Waigolshausen

Fünf Jahre Kirchenneubau: Die kritischen Stimmen sind verstummt

Sie ist immer noch ein Besuchermagnet, die neue Kirche in Waigolshausen. Am Sonntag wird der fünfte Weihetag gefeiert. Ein Grund für die Kirchengemeinde, Danke zu sagen.
Der Weihetag der neuen Kirche in Waigolshausen jährt sich zum fünften Mal. Die auffällige Kirche ist nach wie vor ein Besuchermagnet.
Der Weihetag der neuen Kirche in Waigolshausen jährt sich zum fünften Mal. Die auffällige Kirche ist nach wie vor ein Besuchermagnet. Foto: Anand Anders

"Es war wie ein Sechser im Lotto." Pfarrgemeinderatsvorsitzender Johannes Kling ist heute noch überglücklich, dass die richtige Entscheidung im richtigen Moment getroffen wurde. Der Neubau der wunderschönen Kirche in Waigolshausen wäre jetzt nicht mehr möglich. Es war der erste Kirchenneubau in der Diözese seit 20 Jahren. Und es wird vorerst wohl der letzte bleiben. Denn seit dem Baumoratorium des Bischofs fließen keine Gelder mehr in kirchliche Neubauprojekte, schon gar nicht in neue Gotteshäuser. Auf den Tag genau an diesem Sonntag, 15. März, jährt sich der Weihetag zum fünften Mal. Ein Grund zum Feiern mit einem geistlichen Konzert am Samstagabend und einem Dankgottesdienst am Sonntagmorgen. 

Sie haben die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit getroffen: Monika Pfister von der Kirchenverwaltung, Pfarrer Volker Benkert und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Johannes Kling freuen sich, dass vor fünf Jahren eine neue Kirche in Waigolshausen gebaut worden ist.
Sie haben die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit getroffen: Monika Pfister von der Kirchenverwaltung, Pfarrer Volker Benkert und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Johannes Kling freuen sich, dass vor fünf Jahren eine neue Kirche in Waigolshausen gebaut worden ist. Foto: Anand Anders

Na ja feiern: Es ist Fastenzeit, da gibt es kein Glorialied im Gottesdienst, die Feier wird "schlicht und einfach", sagt Pfarrer Volker Benkert. Er wird sein violettes Gewand tragen, so wie in der Fastenzeit üblich und so wie bei der Weihefeier vor fünf Jahren auch. Die musikalische Ausgestaltung der Messe wird die örtliche Musikkapelle übernehmen. Im Anschluss soll es einen Stehempfang geben. "Aber kein rauschendes Fest." 

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Dritter Kirchenneubau in 150 Jahren

Der Kirchenneubau in Waigolshausen war anfänglich umstritten und bis zur Fertigstellung von Kontroversen begleitet, weil viele Gläubige dem Verlust "ihrer" Kirche nachtrauerten. Es war der dritte Kirchenneubau innerhalb von 150 Jahren. Die alte Barockkirche aus dem Jahr 1861 war im 20. Jahrhunderts wegen der angewachsenen Katholikenzahl zu klein geworden und deshalb 1961 von einem modernen sechseckigen Neubau ersetzt worden. 50 Jahre später dann die gegensätzliche Entwicklung: Die Zahl der Gottesdienstbesucher ging drastisch zurück, die mit 620 Sitz- und 760 Stehplätzen ausgestattete Kirche war für die kleine Gemeinde viel zu groß. Hinzu kam erheblicher Renovierungsbedarf, weshalb 2007 ein abermaliger Neubau beschlossen wurde. Dass der Baubeginn sich bis 2012 hinzog, lag an den umfangreichen Absicherungsmaßnahmen des historischen Turms und den archäologischen Untersuchungen der über 300 mittelalterlichen Gräber, die beim Abriss der alten Kirche zu Tage gekommen waren.  

Die Kirchenbänke sind halbrund um den Altar angeordnet. Das schafft eine besondere Atmosphäre sowohl für die Gläubigen als auch für den Pfarrer.
Die Kirchenbänke sind halbrund um den Altar angeordnet. Das schafft eine besondere Atmosphäre sowohl für die Gläubigen als auch für den Pfarrer. Foto: Anand Anders

Vier Millionen Euro investierte die Diözese Würzburg in den Neubau, der nach Entwürfen des damaligen Domkapitulars Jürgen Lenssen von Architekt Benedikt Gerber in zweieinhalb Jahren verwirklicht wurde. 160 000 Euro steuerte die politische Gemeinde bei, 200 000 Euro brachte die Pfarrei durch Eigenleistung und Spenden auf. Die Befürchtungen damals, dass das neue Gotteshaus, das mit seinem gold-glänzenden Eingangs-Halbrund so großstädtisch in dem kleinen Dorf wirkt, von den Gläubigen nicht angenommen werden könnte, haben sich nicht bewahrheitet. "Die Kirche ist immer gut gefüllt", sagt Pfarrer Benkert. Nicht nur, weil sie mit 200 Plätzen viel kleiner ist, nach Meinung des Pfarrers liegt es an der besonderen Atmosphäre. Durch den halbrunden Innenraum, die Anordnung der Sitzplätze um den Altar, die Integration von Kunstwerken und die Auswahl der verwendeten Materialien sei ein gemeinschaftliche Raum entstanden, in dem es sich schön beten und zelebrieren lässt.

