DÜTTINGSFELD

Feuerwehr: Wahl zwischen Pest und Cholera

Ein Großaufgebot an Feuerwehr- und Rettungskräften war am Dienstag in Düttingsfeld im Einsatz, nachdem kurz vor 16 Uhr im Dach eines Kinderwohnheimgebäudes ein Brand ausgebrochen war. Die Bewohner hatte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Foto: Norbert Vollmann

Es ist für Außenstehende kaum oder nur schwer vorstellbar, was die Einsatzkräfte und insbesondere die Atemschutzträger-Trupps bei einem Wohnhausbrand wie am Dienstag in Düttingsfeld leisten müssen. Kein richtig zu lokalisierender Brandherd, ein verwinkeltes Dachgeschoss, durch das Löschwasser aufgeweichte Zwischendecken, die einzubrechen drohen, Temperaturen bis zu 500 Grad und über Stunden hinweg immer wieder aufglimmende Glutnester. Und dann Facebook-Kommentare wie: „Echt ey, was soll die Feuerwehr da, lieber ausbrennen lassen“.

Die Belastungsgrenze unter Atemschutz

Die Atemschutzträger müssen unter derart schwierigen Bedingungen wie bei dem Feuer, das am Dienstag gegen 16 Uhr in dem Gebäude des Kinderwohnheims in dem kleinen Oberschwarzacher Ortsteil ausgebrochen war, bis an ihre körperlichen Belastungsgrenzen gehen. Aber auch ihre Kräfte sind nicht unbegrenzt. Einsatzleiter Alexander Bönig, der erst am Mittwochmorgen um 1.30 Uhr schlussendlich wieder zu Hause eintraf und früh schon wieder beim Maschinenring im Außendienst unterwegs war, sagte am Mobiltelefon: „Unter diesen Bedingungen kann ein Atemschutzträger maximal 20 Minuten im Gebäude arbeiten.“ Unter gewissen Voraussetzungen und nach einer entsprechenden Ruhepause sei ein zweiter Einsatz möglich, eventuell auch noch ein dritter. Der Kreisbrandinspektor (KBI) aus Unterspiesheim macht aber deutlich: „In diesem Fall wäre dies zu anstrengend gewesen.“ Insgesamt wurden rund 40 Trupps zu je zwei Mann unter schwerem Atemschutz ins Gebäude geschickt.

Erforderliche Nachalarmierungen

Die immens hohe körperliche Belastung und die extreme Hitze waren der Grund, dass noch bis 23.20 Uhr immer wieder Atemschutzträger weiterer Feuerwehren der Umgebung nachgefordert wurden. Deshalb waren immer wieder Sirenen zu hören, als viele den Brand längst gelöscht wähnten. Der Gerolzhöfer Kreisbrandmeister Stefan Hauck schrieb zu vorgerückter Stunde in Facebook: „Schwierige Einsatzstelle, sehr arbeitsintensiv, alles unter Atemschutz. Deswegen werden Feuerwehren auch jetzt noch nachalarmiert.“

Gegen 2 Uhr waren die letzten daheim

Der Bedarf an neuen Kräften unter Atemschutz war in der Tat hoch, wenn man bedenkt, dass die ersten Feuerwehren kurz vor 16 Uhr ausgerückt waren und der Einsatz erst kurz nach 1 Uhr bis auf die Brandwache durch die Feuerwehr Wiebelsberg-Mutzenroth-Düttingsfeld für beendet erklärt werden konnte. Bis die letzten Fahrzeuge wieder im Feuerwehrhaus standen und neu ausgerüstet waren, war es bei den letzten fast 2 Uhr.

Kran und Schuttmulde vom Dachdecker

Auch die Einsatzleitung war in diesem Fall ganz besonders gefordert. Alexander Bönig: „Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Frage lautete: Entweder wir fluten das ganze Gebäude und wissen, dass es danach komplett instabil und unbegehbar ist oder wir rücken den Glutnestern gezielt zu Leibe und tragen Stück für Stück des Spitzbodens, des Ziegeldachs und des Dachstuhls ab.“ Man habe sich für den zweiten Weg entschieden und dabei auf einen Kran sowie eine Schuttmulde zurückgegriffen, die die Bedachungsfirma Pöschl-Erk aus Frankenwinheim zur Verfügung stellte, so Alexander Bönig.

Baufachberater konsultiert

Zuvor war ein Baufachberater des Technischen Hilfswerks zu Rate gezogen worden, um festzustellen, ob das Haus aufgrund der geschädigten und bis hinunter ins Erdgeschoss aufgeweichten Decken überhaupt noch begehbar war, da diese einzubrechen drohten. Nachdem die Atemschutzträger instruiert worden waren, wie sie den Spitzboden abzustützen haben, haben sie damit begonnen, diesen auszuräumen. Dort hatte das Feuer bei Kleidern und anderen dort abgestellten Sachen immer wieder neue Nahrung gefunden. Immer dort, wo die Temperaturen erhöht waren und sich ein neues Glutnest gebildet hatte, wurde gezielt abgelöscht und der glimmende Schutt anschließend unter Zuhilfenahme von Kran und Schuttmulde nach unten befördert, um die Brandlast dort endgültig abzulöschen.

