GEROLZHOFEN

Frauen der Reformation: Motiviert, kreativ, manchmal radikal

Den Startschuss für die Wanderausstellung „Vom Dunkel ins Licht – Frauen der Reformation im süddeutschen Raum“ gaben am Mittwoch (von links) in Gerolzhofen Pfarrer Reiner Apel, Theologin Andrea König und Initiatorin Brigitte Vogt. Foto: Peter Pfannes

„Wir wollen Ihnen zeigen, wie groß das Engagement der Frauen in der Reformationszeit war“, sagte Andrea König am Mittwoch in der evangelischen Erlöserkirche in Gerolzhofen.

Gemeinsam mit Pfarrer Reiner Apel eröffnete die Leiterin der Fachstelle für Frauenarbeit in Stein die Wanderausstellung „Vom Dunkel ins Licht – Frauen der Reformation im süddeutschen Raum“. Die Präsentation der 15 großflächigen Tafeln, die das vielfältige Mitwirken der Frauen an der Reformation vor allem im süddeutschen Raum zeigen, kann in dem Gemeindezentrum drei Wochen lang täglich von 10 bis 16 Uhr oder nach Absprache mit dem Pfarramt besichtigt werden.

„In aller Breite haben Frauen die Reformation mit bewirkt“, erläuterte die Theologin und Pädagogin Andrea König bei der Vernissage. Die These, dass die Reformation in den frühen 20er Jahren des 16. Jahrhunderts ohne Frauen nicht möglich gewesen wäre, habe sich bewahrheitet.

König und ihre Mitarbeiter haben im süddeutschen Raum lange recherchiert und dabei „200 Frauennamen ausgegraben, die die Reformation aktiv mit forciert haben“, darunter unter anderem die Schweinfurterin Olympia Fulvia Morata.

Nicht nur gelehrte, gebildete und adelige Frauen wurden bei den Recherchen unter die Lupe genommen. „Unser Anspruch war vielmehr in der ganzen Breite zu zeigen, wie Frauen in ihrem Alltag gewirkt haben“, betonte die Referentin. Durch ihr alltägliches Handeln hätten viele Frauen, die meist in Gruppen auftraten, ihren Unmut ausgedrückt. Die Wanderausstellung, die 2014 initiiert und Ende 2016 fertig gestellt wurde, räumt systematisch auf mit Vorurteilen, Frauen hätten nichts zur Reformation beigetragen.

So zeigt eine Tafel der Ausstellung beispielsweise Frauen als Unruhestifterinnen, auf einer anderen Tafel setzen Frauen Zeichen. Langeweile kommt beim Rundgang durch die Präsentationsräume nicht auf.

Das Fazit: Die Reformation war keine Gelehrten-, sondern eine Massenbewegung. Sie war auf die Beteiligung von Frauen angewiesen und bot diesen vielfältige Möglichkeiten der Mitarbeit. Viele Frauen standen den Männern in nichts nach. Sie waren in ihrem Engagement für die Causa Lutheri (die Sache Martin Luthers) hochmotiviert, kreativ und manchmal gar radikal.

Brigitte Vogt, Mitglied des Kirchenvorstands der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Gerolzhofen, war beim anschließenden Stehempfang begeistert von Königs Vortrag. „Sehr fundiert und aufschlussreich, auch für Leute, die schon viel über die Thematik wussten“, sagte die Initiatorin der Ausstellung in der Erlöserkirche.

Wer die Ausstellungseröffnung versäumt hat, kann im Anschluss an den Gottesdienst (9.30 Uhr) am kommenden Sonntag, 19. März, an einer Führung mit Pfarrer Apel durch die Ausstellung teilnehmen und sich von dem femininen Geist der Reformationszeit inspirieren lassen.

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