SCHWEINFURT

Foodsharing: Immer mehr Leute machen mit

Viel Engagement und Zeit steckt im Foodsharing. Unser Bild zeigt den prall gefüllten Fair-Teiler in der Birkenstraße 40 1/2,, der täglich neu gefüllt wird und zwischen 8 und 20 Uhr auf Abholer wartet. Im Bild (von links) Botschafterin Birgit Rassbach und ihre Mitstreiter Milan Miko und Petra Freibert-Braun.
Viel Engagement und Zeit steckt im Foodsharing. Unser Bild zeigt den prall gefüllten Fair-Teiler in der Birkenstraße 40 1/2,, der täglich neu gefüllt wird und zwischen 8 und 20 Uhr auf Abholer wartet. Im Bild (von links) Botschafterin Birgit Rassbach und ihre Mitstreiter Milan Miko und Petra Freibert-Braun. Foto: Foto; Katja eden

Leben im Überfluss, Deutschland als Wegwerfgesellschaft. Das gilt auch und gerade für Lebensmittel, die noch viel zu gut für die Tonne sind.

Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr – laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – im Müll. Das entspricht 275 000 voll beladenen Lastwagen.

Und noch eine erschreckende Zahl vor allem vor dem Hintergrund von hungernden Menschen auf dieser Welt: „Weltweit landen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll.

Das entspricht dem Ertrag einer bewirtschafteten Fläche der 1,5-fachen Größe des europäischen Kontinents“, sagt Foodsharing Botschafterin für Schweinfurt, Birgit Rassbach.
„Wo bleiben da Nachhaltigkeit und Verantwortung?“

„Wo bleiben da Nachhaltigkeit und Verantwortung?“ fragen die Gründungsmitglieder der Foodsharing-Gruppe Bezirk Schweinfurt, Janine Burger und Birgit Rassbach. Vor über einem Jahr haben sie sich zusammengetan, um eine Lebensmittel-Rettungsgruppe für den Raum Schweinfurt zu gründen.

Ihr oberstes Ziel ist es, Lebensmittel, die zu schade für die Tonne sind, zu retten und anderen Menschen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Eine Idee, die in Berlin vor wenigen Jahren geboren wurde, sich etablierte und immer weiter verbreitet. Mittlerweile gibt es viele Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Derzeit engagieren sich bundesweit über 13 000 Menschen ehrenamtlich für eine Welt ohne Verschwendung von Lebensmitteln.

Es sind keine „Spinner“, die da am Werk sind, sondern Menschen, die versuchen, einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu leben. „Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden, zu retten. Denn sie sind zu gut, um weggeworfen zu werden. Eine Banane mit ein paar braunen Flecken, die schmeckt doch erst jetzt richtig gut,“ sagt Rassmann. „Avocados, die weich sind, müssen nicht in die Tonne, Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sind immer noch genießbar. Wir leben im Überfluss und machen uns keine Gedanken über die Herstellung oder die Folgen der Verschwendung von Lebensmitteln.“

Dass dieser Gedankengang bei vielen auf Zustimmung trifft, zeigt die rasante Aufwärts-Entwicklung der privaten Initiative der Foodsaver von Schweinfurt.

Der sogenannte Fair-Teiler – zwei Kühlschränke im Vorgarten von Birgit Rassbach – wird täglich neu gefüllt. „Es ist einerseits erschreckend, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden und andererseits ist es schön, dass viele Menschen diese Lebensmittel abholen und weiter verarbeiten.“

Wohlgemerkt: Die Grundidee der Foodsaver und Foodsharer ist es nicht, bedürftige Menschen mit kostenlosen Lebensmitteln zu versorgen, sondern Lebensmittel vor dem verfrühten Aus in der Tonne zu retten. „Daher verstehen wir uns auch nicht als Konkurrenz zu den Tafeln.

