SENNFELD

GIs machten Selfies mit Santa Claus

40 Jahre war Manfred Wüst in Sennfeld als Nikolaus unterwegs. Nun setzt er sich zur Ruhe.
40 Jahre war Manfred Wüst in Sennfeld als Nikolaus unterwegs. Nun setzt er sich zur Ruhe. Foto: Klemens Vogel

40 Jahre lang hat Manfred Wüst den Nikolaus gemacht. Bis zu 50 Auftritte hatte er alljährlich in der Adventszeit. Jetzt setzt sich der 74-Jährige zur Ruhe. Beim Sennfelder Adventsmarkt verabschiedete ihn Bürgermeister Emil Heinemann aus dem Nikolausdienst.

Der Zufall wollte es, dass Wüst vor 40 Jahren ins Gewand des Heiligen Nikolaus schlüpfte. Der Lokomotivführer wurde von seinem Arbeitgeber sozusagen zwangsverpflichtet, als damals kurzfristig bei der betrieblichen Weihnachtsfeier des Sozialwerks der Bundesbahn der Nikolaus ausfiel. „Ich wurde quasi von der Lokomotive herunter für diese Aufgabe rekrutiert“, erinnert sich Wüst.

Der Nikolaus besuchte auch den Trachtenverein und VdK

In seinem Heimatort Sennfeld wurde man schnell auf den Bundesbahn-Nikolaus aufmerksam. Und Altbürgermeister Manfred Knieß, der bis dahin immer als Nikolaus bei den Vereinen aufgetreten war, fand in Wüst einen würdigen Nachfolger. Von Jahr zu Jahr wurden es dann mehr Nikolausauftritte. Wüst besuchte Kindergärten, Seniorennachmittage und Weihnachtsfeiern von Betrieben oder Vereinen. In Sennfeld beispielsweise wurde er vom Trachtenverein und VdK gebucht. Und natürlich beschenkte er auch auf dem Adventsmarkt die Kinder.

Auch Sohn Joachim war zehn Jahre lang mit von der Partie. Er verkörperte Knecht Rupprecht. Sogar von den amerikanischen Streitkräften wurde wüst gebucht. So trat er als Santa Claus in der amerikanischen Kaserne in Kitzingen auf. Sohn Joachim übernahm dann die englische Übersetzung der „Nikolaus-Worte“. Bis zu zwei Stunden habe man anschließend den Soldaten und ihren Familien für „Selfies“ zur Verfügung gestanden, erinnert sich Wüst. Damals wurde halt noch mit der Polaroid-Kamera fotografiert.

Ungewöhnlich war auch der Nikolaus-Auftritt 2006 in einer Bad Kissinger Reha-Klinik. Dort war Wüst zur Kur. Er ließ sich überreden, zwei Tage länger zu bleiben, und trat dann als Nikolaus mit Krücken auf.

Zu seinem Erfolg als Nikolaus trugen vor allem seine selbst verfassten Verse bei. In seinem goldenen Buch stand Besinnliches und Nachdenkliches aus eigener Feder, und immer waren die Nikolaus-Worte auf das jeweilige Publikum zugeschnitten.

Jedes Jahr neue Geschichten

Das sei gar nicht so einfach gewesen, als Lokführer Reden zu verfassen, meint Wüst. Vier Wochen vor Beginn der Adventszeit habe er sich jedes Jahr in Klausur zurückgezogen: „In den 40 Jahren musste ich ja immer wieder etwas Neues zu Weihnachten in den Mittelpunkt stellen.“ Im Rückblick empfindet Wüst es als persönliche Bereicherung, auf diese Weise den Menschen zu begegnen.

Die für seine Nikolaus-Auftritte erhaltenen Honorare spendete wüst für gemeinnützige Zwecke. So beschenkte er beispielsweise die Familie eines bedürftigen Sennfelders zu Weihnachten mit Fahrrädern. Geldspenden von ihm erhielt auch der in Schwemmelsbach an Leukämie erkrankte und zwischenzeitlich verstorbene Familienvater Mathias Koch.

Wüst bedauert, dass nur noch wenige betriebliche Weihnachtsfeiern stattfinden. Der Auftritt als Nikolaus bei solchen Veranstaltungen habe nicht nur ihm, sondern auch der Belegschaft viel Freude bereitet und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt.

„Der überaus beliebte Sennfelder Nikolaus Manfred Wüst ist es wert, ein öffentliches Dankeschön zu erhalten“, erklärte Heinemann bei der Verabschiedung. Denn er ist in all den Jahren durch die Straßen und Gassen von Sennfeld gezogen, um seine Botschaft zu verkünden und Geschenke zu verteilen. Als Dankeschön übergab Heinemann einen „kleinen Nikolaus“ zu Erinnerung und an Ehefrau Marianne Wüst ein Blumengebinde. Sein Nachfolger ist der Sennfelder Frank Siegel.

40 Jahre war Manfred Wüst in Sennfeld als Nikolaus unterwegs. Jetzt setzt er sich zur Ruhe.
40 Jahre war Manfred Wüst in Sennfeld als Nikolaus unterwegs. Jetzt setzt er sich zur Ruhe. Foto: Klemens Vogel
Bürgermeister Emil Heinemann (Mitte) verabschiede Manfred Wüst mit einem kleinen Nikolaus aus seinem Amt. Sein Nachfolger ist Frank Siegel (links).
Bürgermeister Emil Heinemann (Mitte) verabschiede Manfred Wüst mit einem kleinen Nikolaus aus seinem Amt. Sein Nachfolger ist Frank Siegel (links). Foto: Klemens Vogel

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Sennfeld
  • Klemens Vogel
  • Adventsmärkte
  • Emil Heinemann
  • Ruhe
  • Trachtenvereine
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!