Der alte barocke Hochaltar ist jetzt wieder ins Zentrum gerückt.
Der alte barocke Hochaltar ist jetzt wieder ins Zentrum gerückt. Foto: Anand Anders

Dass der alte barocke Hochaltar, der früher von der Betonbrüstung der Empore verdeckt war, nun wieder sichtbar und ins Zentrum gerückt ist, habe viele in Waigolshausen versöhnt, weiß Monika Pfister. Sie ist Mitglied der Kirchenverwaltung und gehört zum Kirchenführungsteam, das sich nach Fertigstellung des Neubaus gebildet hat, nachdem sich ein regelrechter Bustourismus zu der Jakobuskirche entwickelt hat. Schon 165 Führungen hat es bislang gegeben. Mit über 3000 Interessierten. Es sind Seniorengruppen, Landfrauen, politische Parteien, Vereine und auch Privatleute, die wissen wollen, wie der auffällige Kubus von innen aussieht. Sogar ein Busunternehmer aus Mainz karrte schon Interessierte an.  "Am Anfang wurden wir förmlich überrollt", sagt Monika Pfister. Manchmal macht sie auch ganz spontan Führungen, wenn sie zufällig Besucher im Gotteshaus antrifft. Sie selbst ist vor allem von der Symbolik fasziniert, die am und im Gebäude herrscht, das dem heiligen Jakobus als Kirchenpatron geweiht ist. Hier könnten alle Menschen, egal ob gläubig oder nicht, eine Botschaft für ihren Lebensweg empfinden.

Ein buntes Fensterband führt vom Vorraum bis zum Altar. Das von Jacques Gassmann gestaltete Glasband symbolisiert Jakobus auf seinem Weg. In dem Lichtband hat der Künstler mehrfach die Jakobsmuschel eingearbeitet.
Ein buntes Fensterband führt vom Vorraum bis zum Altar. Das von Jacques Gassmann gestaltete Glasband symbolisiert Jakobus auf seinem Weg. In dem Lichtband hat der Künstler mehrfach die Jakobsmuschel eingearbeitet. Foto: Anand Anders

Neue Orgel komplettiert die neue Jakobuskirche

Auch ein kleines, feines Kulturprogramm hat sich in der neuen Kirche entwickelt: Siegfried Fietz war schon da und Stefanie Schwab auch. Beliebt ist die Kirche ob ihrer guten Akkustik vor allem bei Chören. Ausweiten will die Pfarrgemeinde das Veranstaltungsprogramm aber nicht. "Wir sind darauf bedacht, dass die Konzerte immer einen religiösen Hintergrund haben." Zum kleinen Weihejubiläum wird es am Samstag um 19 Uhr ein Konzert mit Domorganist Gregor Frede an der ebenfalls neuen Orgel in der Kirche gehen. Das Musikinstrument wurde zwei Jahre nach der Einweihung noch eingebaut. "Damit hatten wir nicht mehr gerechnet", freut sich Pfarrgemeinderatsvorsitzender Kling, dass die 50 000-Euro-Investition nicht von der Kirchengemeinde geschultert werden musste.

Von rechts nach links sind die neuen Kreuzwegstationen angeordnet, die der japanischen Künstler Mutsuo Hirano geschaffen hat.
Von rechts nach links sind die neuen Kreuzwegstationen angeordnet, die der japanischen Künstler Mutsuo Hirano geschaffen hat. Foto: Anand Anders

Die alte Orgel übrigens erklingt jetzt in Polen in einem Gotteshaus, wohin sie verkauft wurde. Die alten Kirchenbänke befinden sich in Kroatien. Und ein altes Kirchenfenster steht im Garten des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden. "Wir haben Vieles gegen Spenden veräußert", verweist Kling auf das fleißige Fundraising in der Bauzeit zur Aufstockung der benötigten Eigenmittel. Da kann sich Pfarrer Benkert zufrieden zurücklehnen: "Es sind so tolle Leute, hier ist es einfach schön."

Information: Am Samstag, 14. März, um 19 Uhr gibt es ein festliches Konzert zum 5. Weihetag der Pfarrkirche mit Domorganist Gregor Frede, Sopranistin Charlotte und Claudia Wallny an der Querflöte. auf dem Programm stehen Werke von Alain, Bach, Caccini und Mendelssohn. Am Sonntag, 15. März, findet um 10 Uhr ein Dankgottesdienst mit anschließendem Stehempfang statt.

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