SCHWEINFURT

Eva Herman: Vom Fehlen des Gottesbezugs und uralten „Schöpfungsgesetzen“

Scharf umrissenes Bild der Gesellschaft: Eva Herman im Schweinfurter Brauhaus.
Scharf umrissenes Bild der Gesellschaft: Eva Herman im Schweinfurter Brauhaus. Foto: Uwe Eichler

Kommen zwei Feministinnen in die Wirtschaft. „Zwei Radler bitte“, sagt die eine. Nein, verbessert die andere: „Zwei Radlerinnen!“ Sagt der Wirt: „Tut mir leid, ich habe gerade kein Zapfhuhn.“ Die Lacher hat Eva Herman damit auf ihrer Seite: 250, wenn nicht 300 Besucher drängen sich im Saal des Brauhauses. Eingeladen hatte Dieter Zimmermann, „Chapterleiter“ der Schweinfurter „Christen im Beruf“, eine internationale Vereinigung von Christen aller Konfessionen.

Man hat hier schon einige Lebensbeichten gehört, an diesem Freitagabend ist die geläuterte Karrierefrau Eva Herman dran. Sorgfältig sammeln die Veranstalter eingeschmuggelte Propaganda-Flyer vom „Schutzbund für das deutsche Volk“ ein. In die rechtsradikale Ecke will man sich ebenso wenig stellen lassen wie Eva Herman. Die ehemalige Moderatorin, 2007 aus der Talkshow von Johannes B. Kerner geflogen aufgrund verfänglicher Äußerungen zur Frauenrolle in der Nazizeit, müsste eigentlich gut lachen haben: Inzwischen wurde Kerner abgewatscht, weil er als Showmaster die kämpfende Truppe am Hindukusch besucht hatte.

Eva Herman wirbt nicht für soldatische Tugenden, sie fordert Hochachtung vor der Mutterrolle. „Die Wahrheit und ihr Preis“, heißt der Vortrag. Zwischendurch gibt es fromme Spirituals des Oberwerrner Vater-Tochter-Duos Eberhard und Franziska Fasel, besonders gut kommt „Straßen aus Gold, Tore aus Perlen“ an.

„Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Eva Herman ruft so augenzwinkernd in Erinnerung, dass sie 18 Jahre lang Sprecherin der Tagesschau war. An diesem Abend hat sie, „knochenehrlich“, mit perfektem Make-Up, unangenehme Nachrichten zu verlesen: „Wir wissen, dass wir aussterben“ – wenn pro Familie nur noch 1,35 statt 2,2 Kinder zur Welt kämen. Jede zweite Ehe wird geschieden, ein Drittel der Bevölkerung erleidet den „Seeleninfarkt“, es fehlen der Gottesbezug und die Achtung jahrtausendealter „Schöpfungsgesetze“.

Das Erweckungserlebnis der Referentin („Ich wollte mal einen Mann und drei Kinder, bekam drei Scheidungen und ein Kind“) war die Schwangerschaft. Ihr Lieblingsthema ist das Stillen, das die Kinder angeblich stark, gesund und selbstbewusst werden lässt (die Ostfriesin selbst, vaterlos aufgewachsene Tochter einer Hotelbesitzerin, wurde nie gestillt, wie sie am Tisch leise sagt). Sie berichtet von der Journalistin, die sie erst ob ihrer Thesen „angeschrien“ habe und dann weinend unter der eigenen Last zusammengebrochen sei.

Emanzipation ist längst keine Befreiung mehr, Europa pleite, die Frauen müssen mitarbeiten, was entweder Doppelbelastung oder Kinderlosigkeit bedeute. Und was haben Frauenquoten mit Qualifikation zu tun? Gleich ob UdSSR oder Drittes Reich: Beide haben „fatale Familienpolitik“ betrieben, Familien und Werte zerstört. Nun will Deutschland Kleinkinder, die in den ersten drei Jahren Mutterbindung bräuchten, in teure Krippen stecken. So sieht es Eva Hermann – und malt das Gespenst des „gender mainstreaming“ an die Wand, bei dem Jungen plötzlich mit Puppen und Mädchen mit Revolvern spielen sollen – wenn nicht Schlimmeres. „Big Brother“ stecke hinter solcher Geschlechtsverirrung, warnt die politisch Unkorrekte vor den Meinungsmachern und deren Macht seit 1968.

Heute meidet die ihrer Meinung nach falsch zitierte Prominente sprachliche Fallstricke: „Unsere Geschichte hat sich zu manchen Zeiten ungünstig entwickelt“, spielt sie sarkastisch auf ihr verbales Stolpern in der (und über die) Vergangenheit an.

Eine Tonaufnahme vom Vortrag wurde den Organisatoren nicht gestattet. Die Wunden vom letzten Zusammenprall sitzen tief: Alice Schwarzer habe maßgeblich ihre Ablösung bei der Tagesschau betrieben, sagt die Referentin.

Das Bild der Gesellschaft, das Eva Herman zeichnet, ist scharf umrissen. Die Buchautorin koloriert kräftig nach, damit es dramatisch und auch ein bisschen mystisch wirkt. Für die Hamburgerin, die fleißig Kant, Schopenhauer, Cocteau, Einstein zitiert, wäre der „Untergang des Abendlands“ noch zu stoppen: Wenn endlich die Wahrheit gesagt und jeder Mensch nach seinem Geschlecht selig werden darf. Nur auf die Liebe komme es an.

Vor der Signierstunde verweist Herman noch auf ihren neuen Arbeitgeber, den Kopp-Verlag, ein Alternativmedium im Internet. Der Rest ist Geschmackssache, oder sollte es in einer freien Gesellschaft zumindest sein. „Amen“ lautet nach drei Stunden (mit Essenspause) das Schlusswort von Dieter Zimmermann.

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