SCHWEINFURT

Fußball mit Hakenkreuz und Waffen

In seinem Berufungsverfahren vor dem Landgericht gibt sich der 48-jährige gelernte Maler ahnungslos: Wie der Hakenkreuz-Fußball in sein Facebook-Profil kommt, weiß er nicht, er hat ihn jedenfalls nicht eingestellt. Er kennt sich damit eh nicht so aus, und als die Polizei ihm deswegen auf den Fersen war – die hat das Nazi-Symbol problemlos erkannt – hat die Freundin sofort alles gelöscht. Sagt er.

16 Vorstrafen hat der Mann, wohnhaft in einem Städtchen in der Rhön, bereits angesammelt – „quer durchs Strafgesetzbuch“, sagt die Vorsitzende Richterin. Darunter finden sich unter anderem Fahren ohne Fahrerlaubnis, Rauschgiftdelikte, Diebstahl, Besitz von Waffen – und mehrfach auch schon das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“.

Im Sommer 2014 steht der Mann vor dem Amtsgericht, weil ein Porträt des Nazis Rudolf Heß mit Hakenkreuz auf dem Ärmel seine Facebookseite geziert hat. Ein Butterflymesser, ein Schlagring und eine kleinkalibrige Waffe werden bei einer Hausdurchsuchung gefunden. „Man weiß, dass das verbotene Gegenstände sind“, sagt die Vorsitzende.

Vor fünf Monaten die nächste Straftat: ein Hakenkreuz-Fußball auf seinem Facebook-Profil. Der Mann scheint anfällig zu sein für plumpe Nazisymbolik. Wahlweise will er nicht wissen, wer ihm den braunen Fußball beschert hat, was ihm weder die Kleine Strafkammer noch die Staatsanwältin abnehmen will. Hilfsweise oder überhaupt soll der Hakenkreuz-Ball auch vom Ausland aus eingestellt worden sein mit der Folge, dass die Tat in Deutschland nicht verfolgt werden könnte.

Geduldig und in mehreren Anläufen macht die Kammervorsitzende der Verteidigung klar, das das Gericht den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung, so sie nicht näher belegt wird, nicht recherchieren wird. Der Angeklagte möge sich gut überlegen, ob er seine Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil – ein Jahr Haft ohne Bewährung für die diversen Delikte – nicht zurückziehen will.

Die Staatsanwaltschaft hatte nämlich ebenfalls Berufung eingelegt, weil sie das Strafmaß für zu gering hält und insbesondere angesichts von 16 Vorstrafen eine noch längere Haftstrafe fordern will. Zehn Monate habe der Mann schon gesessen, ohne dass ihn dies beeindruckt hätte.

Nach kurzer Unterredung mit dem Verteidiger nimmt der 48-Jährige die Berufung zurück, die Staatsanwältin daraufhin ebenfalls. So erlangt das Jahr Gefängnis zum Absitzen augenblicklich Rechtskraft.

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