Buch. Foto: Daniel Löb
Die Landkarte mit der zisterziensischen Klosterlandschaft. Foto: Daniel Löb

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