Ebrach

Für ein UNESCO Welt-Naturerbe im Steigerwald

An der Veranstaltung  des Vereins Nationalpark Steigerwald in der Gaststätte Klosterbräu in Ebrach nahmen über 100 Kommunalpolitiker, Kandidaten verschiedener Parteien und Freunde eines Waldschutzgebietes im Steigerwald teil, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Vorsitzende, Liebhard Löffler,  freute sich in seiner Begrüßung über das große Interesse, einen sichtbaren, solidarischen Schulterschluss der bestehenden Unesco-Welt-Kulturerbe-Städte Bamberg und Würzburg mit einem künftigen Welt-Naturerbe im Steigerwald zu erleben.

Für eine positive Atmosphäre gleich zu Beginn der Veranstaltung sorgten die Sängerin Rebecca Schellhorn und der Mundartdichter Hans Meyer sowie der Geiger Rainer Huth (Duo Meyer mit Huth).

In ihren Grußworten sprachen  Max Dieter Schneider, Bürgermeister von Ebrach, Wolfgang Metzner, stellvertretender Bürgermeister von Bamberg, und Wolfgang Baumann, Würzburger Stadtrat, die gemeinsamen Interessen der  Unesco-Welt-Kulturerbe-Städte Bamberg und Würzburg und dem Umland an. Um alle auf den gleichen Wissensstand für eine fundierte Diskussion zu bringen, informierten drei Referenten über das komplexe Thema. Der frühere  Bamberger Landrat Günther Denzler schilderte seine Bemühungen, ein größeres Schutzgebiet im Steigerwald zu schaffen. Der „Hohe Buchene Wald“ vernetzte flächig zwei Naturwaldreservate bei Ebrach, die zu den wertvollsten in Deutschland gehören, um dadurch eine größere ökologische Wirkung zu entfalten.

Ulla Reck vom Freundeskreis Nationalpark Steigerwald erklärte, warum der Schutz der Buchenwälder im Nordsteigerwald so wichtig ist:„Hier gibt es noch flächig naturnahe Laubwälder, alte Waldbestände und eine besondere Fülle bemerkenswerter und gefährdeter Arten auf Staatswaldfläche. Viele unterschiedliche Waldgesellschaften wachsen hier eng verzahnt, wie Schlucht- und Hangmischwälder, trockene Orchideen-oder Hainsimsen-Buchenwälder. Von dieser in Deutschland als „sehr gefährdet“ eingestuften gemischten Vegetationsform blieb mit dem Steigerwald das bedeutendste Vorkommen erhalten. In den extrem seltenen großflächigen Wäldern dieser Qualität sollen natürliche Prozesse, wie Anpassungsvorgänge, gewährleistet werden. Ein Wirtschaftswald kann das nicht leisten: Ein Großteil der Bäume wird geerntet, die Bäume werden nicht flächig alt, Totholz ist stark reduziert und durch ständige Auflichtung wird das feuchte kühle Waldinnenklima gestört. Der Waldboden wird durch das Befahren mit tonnenschweren Holzerntemaschinen in Bayern auf 15-20 Prozent der Staatswaldfläche verdichtet und so der Wasserspeicher verkleinert. Wald braucht Raum und Zeit. Die Rotbuche ist robust und besitzt eine hohe genetische Vielfalt –Voraussetzungen für erfolgreiche Anpassung. Buchen in trockeneren europäischen Waldgebieten, wie in Zentralpolen, können knappes Bodenwasser sehr gut ausnutzen und sparsam damit umgehen. Wissenschaftler raten, das hohe Anpassungspotential der Buche auch hier zu nutzen und auf die Naturverjüngung zu setzen. Gerade in der Klimakrise brauchen wir dringend großflächige Naturwälder, in denen wir beobachten können, welche Baumarten standhalten und wie der Wald sich selbst hilft. Der Steigerwald mit seinen vielen Mischbaumarten bietet dafür hervorragende Voraussetzungen“. Ulla Reck appellierte an die Politik, besonders an Ministerpräsident Dr. Markus Söder: „Wir freuen uns, dass im Steigerwald ein Naturwald-Schutzgebiet kommen wird. „Der „Hohe Buchene Wald“ muss als wertvollste Kernfläche unbedingt in dieser Schutzgebietsfläche enthalten sein, landkreisübergreifend ergänzt um den Stollberger Forst. Beim 10 Prozent-Naturwald-Ziel im Staatswald haben nutzungsfreie Großschutzgebiete in Steigerwald und Spessart absoluten Vorrang!“

In seinem anschließenden Vortrag stellte Michael Heger, Tourismusdirektor der Stadt Bamberg, die Bedeutung des Umlandes für den Tourismus der Welterbe-Stadt Bamberg vor. Der Unesco-Welt- Kulturerbe-Titel sei ein Glücksfall für Bamberg gewesen. Aber nur die Stadt sei zu klein. Kooperationen mit dem Bamberger Land seien die Lebensadern und würden wichtige Synergien schaffen. Beispielsweise könnte die durchschnittliche Verweildauer der Touristen von rund 1,8 Tagen hierdurch gesteigert werden. Ein Unesco-Welt-Naturerbe sei deshalb eine große Chance für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.

Gut informiert ließen sich die Teilnehmer anschließend vom Moderator Heiner Gremer durch die Diskussion führen. Zahlreiche Interessierte äußerten ihr Unverständnis, dass bei einer Staatswaldfläche von  17 000 Hektar im Steigerwald die Ausweisung von 1000 bis 2000 Hektar Fläche für ein Unesco- Schutzgebiet bei Bedenkenträgern immer noch auf Ablehnung stoßen. Auf Wunsch wurde einvernehmlich ein „Ebracher Moratorium zum sofortigen Einschlags-Stop im Klosterwald bei Ebrach“ manifestiert, bis die Vereinbarungen zum Volksbegehren „Artenschutz“ umgesetzt sind.

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