Forst

Frauen aus der Kirche geworfen: Jetzt spricht der Pfarrer

In Forst im Landkreis Schweinfurt ist es im Gottesdienst zu einem Eklat zwischen Kirchenreformerinnen der Bewegung Maria 2.0 und einem Pfarrer gekommen.  Foto: Getty Images

Mit den Worten: "Und Sie verlassen die Kirche", soll ein Pfarrer in Forst (Lkr. Schweinfurt) am Mittwochabend etwa 20 Frauen, die der Protestbewegung Maria 2.0 angehören, der Kirche verwiesen haben. Die Frauen waren alle weiß gekleidet in dem Vorabendgottesdienst zu Mariä Himmelfahrt erschienen, um zu zeigen, dass sie der Frauenbewegung Maria 2.0 angehören. Maria 2.0 richtet sich gegen Machtstrukturen in der Kirche, fordert den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine umfassende Aufklärung der Missbrauchsfälle.

Maria 2.0 in Forst: Ganz in weiß gekleidet trafen sich die Frauen des Katholischen Frauenbunds in Forst (Lkr. Schweinfurt) schon im Mai zu einer Andacht, bei der sie Maria in Form einer kleinen Holzskulptur, in ihre Mitte holten. Dem örtlichen Pfarrer missfiel diese Andacht. Foto: Ursula Lux

Pfarrer flippte regelrecht aus

Als die Vorsitzende des Katholischen Frauenbunds, Gabi Gressel, vor dem Gottesdienst noch einmal die Anliegen der Bewegung der Gemeinde erklären wollte, wurde es dem Pfarrer Andreas Heck zu viel und er sei "regelrecht ausgeflippt", berichtet Ursula Lux, Mitarbeiterin dieser Redaktion. Sie war bei dem Gottesdienst anwesend. Heck stürmte zum Ambo und schrie: "Nein, hier nicht!" Wutentbrannt soll er das Skript der Frauenbundvorsitzenden weggerissen und zerknüllt haben. Den Gottesdienst hat er daraufhin abgebrochen. Zurück blieb eine verstörte Gemeinde.

Das Bistum Würzburg bedauert die Vorgänge in Forst sehr: "Der priesterliche Dienst ist ein Einheitsdienst an der Gemeinde. In seiner emotionalen Erregung hat der Pfarrer unglücklich überreagiert. In Forst wie in ganz Deutschland ist es im Zusammenhang von Maria 2.0 wichtig, dass beide Seiten einander zuhören. Der Gesprächsfaden darf nicht abreißen", sagte Generalvikar Thomas Keßler auf Anfrage dieser Redaktion. Er sei von Seiten der Diözese gerne bereit mitzuhelfen, dass in Forst das Gespräch in der Gemeinde untereinander und mit dem Pfarrer wieder gelingen kann.

Andreas Heck (47) ist seit April 2015 Leiter der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Sebastian am Main, Schonungen“. Zu dieser gehört auch die Pfarrei in Forst.
Foto: Roland Frühwacht

Andreas Heck, der seit vier Jahren Pfarrer in der Gemeinde ist, fühlte sich von der "Kundgebung des Frauenbunds während seines Gottesdienstes völlig überrumpelt", schilderte er auf Anfrage am Telefon. "Es hat niemand vorher mit mir gesprochen und dann wusste ich einfach nicht mehr weiter", sagte er. Die Frauen wollten "nur Unruhe stiften", sagte er weiter, und das müsse er sich nicht gefallen lassen. Trotzdem tue ihm der gesamte Vorgang auch leid. "Und es tut mir auch sehr weh", bedauert Heck, der sich nun für fünf Wochen in den Urlaub verabschiedet hat.  

Gottesdienst sollte nicht zum Streitort werden

"So etwas extrem Eklatantes bei einer Aktion im Sinne von Maria 2.0 wurde uns bisher nicht berichtet", sagt Lisa Köttner aus Münster, die die bundesweite Prostestbewegung mit ins Leben gerufen hat. "Ich bin bestürzt über den Bericht." Sie rät den Frauen, wenn es nicht anders geht, und der Pfarrer den Dialog weiter verweigert, ihre Veranstaltungen und Gottesdienste in einer benachbarten Pfarrei zu feiern, oder in andere Räume auszuweichen. "Wenn die Eucharistiefeier als Mitte und Höhepunkt im Leben der Gemeinde angesehen wird, kann sie nicht zum Austragungsort persönlicher Animositäten herabgewürdigt werden", so das Bundesteam der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" in einer Stellungnahme.

Dem Bistum Würzburg sind keine weiteren Gemeinden bekannt, in denen Frauen wegen der Bewegung Maria 2.0 der Kirche verwiesen wurden. Das teilte die Pressestelle der Diözese auf Anfrage mit. Bischof Franz Jung habe sich wiederholt mit Vertreterinnen von Maria 2.0 getroffen und sich ihre Anliegen angehört. Bei einer Begegnung anlässlich der Mahnwache des Frauenbunds am 16. Mai 2019 sagte Bischof Jung in Würzburg, er verstehe den Protest als Ausdruck echter Sorge um eine gute weitere Entwicklung der katholischen Kirche. „Die Frage der Weihe steht im Raum. Die theologische Diskussion muss geführt werden", so Jung damals.

Schlagworte

  • Forst
  • Claudia Kneifel
  • Bischöfe
  • Bistum Würzburg
  • Diözesen
  • Franz Jung
  • Generalvikare
  • Katholische Kirche
  • Katholizismus
  • Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen
  • Pfarrer und Pastoren
  • Thomas Keßler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
31 31
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!