ESSLEBEN

Feuer und Flamme für den Bulldog

O la la: Der Flirt des Französischen mit dem Fränkischen blieb nicht ohne Folgen. Foto: Uwe Eichler

Ohne U-Boot gäbe es den modernen Traktor womöglich gar nicht: So lautet eine Erkenntnis in der atmosphärischen Doku „Bulldogliebe“ des „Vereins zur Bewahrung des unterfränkischen Dialekts“ mit Sitz in Büchold. „Unterfränkisch e.V“ war Gastgeber des zweiten „Esslumer Mundart-Owed“ im Sportheim, zusammen mit TSV und dem Heimat- und Kulturverein Rieden, beim kreisübergreifenden Treffen der Nachbardörfer.

2016 saß man schon Mal beieinander, anlässlich der ersten Filmproduktion der Bücholder, dem „Brandner Kischper“. Auch wenn es im Saal bisweilen Untertitel gebraucht hätte: Der Abend mit Federweißer, Brotzeit, Liedli, Gedichdli und vielen weichen „D“ kam gut an bei den rund 150 Besuchern. Natalie Dees, Mitglied in allen Vereinen, führte durchs Programm.

Schon der Beginn war zünftig mit dem Einzug von Willi Pfeuffer und den „Riedener Rathausmusikanten“, die reichlich Franken-Folk im Gepäck hatten. Die Wissenschaft habe herausgefunden, dass Dialektsprecher besonders „indelligend“ seien, sagte Benedikt Feser als Vorsitzender des Bücholder Vereins. Der Beweis stand auf dem T-Shirt: Kryptische Gleichungen wie „E Ä is ü“ sind für Nichtfranken nur schwer zu dechiffrieren.

In Altbessingen spricht man Baurisch

Feser stellte zum Auftakt des „Mundartkinos“ die Vereinsarbeit vor, in einem Beitrag des BR. In Büchold soll das einstige Wirtshaus „Zum Schwarzen Adler“ Mundarthaus werden. In Hochfränkisch präsentierte Jochen Pfeuffer den „HuK Rieden“, der das Historische Rathaus saniert und die Erntedankfestzüge hat wiederaufleben lassen. Der neue Vorsitzende hat „Migrationshintergrund“: Er stammt aus Altbessingen, wo man ein eigenes Baurisch spricht. Etwa in einem Lobgedicht auf Lanz, Hanomag, Fendt, Schlüter, Eicher & Co.

Egal ob Grumbernlegen oder Sprötzefahren: Der robuste, vielseitige Bulldog ist längst Kultgefährt, als Oldtimer sogar Spekulationsobjekt. „Im Moment haben wir einen richtigen Hype“, stellte Benedikt Feser fest. Eine ungeheure Neuerung sei es gewesen, als in den 50ern die „Ackerschlepper“ gekommen seien. Der Besitzer eines alten Lanz erinnert sich im Film an die Kommentare der Nachbarn, als der Vater vom Pferd auf die Maschine umgesattelt hat: „Da hat er sich übernommen. Daran vereggd er!“

In den 1920er-Jahren wurde der „Bulldog“ entwickelt

Im 19. Jahrhundert schnaubten bereits klobige Dampf-Lokomobile und -Pflüge. Ab 1900 tauchte mit dem Verbrennungsmotor erstmals der Begriff „Traktor“ auf. 1917 kam laut Jubiläumsfilm das „Jahr der Entscheidung“: Weil die Deutschen Großbritannien per U-Boot-Blockade auszuhungern drohten, musste eine Produktionssteigerung in der Landwirtschaft her. US-Autopionier Ford griff mit dem „Fordson F“ in die Ernteschlacht ein, in zukunftsweisender Blockbauweise. „Der Motor für die Landwirtschaft kann gar nicht einzylindrig genug sein“, war das Credo von Konstrukteur Fritz Huber, der für die Mannheimer Firma Lanz in den 20ern den „Bulldog“ entwickelte: benannt nach der platten Schnauze des Glühkopfmotors, der mit offener Flamme vorgeheizt wurde.

Sammler und Nutzer erinnern sich, in ihrer Sprache, wie es war, in der (Land-)Wirtschaftswunderzeit. Mit dem Bauernsterben sind heute zugleich Dialekt und Dorfkultur bedroht: wenn man sie nicht, wie in Esslum, pflegt.

Mit 100 noch Appetit auf junge Männer

Horst Kümpel stellte sein drittes Büchlein vor: „Härrli und Fräli könnä viel erzähl.“ Beim Bercher Mundartveteranen geht's um die Mühsal der Landarbeit mit der Dreschmaschine in der guten alten Zeit („überall da fliegt der Drägg“). Um Liebeswerben auf dem Säulesmarkt. Oder um die Marie, die noch mit 100 Appetit auf junge Männer hat. Der Dialektverein zeigt auch im Internet Flagge, etwa mit www.bulldog-liebe.de.

Natalie Dees befasst sich mit dem Einfluss anderer Sprachen aufs Fränkische, darunter das Französisch der napoleonischen Zeit. Um Baggage (das, was der Tross so mitschleppt), den Potschamber (Nachttopf) oder Fisimatenten ging es im Sketch: Letzteres war wohl mal die Aufforderung an Fränkinnen, ins Zelt zu kommen („Visitez ma tente“). Charly Schubert steigt in die Opferbaumer Schlachtbütt, am Ende klingt der Abend mit freiem Wirtshaussingen aus.

Horst Kümpel berichte von der „guten alten Zeit”: natürlich auf Fränkisch. Foto: Uwe Eichler
Fränkische Folksongs im Gepäck: Die Riedener Rathausmusikanten. Foto: Uwe Eichler
Bulldog-Liebe: In der Doku ging es um den König des unterfränkischen Ackers. Foto: Uwe Eichler

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