8000 Kilogramm Lebensmittel gerettet und weitergegeben

Bei uns bedient sich die ganze Bandbreite – junge Menschen, ältere Menschen, Idealisten, Realisten, Menschen mit und ohne Geld.“ Bei bisher 858 Lebensmittel-Rettungseinsätzen haben die Schweinfurter Foodsaver rund 8000 Kilogramm Lebensmittel gerettet und weitergegeben.

„Wir wollten uns dem gedankenlosen Konsum entgegenstellen, deshalb sind wir bei Foodsharing“, erklären die zwei Studentinnen Laura und Lou. Und: „Zunächst waren wir nur Foodsharer, das heißt, wir haben abgenommen, was die Foodsaver gerettet haben oder uns im Fair-Teiler bedient. Mittlerweile sind wir selber Foodsaver geworden, fahren zu den Betrieben, die uns ihre Lebensmittel geben, bringen sie zu den Botschaftern und den Fair-Teilern, stellen Essenskörbe zusammen, die dann abgeholt werden können.“

Das läuft zum größten Teil übers Internet. Interessenten registrieren sich auf www.foodsharing.de und können dann teilhaben. Viele Angebote laufen auch über Facebook. Obst, Gemüse, Käse, Kräuter, Süßes, Brot, Trockenware (Mehl, Nudeln, Reis) oder sogar Blumen werden kostenlos abgegeben.

„Unser Fair-Teiler ist natürlich kein Supermarkt. Wir bieten an, was wir erhalten haben, da gibt es nicht immer genau das, was man möchte, aber dank der Unterstützung unserer Kooperationspartner ist immer viel da“, fügt Birgit Rassbach hinzu.

Die Privat-Initiative der Schweinfurter Foodsaver arbeitet mit einem großen Supermarkt zusammen, außerdem mit der Esso-Tankstelle, einer Bäckereikette und einigen mehr.

„Manchmal kontaktieren uns auch Privatpersonen, die nach einer Feier oder Feiertagen noch vieles übrig haben. Da sehen wir, was noch genießbar ist und stellen es über den Fair-Teiler oder Essenskörbe anderen Menschen zur Verfügung.“

30 Stunden pro Woche aktiv

Es ist ein zeitaufwendiger Job, den Birgit Rassbach als Botschafterin gegen die Lebensmittelverschwendung betreibt. Mindestens 30 Stunden pro Woche ist sie damit beschäftigt – wie alle Mitstreiter komplett ehrenamtlich, denn Foodsharing ist eine Non-Profit-Organisation.

Die Waren müssen von den Betrieben abgeholt und aussortiert werden, was noch gut ist, der Fair-Teiler, die Essenskörbe bestückt und via Internet täglich angezeigt werden, was zur Verfügung steht.

„Dabei achten wir natürlich auf die ganzen Gesetze zur Lebensmittelhygiene und Lebensmittelrecht. Die Lebensmittelkontrolle hatten wir auch schon da, die Prüfer hatten keine Beanstandungen“, sagt Rassbach.

Aufklärungsarbeit leisten die Lebensmittel-Retter auch – auf der Website foodsharing.de und bei Aktionen. So ist die Schweinfurter Gruppe am 16. April mit einem Infostand beim Repair-Café in St. Anton vertreten. Außerdem findet jeden 2. Sonntag im Monat ein Stammtisch statt, bei dem sich Interessierte mit Infos versorgen können.

Der nächste findet am 12. April, 19 Uhr, in der Pizzeria Bella Napoli statt. Infos bei Birgit Rassbach, foodsharing.schweinfurt@gmx.de, Tel. (0 97 21) 20 70 09.

So sieht die Garage von Birgit Rassbach kurz nach der Abholung beim Supermarkt aus. Kistenweise leckere Lebensmittel, die viel zu gut sind, um in die Tonne zu wandern!
So sieht die Garage von Birgit Rassbach kurz nach der Abholung beim Supermarkt aus. Kistenweise leckere Lebensmittel, die viel zu gut sind, um in die Tonne zu wandern! Foto: Birgit Rassbach

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