SCHWEINFURT

Freispruch oder knapp fünf Jahre Haft?

Im Prozess gegen einen 31-Jährigen aus dem Landkreis Bad Kissingen wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs der 14-jährigen Tochter seiner Lebensgefährtin sind die Plädoyers gehalten worden. In sieben Fällen sah der Staatsanwalt den Missbrauch des Mädchens als erwiesen an und forderte vier Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe. Der Verteidiger sah keine Beweise für die Vorwürfe und plädierte demzufolge auf Freispruch.

Angeklagt waren ursprünglich 15 Missbrauchsfälle, die sich im ersten Halbjahr 2013 ereignet haben sollen. Acht wurden nach Anregung der Strafkammer auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil es Beweisschwierigkeiten gab und diese, wie es in solchen Fällen immer heißt, angesichts der zu erwartenden Strafe nicht erheblich ins Gewicht gefallen wären. So blieb übrig, dass der neue Lebensgefährte der Mutter mit der 14-Jährigen mehrfach in verschiedenen Spielarten den Geschlechtsverkehr vollzogen oder dies versucht haben soll – im Wohnzimmer, Kinderzimmer, der Badewanne und im Auto.

Laut Staatsanwalt sprachen insbesondere die Angaben des seiner Ansicht nach glaubwürdigen, heute 16-jährigen Mädchens und die Auswertung der SMS-Handy-Kommunikation zwischen dieser und dem Angeklagten dafür, dass er sie als „Schutzbefohlene“ missbraucht hat. Vorbestraft ist er bisher nicht. Der Anklagevertreter hielt vier Jahre und zehn Monate Haft für angemessen.

Der Verteidiger machte eine völlig andere Rechnung auf. Das mutmaßliche Opfer habe sicher Geschlechtsverkehr gehabt, aber nach eigenen Angaben zumindest auch mit einem anderen Mann. Der SMS-Verkehr sei eindeutig, könnte aber auch von der 14-Jährigen entsprechend manipuliert worden sein. Seine „andere“ Hypothese, über die nachzudenken er das Gericht aufforderte: Das Mädchen könnte in den Lebensgefährten der Mutter verliebt gewesen sein und weil er ihre Gefühle nicht wie erwartet erwidert habe, habe sie ihn bestraft, indem sie sich ausgedacht habe, was Gegenstand der Anklage sei. Er forderte demnach Freispruch.

„Ich habe nichts gemacht“, war das letzte Wort des 31-Jährigen. Das Urteil wird am Donnerstag, 30. Oktober, um 14.30 Uhr verkündet.

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