Schweinfurt

Fahrgeschäfte: Immer höher, schneller – und trotzdem sicher

Wenn sich die Fahrgäste im wahrsten Sinne überschlagen, verlassen sie sich darauf, dass auf die Technik Verlass ist. Foto: Katja Klein

15 Maschinenbau-Studierende der Hochschule Würzburg-Schweinfurt besuchten zusammen mit Professor Dr.-Ing. Stefan Schreiber exemplarisch drei Fahrgeschäfte des Schweinfurter Volksfestes. Auf Einladung des Amtes für öffentliche Ordnung der Stadt Schweinfurt hatten sie die Möglichkeit, die Maschinendynamik sowie die Betriebsfestigkeit kennenzulernen, sie in Anwendung zu erleben und technische, logistische sowie betriebswirtschaftliche Fragen zu stellen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ehe das Volksfest für die Bürger öffnete, hatten die angehenden Ingenieure die Möglichkeit, neben den blinkenden Lampen hinter beziehungsweise unter die Kulissen der Fahrgeschäfte zu blicken – und so deren Antriebs- und Steuerungstechnik hautnah zu erleben. Thomas Clauß, Betreiber des „Flipfly“, informierte darüber, dass es in Deutschland ein hohes Sicherheitsniveau gebe. Alle Fahrgeschäfte würden regelmäßig durch den TÜV geprüft werden. Darüber hinaus vergebe vor jedem Jahrmarkt die örtliche Behörde eine

Energiesparende Lichttechnik und eigene Wasseraufbereitung

Thomas Clauß, dessen Familie 1850 mit Schiffsschaukeln ins Geschäft einstieg, benötigt vier Wagen für den Transport. Der Wasserballast von 13 Tonnen für den Betrieb des Fahrgeschäftes könne er während des Transports auf der Straße einsparen. Mit drei Gondeln ließen sich bis zu zwölf Fahrgäste bewegen. Die Lichttechnik sei komplett überarbeitet worden und nutze neue, energiesparende Technik.

Um den Fahrgästen zwei Abfahrten auf dreihundert Metern Wasserstrecke bieten zu können, nutzt Fritz Heitmann, Betreiber der „Poseidon“, eine eigene biologische Wasseraufbereitungsanlage für die Befüllung mit 140 Kubikmeter Wasser. Eine Hochleistungspumpe hält das Wasser in Bewegung. Die Stromkosten belaufen sich täglich auf 150 bis 200 Euro, was nach Aussagen des Betreibers vergleichsweise niedrig ist. Seine Familie sei seit zweihundert Jahren im Fahrgeschäft tätig. Für den Transport der Wasserbahn benötige er allerdings zwölf Fahrzeuge. Ersatzteile seien für Motoren und die Steuerung immer doppelt vorhanden, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können, heißt es in der Mitteilung weiter.

Unterschiedliche Programme

Andreas Aigner betreibt das „Parcour“, ein Familienrund- und Hochfahrgeschäft mit vier mehrfach beweglichen Gondeln, die bis zu vierzig Personen fassen können. Um den Fahrspaß zu ermöglichen, gestalten frequenzgesteuerte Motoren das Fahrprogramm individuell für die Fahrgäste, so Aigner. Es werde immer schwieriger, Personal für den Transport und den Betrieb des Fahrgeschäftes zu finden. Die Anlageanforderungen seien hoch, Transport, Aufbau samt Kontrolle sowie enge Zeitfenster prägten den Alltag der Aussteller.

Thomas Clauß, Betreiber des „Flipfly“ auf dem Volksfest in Schweinfurt, erläuterte den Maschinenbau-Studierenden technische Daten zur Überkopf-Schaukel. Foto: Katja Klein
Die Studierenden konnten einen Blick auf die Technik der Überkopfschaukel werfen und dem Betreiber Fragen stellen. Foto: Katja Klein
Andreas Aigner präsentierte den jungen Ingenieuren seinen „Parcour“. Foto: Katja Klein
Fritz Heitmann, Betreiber des Fahrgeschäftes „Poseidon“, benötigt zwölf Fahrzeuge, um seine Wasserbahn zu den Veranstaltungsorten zu bringen. Foto: Katja Klein
Ein Karussellbetreiber muss auch selbst Hand anlegen können, um sicherheitsrelevante Teile im Falle einer Störung rasch zu tauschen. Foto: Katja Klein
Mitten zwischen den Wasserbahnen befindet sich das Herzstück der „Poseidon“, die steuerungstechnische Anlage, welche die Studierenden besichtigen konnten. Foto: Katja Klein

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