Die Ziegel und Überreste des Dachgebälks mit Schaufeln aufzuladen, sei nicht möglich gewesen. Bönig: „Jedes Trumm musste von unseren Leuten einzeln angepackt werden“. Er unterstreicht: „Wir haben lange eine extreme Hitze gehabt. Deshalb haben wir auch immer wieder Nachschub an Atemschutzträgern benötigt.“

Verwinkelte Bauweise als Problem

Hinzu kam die verwinkelte und damit unübersichtliche Bauweise. So hätte auch der Erstangriff der ins Haus geschickten Atemschutzträger wieder abgebrochen werden müssen. Im Innern hätten zu dieser Zeit Temperaturen zwischen 300 und 500 Grad geherrscht, so der Kreisbrandinspektor. Die Kollegen aus Wiesentheid hätten mit ihrer Wärmebildkamera immer noch 150 Grad von außen gemessen.

Fotoserie

Wohnhausbrand Düttingsfeld

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Das Haupthaus und der Anbau des Wohnheims an der Straße nach Mutzenroth sind derzeit wegen des Brandrauchs und der Wasserschäden unbewohnbar. Die 13 Hausbewohner, drei Erwachsene sowie zehn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 17 Jahren, haben betreut von Rettungsdienst und Notfallseelsorgern die Nacht auf Mittwoch in einem Ersatzquartier in Oberschwarzach verbracht. Alle Bewohner, die sich in den drei Gebäuden auf dem Grundstück befanden, als das Feuer entdeckt worden war, hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können, bevor sich der Brand weiter ausbreitete und den Dachstuhl des Wohnheimgebäude komplett zerstörte. So war das Gebäude bereits evakuiert, als Polizei und die ersten Feuerwehren eintrafen.

Kripo sucht nun nach der Ursache

Die Klärung der bislang unbekannten Ursache für das Feuer ist ebenso Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen durch die Kripo Schweinfurt wie die Schadenshöhe, teilt das Polizeipräsidium Unterfranken mit.

Die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt hatte zunächst die Feuerwehren aus Gerolzhofen mit ihrer großen Drehleiter, Oberschwarzach sowie Wiebelsberg/Mutzenroth/Düttingsfeld alarmiert. Aufgrund der schwierigen Lage erfolgte kurz darauf die Nachalarmierung der Feuerwehren Wiesentheid, Dingolshausen und Geldersheim mit ihrem Atemschutzträger-Gerätewagen. Vor allem wegen des Bedarfs an Atemschutzträgern heulten dann am Abend und in der Nacht noch in Frankenwinheim und Zeilitzheim die Sirenen. Von der Firma Greenworks bereitgestelltes Abstützmaterial schafften die Feuerwehrkollegen aus Lülsfeld herbei.

THW leuchtete aus

Angefordert worden war auch das THW aus Gerolzhofen, um den Brandort mit Einbruch der Dunkelheit auszuleuchten. Seitens der Rettungsdienste waren über den langen Tag das BRK aus Schweinfurt, Gerolzhofen und Wiesentheid, sowie der Arbeiter-Samariterbund und die Malteser aus Schweinfurt mit hauptberuflichen wie ehrenamtlichen Helfern im Einsatz, ebenso wie die Betreuungs- und Verpflegungsdienste des BRK und des Arbeiter-Samariterbundes aus Schweinfurt. Letztere versorgen vor allem die Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Getränken und Essen. Von den Sanitätern mussten lediglich kleine Versorgungen bei Feuerwehrleuten vorgenommen werden, so die Information.

Um 1.10 Uhr übernahm die Brandwache

Alexander Bönig hatte die Einsatzleitung schließlich, kurz bevor der Einsatz gegen 1.10 Uhr bis auf die Brandwache für endgültig beendet erklärt werden konnte, noch an Kreisbrandmeister Fabian Haubenreich (Lülsfeld) übergeben.

Die Feuerwehren hatten zudem aufgrund der Trockenheit alle Hände voll zu tun, trotz der Wasserdruckerhöhung durch die Gemeinde für die Bereitstellung von ausreichend Löschwasser zu sorgen. Dies gelang mit vereinten Kräften. Zum Teil wurde das Wasser aus umliegenden Ortschaften herbeigeschafft, zum Teil auch über lange Schlauchstrecken bis hin nach Wiebelsberg.

Zum Löschangriff von oben aus der Drehleiter der Gerolzhöfer Feuerwehr durch Atemschutzträger und von unten kam es beim Brand dieses Wohngebäudes am Dienstag in Düttingsfeld. Foto: Norbert Vollmann
Das knappe Wasserangebot aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer führte beim Brand am Dienstag in Düttingsfeld dazu, dass das zum Löschen benötigte Wasser sogar über eine lange Schlauchstrecke von Wiebelsberg nach Mutzenroth gepumpt wurde. Foto: Norbert Vollmann

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