REGION MAIN-RHÖN

Feuer unter der Milchkanne

Ein Feuer aus Protest: Oberhalb von Untersteinbach entzündeten Landwirte der Region ein Mahnfeuer aus Protest gegen den Verfall der Milchpreise. Foto: Matthias Beck

Ein Mahnfeuer oberhalb von Untersteinbach loderte als Zeichen des Protestes der Milchviehhalter aus der Region. Anlass war die Abschaffung der Milchquote durch die EU und der zunehmende Abbau von Zöllen im internationalen Handel.

Seit 1. April ist die Milchquote abgeschafft, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der deutschen Milchviehhalter im Landkreis Schweinfurt, Armin Zehner, im Gespräch. Sie bestand seit 1984 und wurde aufgrund der hohen Überschüsse in der Milchproduktion eingeführt. Jeder Betrieb sollte in der Folge nur eine bestimmte Menge an Milch produzieren. Für viele Landwirte habe die Quote daher ein gewisses Maß an Planungssicherheit angesichts relativ stabiler Preise geboten.

Viele Milchproduzenten beklagen sich laut Zehner über die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese würden in einem Ungleichgewicht zwischen Produzenten und Abnehmern bestehen. Indem der Staat den Markt liberalisiere, brechen die Preise zusammen. Dadurch werde die Existenz der Milchviehhalterbetriebe gefährdet. Zudem könnten Landwirte in einem globalisierten Markt mit Wettbewerbern anderer Länder nicht konkurrieren, wo die Löhne und die Standards niedriger seien.

Als Protest gegen diese Bedingungen rief der Verband zum deutschlandweiten Entzünden von Mahnfeuern auf.

Rund 70 Teilnehmer, vor allem Landwirte aus den Landkreisen Schweinfurt, Haßfurt, Würzburg und Kitzingen hatten sich am Samstagabend auf dem Klebheimer Berg auf der Wiese von Ewald Pfuhlmann getroffen.

Teilnehmer aus vier Landkreisen

Die Aktion fand auch im Vorfeld des „Tages der Milch“ statt. Dieser jährliche Termin, der heuer am Montag stattfand, bewirbt das Produkt Milch sowie dessen Folgeprodukte und wird von allen Beteiligten der Milchbranche veranstaltet.

Die Protestaktion selbst hat mit diesem Tag zwar nichts zu tun. Viel eher geht es darum, Aufmerksamkeit für die Situation der Landwirte zu erzeugen, die Milchvieh derzeit noch halten.

An der Aktion in Untersteinbach, wo mehrere Strohballen entzündet wurden, nahm zum Beispiel Klaus Dietz aus Bundorf im Landkreis Haßberge teil. Der Milchviehhalter sagt, dass die Wertschöpfungsverluste durch den schlechten Milchpreis enorm seien. Die laufenden Kosten und die zu begleichenden Darlehen für die bereits getätigten Investitionen seien derzeit kaum zu leisten.

Bei einem weiteren Preisverfall wären die Betriebe nicht mehr rentabel, befürchtet der Landwirt. Die Milcherzeugungskosten lagen im Jahr 2009, als die Preise schon einmal stark gefallen seien, im Durchschnitt noch bei 39 Cent je Liter, während der Milchauszahlungspreis bei 26 Cent lag. Anfang 2015 lagen die Erzeugungskosten bei 46 Cent und der Milchauszahlungspreis bei 31 Cent. Sein Fazit: Die Landwirte leben von Subventionen und zehren von ihrer Substanz.

Albert Fuchs, Landwirt aus dem Landkreis Würzburg sieht durch den Verfall der Milchpreise eher schwierigen Zeiten entgegen. Er sagt, dass durch eine Quote zumindest der Preisverfall eingedämmt werden könnte. Victoria Keller, Milchviehhalterin aus Frankenwinheim befindet, dass die Wertschätzung gegenüber dem Produkt Milch zunehmend sinke. Außerdem sagt sie, dass man als Landwirt auch einen gewissen Lebensstandard haben möchte – wie andere Erwerbstätige auch.

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