SCHWANFELD

Freitagmittag auf 141 Metern: Adrenalinstoß im Windpark

Reporterin Nike Bodenbach ist auf ein Windrad bei Schwanfeld gestiegen. Ein Geländer gibt es da oben leider nicht.

Der Wind schlägt mir in den Rücken, als ich mich aufrichte. Hier oben, auf dem Generatorhaus eines Windrades bei Schwanfeld pfeift der Wind gerade mit 14 oder 15 Meter pro Sekunde, schätzt Techniker Roland Feinen. In den Boden sind gelbe Haken eingelassen, an einem habe ich mich mit einem Karabiner eingehängt. Neben mir drehen die riesigen Rotorblätter. So nah dran scheinen sie ganz gemächlich ihre Runden zu drehen, dabei erreicht die Anlage bei dieser Windgeschwindigkeit locker ihre Nennleistung: 2,4 Megawatt.

Das Windrad ist eines von fünf, in die der Investor, die Stadtwerke Stuttgart, bei Schwanfeld rund 23 Millionen Euro gesteckt hat. Der Windpark soll jährlich 30 Millionen Kilowattstunden Ökostrom produzieren, das reicht laut den Stadtwerken Stuttgart für gut 10 000 Haushalte. Das Unternehmen investiert deutschlandweit in Windenergie, der im März eröffnete Park nordöstlich von Schwanfeld ist das dritte Projekt. Die Stadtwerke haben das Geld gegeben und sind der Betreiber. Den Park geplant und umgesetzt hat der Projektentwickler Abo Wind aus Wiesbaden. Und die Wartung übernimmt der Hersteller der Anlagen, die Firma Nordex aus Rostock.

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Windrad Schwanfeld

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Bei der ist Techniker Roland Feinen (großes Bild) angestellt. Seit elf Jahren hält er Windräder in ganz Deutschland in Schuss. Er fährt mit mir in einem winzigen Aufzug – maximale Zuladung: 250 Kilo – ins Herz des Windrads, ins Generatorhaus. Fast sieben Minuten dauert die Fahrt. Der Aufzugboden ist mit einer Plexiglasscheibe verkleidet. Die ist ein bisschen dreckig, sodass ich kaum nach unten sehen kann. Vielleicht ganz gut. Bis etwa auf die Hälfte der Höhe besteht der „Hybridturm“ aus Beton, dann kommt Stahl. „Der ist flexibel und kann etwas schwanken“, sagt Roland Feinen. Soso – schwanken. Klingt etwas bedrohlich, finde ich. Aber das muss so sein, denn eine reine Betonkonstruktion könnte brechen. Dass die Türme nicht bis zum Boden aus Stahl sind, habe Kostengründe.

Der Aufzug hält mit einem Ruck an. Von hier aus müssen wir uns über eine Leiter ins Generatorhaus winden. Oben sieht es aus wie in einem ganz normalen Maschinenraum – Getriebe, Bremse, Generator, Trafoschränke. Bis auf zwei kleine Luken, durch die die wandernden Schatten der Rotorblätter fallen. Roland Feinen öffnet eine und ich darf die letzten vier Sprossen hochsteigen. Sofort schlägt der Wind ins Gesicht, das schwere Gurtzeug drückt mich ein wenig zu Boden. Ich zögere kurz, aber wenn schon, denn schon. Ganz oben, auf dem Dach des Generatorhauses gibt es kein Geländer. Der Belag ist stark aufgeraut, damit man nicht ausrutscht. Ich richte mich auf – und mein Körper pumpt Adrenalin. Immer schön in die Ferne gucken, dann geht's. In der Hocke gefällt mir der Ausblick aber besser.

Alle Windräder zu zählen, dafür fehlt mir jetzt die Konzentration. Es sind viele. Allein auf der Dippacher Höhe stehen fünf Windkraftanlagen. Auf Eßlebener Gemarkung sind sechs genehmigt und auf Schwanfelder Grund eine Anlage der Überlandzentrale Lülsfeld im Genehmigungsverfahren. Auf Dipbacher-/Untereisenheimer Seite stehen ebenfalls noch sieben Anlagen. „Mehr ist den Bürgern von Schwanfeld und der Region nicht zuzumuten“, sagt Bürgermeister Richard Köth. Erst im April hatte der Gemeinderat den Antrag der Nachbargemeinde Bergtheim abgelehnt, die zwei weitere Windräder in Sichtweite errichten will.

Weil Windkraft eben nicht nur Freunde hat, haben die Stadtwerke Stuttgart, Abo Wind und Nordex jetzt Journalisten auf das Windrad gelassen – und deshalb veranstalten sie am Sonntag auch ein Bürgerfest an einer der neuen Anlagen. „Wir wollen nicht nur als anonymer Investor wahrgenommen werden, sondern als Ansprechpartner“, sagt Stadtwerke-Sprecher Michael Isenberg. Auf 141 Metern Höhe ist mir Roland Feinen als Ansprechpartner wichtig: „Das wird schon.“

Das Bürgerfest findet am Sonntag, 11. Mai, von 12 bis 17 Uhr an der Windkraftanlage 1 statt. Es gibt unter anderem ein Unterhaltungsprogramm und Führungen über den Windpark und im Turmfuß der Anlage.

 

Den Wolken so nah: Blick aus der Dachluke.
Mächtig: Rotorblätter schieben ins Bild. Foto: Anand Anders
Aufstieg: Hier geht's hoch.
Technik-Zentrale: Das Generatorhaus.

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