SCHWEINFURT

Flamenco-Abend: Willkommen in Andalusien

Ausdrucksstark: Flamenco mit der Gruppe „Danzaluna“ in der Disharmonie. Foto: Elke Tober-Vogt

Wie ein älteres Paar auf einer Parkbank sitzen sie da, gestützt auf ihre Gehstöcke, geruhsam in den Tag hinein sinnierend. Gewichtig pocht die eine mit dem Stock einmal auf den Boden, bedächtig kommt die ebenso geklopfte Antwort. Das wiederholt sich ein-, zweimal, dann werden Fragen und Antworten umfangreicher, nagelige Absatzklänge gesellen sich dazu, das Tempo beschleunigt sich. Immer intensiver wird die komplex verzahnte und ausschließlich rhythmische Unterhaltung der beiden Tänzerinnen.

Ein furioser Trommelwirbel aus Stöcken und Füßen ist der Schlusspunkt dieses Flamenco-Stocktanzes: Zum wiederholten Mal gastiert die Gruppe „Danzaluna“ bereits in der Schweinfurter Disharmonie. Barbara Hennerfeind (Gitarre, Gesang, Tanz), Manuela de Cartuja (Tanz) und Gitarrist Erik Weisenberger bieten jedoch immer wieder Neues, Aufregendes und Faszinierendes.

Nicht nur die vielfältige, farbenprächtige Kleidung der Tänzerinnen ist berauschend und hypnotisch in ihrer Wirkung (der Garderobenkoffer dafür dürfte beträchtliche Ausmaße haben). Die Tanzdarbietungen weisen alle Feinheiten des kunstvollen Flamencos auf. Das Klatschen (die Palmas), die Bewegungen von Fingern, Händen, Armen, Oberkörper, Beinen, die Kopfhaltung, der Blick, der Kastagnetteneinsatz - alles fügt sich zu dramatischen Tanzerzählungen. Natürlich geht es dabei immer wieder um Liebe, Leid und Happy End.

Einer von mehreren tänzerischen Höhepunkten ist eine südamerikanische Bauernmädchen-Guajira Hennerfeinds: Hier zeigt sie Wandlungsfähigkeit, schauspielert Naivität und Mädchenhaftigkeit, aggressives Temperament, schmachtende Verträumtheit, kokettiert mit dem Fächer und dem Publikum und ruft dessen Jubel hervor. Hut, Tuch, Stock und Fächer dienen ihr als Requisiten, während de Cartuja sich mal im weißen Anzug einen männlichen Anstrich gibt, mal in bunten Flamencokleidern ausdrucksstark, elegant und energisch über die Bühne wirbelt. Immer wieder setzt Barbara Hennerfeind auch ihre Stimme ein, inszeniert die orientalisch angehauchte Flamenco-Melodik oder widmet sich mit Inbrunst einer spanischen Fassung des französischen Klassikers „Comme d'habitude“ von den Gypsy Kings. Als klassisch ausgebildete Gitarristin weiß sie ihr Instrument ebenso zu handhaben wie Erik Weisenberger, der stets ein solider musikalischer Partner ist.

Ein Abend voller Leidenschaft, Sinnlichkeit und Temperament - gefolgt von Begeisterungsstürmen und nicht enden wollendem Applaus. Elke Tober-Vogt

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