SCHONUNGEN

Für Besuchergruppen dreht sich noch das Mühlrad

Das Natursteingebäude der Ölmühle ist bis unters Dach efeuumrankt.
Das Natursteingebäude der Ölmühle ist bis unters Dach efeuumrankt. Foto: Ursula Lux

Mühlen klapperten einst am rauschenden Bach des Schweinfurter Oberlandes. Insgesamt waren es 14 Mühlen an zwei Bächen – der Steinach und dem Wollenbach. Noch heute führt ein abwechslungsreicher Themenwanderweg von Schonungen entlang der Steinach nach Marktsteinach und dort über den Berg nach Hausen wieder zurück nach Schonungen an diesen Mühlen vorbei.

Nicht nur landschaftlich hat dieser Weg einiges zu bieten, er ermöglicht auch einen Blick in die Geschichte. Es war wohl dem starken Gefälle der Steinach und des Wollenbachs zu verdanken, dass hier auf eine Länge von rund 18 Kilometern gleich 14 Mühlen zu finden sind. 

Schon die erste Mühle blickt auf eine lange, wechselhafte Vergangenheit zurück. Anfang des 14. Jahrhunderts wird sie erstmals urkundlich erwähnt, die Schonunger Dorfmühle, die sich im Laufe der Jahrhunderte zur Ludwig-Grobe Dampfmühle weiterentwickelte. Die Zerstörungen des 30-jährigen Krieges und auch des Zweiten Weltkriegs überlebte der Mühlenbetrieb, die Gebäude wurden wieder aufgebaut.

Erst 1974 stellte die Mühle ihren Betrieb ein. Heute wird das ehemalige Mühlengebäude von der Lebenshilfe genutzt, die dort ein Förderzentrum für körperbehinderte Kinder eingerichtet hat.

Drei Mühlen erinnern an Schonungens dunkle Geschichte

Die ehemalige Wald- oder Walkmühle und die Hegmühle erinnern an Schonungens dunkle Geschichte. Hier siedelte sich 1814 und 1834 die Sattlersche Farbenfabrik an. Der hochangesehene Industrielle und bayerische Landtagsabgeordnete Wilhelm Sattler ließ in diesen Gebäuden das hochgiftige Schweinfurter Grün, Bleiweiß und Chromgelb produzieren. Über ein Jahrhundert später sollte die aus dieser Produktion stammende Umweltbelastung durch Blei, Arsen und andere Schwermetalle die Gemeinde Schonungen in eine ihrer größten Krisen stürzen. Sie musste den größten bewohnten Altlastfall Bayerns meistern.

Die nach ihrem letzten Besitzer benannte Klüpfelsmühle hatte viele Namen: Spigelsmühle, Michelsmühle, Straßenmühle. Nach dem Tod des letzten Müllers baute dessen Frau die Mühle in ein Restaurant mit Pension um. Auch das gibt es nicht mehr, heute wohnen hier Familien. Aber immer noch grüßt der imposante Fachwerkbau der einstigen Mühle die Vorbeifahrenden. Dort ist inzwischen eine Ferienwohnung untergebracht.

An der Klüpfelsmühle und der ihr folgenden Betzenmühle ist noch heute schön zu erkennen, wie das Wasser aus den Bächen zu den Mühlen umgeleitet und später wieder in den Bach zurückgeführt wurde. An einem Stauwehr vor der Betzenmühle wird ein Teil des Wassers der Steinach in den Mühlbach umgeleitet. Dieser fließt mit einem Gefälle zur Klüpfelsmühle, wo er früher das Mühlrad antrieb, bevor das Wasser wieder in die Steinach zurückgeleitet wurde. Das Mühlrad gibt es nicht mehr, wohl aber den Mühlbach, der an der Klüpelsmühle vorbeiführt.

Bis 1923 wurden Ziegeln gebrannt

In Richtung Marktsteinach kommt man an der Ziegelhütte vorbei, die ihren Namen von den Ziegeln hat, die hier bis 1923 gebrannt wurden. Der Ton für die Produktion kam aus der Waldsachsener „Lehmgrube“.

Zwischen Radweg und Staatsstraße liegt als nächstes die Schulzenmühle. Sie heißt so, weil einer der Müller gleichzeitig Bürgermeister von Marktsteinach war.

