GEROLZHOFEN

Führung im Gerolzhöfer jüdischen Friedhof

Führung im jüdischen Friedhof: Werner Gottlieb aus San Francisco, der zum Ehrenbürger der Gemeinde Frankenwinheim ernannt wurde, besichtigte mit seiner Enkelin Elspeth Looks aus Israel und der Gastfamilie Helbig/Böhm aus Frankenwinheim den jüdischen Friedhof bei Gerolzhofen. Elspeth Looks entzifferte ein paar der in hebräisch verfassten Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof. Im Bild von rechts Evamaria Bräuer, Anton Helbig, Veronika Böhm, Werner Gottlieb, Elspeth Looks und Christa Böhm.
Führung im jüdischen Friedhof: Werner Gottlieb aus San Francisco, der zum Ehrenbürger der Gemeinde Frankenwinheim ernannt wurde, besichtigte mit seiner Enkelin Elspeth Looks aus Israel und der Gastfamilie Helbig/Böhm aus Frankenwinheim den jüdischen Friedhof bei Gerolzhofen. Elspeth Looks entzifferte ein paar der in hebräisch verfassten Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof. Im Bild von rechts Evamaria Bräuer, Anton Helbig, Veronika Böhm, Werner Gottlieb, Elspeth Looks und Christa Böhm. Foto: Stefan Polster

Natürlich gehört der Gang auf den jüdischen Friedhof dazu, wenn jüdische Gäste die Gegend um Gerolzhofen besuchen. In Gerolzhofen wurden deutsche Bürger jüdischen Glaubens auch aus den Gemeinden Altenschönbauch, Kirchschönbach, Prichsenstadt, Brünnau, Lülsfeld, Frankenwinheim, Rimbach, Traustadt, Zeilitzheim und andere begraben. Im Laufe der Zeit wuchs der Friedhof bis auf seine heutige Größe von ungefähr einem Hektar an. Die letzte offizielle Beerdigung nach jüdischem Ritus fand im Februar 1942 statt. Nach dem Krieg wurde er nicht mehr für Beerdigungen eröffnet und steht unter Schutz.

Eva-Maria Bräuer begrüßte Werner Gottlieb aus San Francisco und seine Enkelin Elspeth Looks aus Israel zusammen mit der Gastfamilie Helbig/Böhm aus Frankenwinheim am Eingangstor des jüdischen Friedhofes neben dem Tahara-Haus. Das Tahara-Haus diente der rituellen Waschung der Leiche. Evamaria Bräuer bezeichnete den Weg, der von den einzelnen Dörfern bis zum Friedhof zurückgelegt werden musste, als nicht nur die längste, sondern auch die teuerste Reise im Leben des jüdischen Mitbürgers. Um durch die einzelnen Städte und Dörfer zu gelangen, war es bis ins Nachmittelalter noch üblich, den sogenannten Wegezoll zu entrichten. So ist in der Würzburger Torzollordnung aus 1634 noch folgendes vermerkt: „Ein Gulden von einem Doten Juden, sechs Pfenning von einem lebenden Juden“. Da der Einzugsbereich der jüdischen Friedhöfe sehr groß war, kann man sich vorstellen, dass bei diesem letzten Weg zum Friedhof einiges an Wegezoll zu entrichten war.

Eva-Maria Bräuer berichtete weiter von der Aufteilung des Friedhofes und der Anordnung der Gräber, die meistens in Ost-West-Richtung angelegt sind. Normalerweise befindet sich nur eine Person in einem Grab. Der Kopf des Toten befindet sich an der Stelle des Grabsteines. Am Grabstein lässt sich auch der Einfluss des Zeitgeistes oder wie auch auf christlichen Friedhöfen das Portemonnaie des Verstorbenen erkennen. Vorrangig besucht wurden die vier Grabstätten der Familie Gottlieb. In der südöstlichsten Friedhofsecke liegt das Grab von Löb Gottlieb, dem Großvater von Werner Gottlieb, der am 24. Dezember 1936 im Alter von 77 Jahren verstarb. Werner Gottlieb kann sich noch sehr gut an das Begräbnis erinnern. Es war auch der erste und einzige Besuch von ihm auf dem Gerolzhöfer Friedhof. Elspeth Looks, die neben Englisch auch fließend Hebräisch spricht, übersetzte einige der in hebräischer Schrift verfassten Grabinschriften zur Freude von Eva-Maria Bräuer.

Für Werner Gottlieb war der Besuch des Friedhofes ein emotionaler Höhepunkt seiner Reise nach Deutschland auf dem Weg zur Erinnerung und Aussöhnung. Elspeth Looks schrieb ins Gästebuch des Jüdischen Friedhofs, dass das wandeln in den Fußspuren der Gottlieb-Familie für sie eine einmalige Lebenserfahrung war und sie sich unglaublich glücklich schätzen kann, die Reise mit ihrem Großvater Werner unternommen zu haben.

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