Schweinfurt

Fake News und warum Frauen weniger verdienen als Männer

Bezirksfrauenrat von ver.di und die AsF setzten sich mit Fake News auseinander – und mit der Größe von Männergehirnen.
Drei Frauen, die sich für Europa und gegen Fake News stark machen (von links): Kathi Petersen (Bezirksfrauenrat), die Europaabgeordnete Kerstin Westphal und Marietta Eder (AsF). Foto: Ursula Lux

"Putzfrau verdient mehr als Chefarzt" – das ist ja wohl eine leicht zu erkennende Fake News. Gefälschte Nachrichten standen unter diesem Titel im Mittelpunkt des Frauenfrühstücks, zu dem der Bezirksfrauenrat von ver.di und die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) eingeladen hatten. Es hat inzwischen schon Tradition, dass Frauen im Gewerkschaftszentrum solche aktuellen Themen diskutieren.

Fake News gab es schon immer, erklärte Kathi Petersen (Vorsitzende des Ver.di-Bezirksfrauenrates) bei ihrer Einführung, aber heute träten sie verstärkt auf und spielten extremistischen Kräften in die Hände. Sie machte den Unterschied zwischen Lügen und Fake News klar. Letztere seien wissenschaftlich gefälschte oder erfundene Nachrichten mit der Absicht, die Öffentlichkeit politisch oder auch kommerziell zu manipulieren. Die Gefahr dabei: Vertrauen werde untergraben, Verschwörungstheorien wüchsen aus dem Boden und die Menschen würden mehr und mehr immun gegen Wahrheiten.

Vertrauen in die Medien schwindet

"Wir diskutieren heute nicht mehr über Meinungen, wenn aber Tatsachen in Frage gestellt werden, dann fehlt das Fundament jeder Verständigung", betonte Petersen. Als Beispiel nannte sie das schwindende Vertrauen in die etablierten Medien und das Argument einer rechten Demonstrantin in Dresden. Die habe behauptet, in Dresden gebe es inzwischen mehr Moscheen als Kirchen. Die Tatsache von 25 Kirchen und zwei Moscheen glaubte sie einfach nicht.

In den Gesprächsrunden wurde aber auch schnell deutlich, dass es nicht immer so einfach ist, diese manipulativen falschen Nachrichten zu erkennen. Nicht immer habe man die Energie, genau zu recherchieren, meinte eine Teilnehmerin. Wenn man nicht sicher sei, dann solle man solche Nachrichten vor allem nicht weiterverbreiten, forderte Petersen. Eine Lehrerin meinte, der umfassende Zugang zu Wissen im Internet sei nicht nur Segen sonder auch Fluch. Viele übernähmen die erstbeste Meinung und würden nicht mehr nach der Quelle fragen, denn das mache Arbeit.

Auch ein geringer werdendes Sprachvermögen sorge für Missverständnisse und begünstige populistische Formulierungen, betone eine andere Frau. Ironie werde heute oft nicht mehr verstanden. Ein Vorwurf ging auch an die Politiker "Viele lügen wie gedruckt", meinte eine Diskutantin.

Frauen müssen weniger verdienen

Kerstin Westphal (MdE) hatte ein drastisches Beispiel für die Ungleichbehandlung der Geschlechter aus dem Europaparlament. Dort habe ein polnischer Abgeordneter behauptet, dass Frauen weniger verdienen müssten als Männer, weil sie ja auch kleinere Gehirne hätten als diese. Die Europaabgeordnete warb für eine große Wahlbeteiligung. Sie wies auf die Gefahren hin, wenn das Bündnis, das über 70 Jahre den Frieden gesichert habe, nun zurückfalle in ein Nationalstaaten-Denken. Gerade für Frauen sei dies nach 100 Jahren Frauenwahlrecht ein Scheideweg, "Wir sind mehr als nur Gebärmütter und wollen nicht mehr auf die drei K's, Kinder, Küche, Kirche eingeschränkt werden, so Westphal.

Nicht nur für die Frauen auch für Arbeitnehmer wäre es wohl das Schlimmste, wenn "Europa nach rechts kippt", bekräftigte Marietta Eder (stellvertretende Vorsitzende der SPD Bayern). Westphal habe ihr aus der Seele gesprochen. Themen wie Klimawandel und Pflegenotstand seien nur europaweit zu lösen.

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