Dann stößt man auf einen Natursteinbau, der über und über mit Efeu bewachsen ist. Die Ölmühle ist der einzige gut erhaltene Mühlenbau im Schweinfurter Oberland, der auch noch ein funktionsfähiges Mühlrad hat. Früher wurde hier aus Bucheckern und Eicheln Öl geschlagen. Die Besitzer ließen das Mühlrad renovieren, sodass es, wenn das Wehr zum Mühlbach geöffnet wird, wie eh und je am rauschenden Bach klappert.

Vorbei an der heute einem Herrschaftssitz gleichenden Rothmühle und der Dorfmühle in Marktsteinach geht es über den Berg nach Hausen und zum Wollenbach. Dort liegt am südlichen Ortsrand die Dietrichsmühle. Diese im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Mühle sorgte für die erste Stromversorgung im Dorf. Bereits 1909 stellte der Besitzer Johann Caspar Dietrich den Betrieb der Mühle ein. Das Mühlrad nutzte er dazu, einen Dynamo anzutreiben, mit dem er 110-Volt-Gleichstrom erzeugte. 14 Anwesen im Dorf wurden so mit Strom versorgt, darunter das Pfarr- und das Schulhaus. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage zerstört.

In der Lohmühle wird auch heute noch Getreide gemahlen

Kurz hinter dem Dorf liegt die Lohmühle. Hier wurde  Getreide aus der eigenen Landwirtschaft gemahlen und das Mehl verkauft. Auch ein Mühlrad gibt es noch, allerdings ist es durch eine Betondecke verdeckt. Der Name der Mühle verrät, dass hier Eichen-, Fichten- oder seltener auch Tannenbaumrinde gemahlen wurde. Mit dieser Gerberlohe stellte man damals strapazierfähiges, kräftiges Leder, beispielsweise für Schuhsohlen, Stiefel oder Sättel, her.

Die nächste Mühle entlang der Straße nach Schonungen verschrieb sich im 17. Jahrhundert der Papierherstellung. Die Papiermühle versorgte nicht nur die Ämter der Gemeinde, sondern auch die der freien Reichstadt Schweinfurt mit dem „Häusinger Papier“. Mittels des Mühlenbetriebes wurden die „Hadern“, kleine Stofffetzen, und der Zellstoff, also die Rohstoffe der Papierherstellung, mechanisch zerkleinert und gerührt.

Vorbei an der Deutsch- und der Spitzmühle führt der Weg zurück nach Schonungen. Erstere verdankt ihren Namen dem Deutschorden, dessen Kloster auf der Schweinfurter Peterstirn lag und der hier Getreide mahlen ließ.

Bei der Spitzmühle schließt sich der Kreis, sie stammt, wie die erste, die Grobesmühle, bereits aus dem 14. Jahrhundert. Und auch das dunkle Kapitel in der Geschichte Schonungens findet sich dort wieder. Anfang des 19. Jahrhunderts prozessierte der damalige Besitzer mit dem Industriellen Wilhelm Sattler wegen der Ableitung des Bachwassers. Der Rechtsstreit endete damit, dass Sattler die Mühle 1826 kaufte und sie fortan zur Herstellung von Bleiweiß nutzte.

In der Deutschmühle am Wollenbach leben heute psychisch kranke Menschen.
In der Deutschmühle am Wollenbach leben heute psychisch kranke Menschen. Foto: Ursula Lux
Durch den Garten kann man einen Blick auf den Fachwerkbau der Klüpfelsmühle
Durch den Garten kann man einen Blick auf den Fachwerkbau der Klüpfelsmühle Foto: Ursula Lux
Für Besuchergruppen öffnet die Ölmühle ihre Tore und das alte Mühlrad zeigt noch einmal, was es kann.
Für Besuchergruppen öffnet die Ölmühle ihre Tore und das alte Mühlrad zeigt noch einmal, was es kann. Foto: Ursula Lux

Rückblick

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schonungen
  • Ursula Lux
  • Bäche
  • Giftstoffe
  • Papierherstellung
  • Schweinfurter Land und Leute
  • Urkunden
  • Wilhelm
  • Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!