Röthlein

Gänsehaut und Klanggebilde in der Röthleiner Bibliothek

Das verschmitzte Grinsen täuscht: Zum Lachen sind die literarisch-musikalischen Lesungen von Autor Markus Korb und Komponist Peter Zimmermann mit Sicherheit nicht, dafür nervenaufreibende Erlebnisse mit Gänsehautfaktor. Foto: Daniela Schneider

Dunkel ist es in der Bibliothek und totenstill. Die Besucher haben die Augen geschlossen, wie es ihnen Autor Markus Korb geraten hat für diesen ganz besonderen Höhepunkt, wenn seine phantastischen, manchmal blutigen aber häufig tödlichen Erzählungen auf die Klanggebilde von Peter Zimmermann treffen. Seit Jahren treten die beiden einmal im Jahr gemeinsam in der Röthleiner Bibliothek auf. Der Röthleiner Autor Markus Korb hat dann ein neues Buch geschrieben und der Heidenfelder Peter Zimmermann sich daraus eine Geschichte gesucht, die er mit, wie er zum Auftakt der zweiten Veranstaltungshälfte kurz erklärt, gemalten Klangbildern intensiviert.

Diesmal hat er sich die Erzählung "SuiSite-Tours" aus Korbs aktuellem Buch "Das raunende Wrack" vorgenommen. Schon während des ersten Lesens wird er inspiriert und hat "die Sounds" bereits im Kopf. Allerdings komponiert Zimmermann keine Unterhaltungsmusik, sondern kreiert Stimmungen. Er programmiert Klänge, die es so schon in der Natur, in der Umwelt gibt und verfremdet die Töne dann stark. Etwa 30 Klangbilder entstanden so für "SuiSite-Tours" an elf verschiedenen Instrumenten, die er nun für die Lesung auf dem Synthesizer abspielt – doch da ist seine kompositorische Arbeit schon lange abgeschlossen. Schon die Introduktion ist klanggewaltig: Es pfeift ein eisiger Wind durch die Bibliothek, bis in die Knochen ist die düstere Szenerie zu spüren, die Korb in seiner "Fantasy-Reise" zum Rande der Welt entworfen hat.

Bereits die ersten Töne lassen akustisch das Grauen erkennen, das sich im Laufe der Erzählung langsam anschleicht. Gefühle wie Depression und Ausweglosigkeit werden von Zimmermann in beklemmende Töne gepresst; schnell wird hörbar, in welche Richtung alles driftet – ein beeindruckendes Erlebnis – immer wieder. "Kreative Explosionen" lösen Korbs Erzählungen auch bei Bastian Wechsung aus; der Röthleiner hat im neusten Buch einige Illustrationen gestaltet und diese zur Lesung als visuelle Impressionen mitgebracht – ein weiterer Impuls für die ohnehin geforderten Sinne.  Die literarisch- musikalische Lesung ist Kult, wie eine Besucherin verrät, steht sie weniger auf die Motive der Geschichten, als auf die Art der "Darstellung und Artikulation".

Markus Korb ist nämlich nicht nur ein preisgekrönter Phantastik-Autor, sondern auch ein begnadeter Vorleser seiner eigenen Geschichten, die zwar meist schaurig, aber doch ziemlich oft mit einem süffisanten gesellschaftskritischen Augenzwinkern enden und selbst bei Jugendlichen, wie eine 13-jährige Besucherin verrät, gut ankommen. Diesmal startet Korb die Lesung – flankiert von Totenkopf und flackerndem Kerzenlicht – mit einer Parabel, steigert dann die  Dramaturgie bis hin zum, für Bibliotheksleiterin Alexis Lender fast zu blutigen, "Lars Christmas". Den ersten Teil der Lesung beendet Korb mit einer Geschichte, die ihm besonders ans Herz gewachsen ist, weil sie so schön aufzeigt, dass die Phantastik nicht nur eskapistische Literatur ist, sondern durchaus auch große zeitgenössische Relevanz hat, wie – Stichwort Fake News – die skurrile Parabel "Das Fest des großen Wurms" belegt.

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