SCHWEINFURT

Fast fünf Jahre für Missbrauch

Ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Bad Kissingen ist am Donnerstag wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs der 14-jährigen Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin zu vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Erste Große Landgerichtskammer hatte wie der Staatsanwalt letzte Woche in seinem Plädoyer keine Zweifel, dass der Angeklagte die Schutzbefohlene in sieben Fällen massiv missbraucht und dabei auch mehrere Male den Geschlechtsverkehr vollzogen hat.

Der Angeklagte nahm das Urteil mit sichtbarem Unverständnis auf. Während der über einstündigen Begründung durch Vorsitzenden Erik Ohlenschlager schüttelte er dauernd den Kopf, sprach mit seinem Anwalt.

Der Ankläger hatte einen Monat mehr gefordert, der Verteidiger auf Freispruch mangels Beweisen plädiert. Angeklagt waren ursprünglich 15 Missbrauchsfälle, die sich im ersten Halbjahr 2013 ereignet haben. Wegen Beweisschwierigkeiten waren aber acht Fälle eingestellt worden.

Der Angeklagte war bei der alleinerziehenden Mutter einige Monate vor dem ersten Übergriff eingezogen und hatte für das Opfer und ihre jüngere Schwester schnell die Vaterrolle eingenommen. Er nutzte für seine Taten die berufliche Abwesenheit der Lebensgefährtin. Mit dem Opfer verübte er verschiedenste sexuelle Praktiken – und das im Wohnzimmer auf der Couch, im Kinderzimmer, in der Badewanne und im Auto auf einem Parkplatz im Wald.

Weil Aussage gegen Aussage stand, war die zentrale Frage: Wer hat Recht. Für die Kammer stand nach der umfassenden Beweisaufnahme mit vielen Zeugen „ohne jeden Restzweifel fest“, dass das heute 16-jährige Mädchen „die Wahrheit gesagt hat“, so der Vorsitzende. Das Gericht folgte damit der sachverständigen Diplom-Psychologin. Das Opfer habe, was es abstritt, möglicherweise anfangs für den Stiefvater geschwärmt, die Übergriffe aber erduldet, um die ihr wichtige Familie nicht zu verlieren. Das und die Angst, die Mutter werde ihr nicht glauben, seien auch die Gründe, dass sie sich erst nach einem halben Jahr offenbarte. Andeutungen hatte sie allerdings schon vorher zwei Freunden und einem nahestehenden Ehepaar gemacht.

Eine zentrale Bedeutung maß die Kammer der eindeutigen SMS-Kommunikation zwischen Opfer und Angeklagten bei. Der hatte behauptet, dass nicht er der Urheber der auf seinem Handy geschriebenen Mitteilung gewesen sei. Das Gericht bewertete das als eine „an den Haaren herbeigezogene falsche Schutzbehauptung“. Dazu hätte es eines Drehbuchs bedurft und es sei aufgrund der kurzen Abfolge auch gar nicht möglich gewesen.

Zudem habe keiner der vom Angeklagten benannten Zeugen seine Behauptungen bestätigt. Großes Gewicht maß das Gericht schließlich einer spontanen Aussage des Angeklagten bei: Als die Lebensgefährtin ihn nach der Beichte der Tochter fragte, warum er mit ihr verkehrt sei, sagte er: „Weil sie es wollte“. Später widerrief er diese Aussage. Der Anwalt des Angeklagten kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

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