SCHWEINFURT

Garten der Kulturen und der Begegnung

Der Garten der Begegnung ist auch ein Ort, an dem sich Menschen aus unterschiedlichen Nationen treffen, um gemeinsam zu basteln und zu handarbeiten.
Der Garten der Begegnung ist auch ein Ort, an dem sich Menschen aus unterschiedlichen Nationen treffen, um gemeinsam zu basteln und zu handarbeiten. Foto: Ursula Lux

Sie hat viele Namen, diese grüne Oase am Oberen Marienbach, mitten in Schweinfurt. Garten der Begegnung, Mehrgenerationengarten, interkultureller Garten – jeder der Namen weist auf das vielfältige Leben hin, das auf diesen 765 Quadratmetern Land seit nunmehr 15 Jahren stattfindet.

Das Grundstück gehört der Stadt, bis 2002 lag es brach, dann pachtete es der evangelische Frauenbund und verwandelte es nach und nach in das, was es heute ist: ein Ort voller Leben und Lebendigkeit.

Es ist nicht zuletzt der Beharrlichkeit und dem Charme der Frauenbundvorsitzenden Heike Gröner zu verdanken, dass sich von Beginn an viele Mitstreiter fanden. Allen voran der bereits 1999 gegründete Förder- und Freundeskreis des Evangelischen Frauenbundes. Unter dem Motto „Gemeinsam Gutes tun“ unterstützt er das soziale Engagement des Frauenbundes. Aber auch Banken und die Sparkasse, Firmen, die Stadt und Einzelspender sorgten dafür, dass der Garten zu einem Aushängeschild geworden ist.

Sieben große Bäume – „die sind bestimmt schon 100 Jahre alt“, meint Gröner – spenden Schatten. Blumen blühen, ein Gartenhaus und eine geschlossene Pergola bieten Schutz, für die Jüngsten gibt es ein Kinderhaus und eine Schaukel, Gemüse- und Kräuterbeete sind angelegt und seit neuestem gibt es sogar einen überdachten Grillplatz.

Bei fast jedem Besuch ist Neues zu entdecken. 2005 veranstaltete der Frauenbund den ersten Tag der offenen Tür. Inzwischen ist dieser eine feste Einrichtung geworden und man tut gut daran, rechtzeitig da zu sein, denn der Platz wird alljährlich knapper. „Heuer kamen 170 Gäste“, erzählt Gröner. Viele Schweinfurter kennen und schätzen inzwischen diese Oase der Ruhe entlang der viel befahrenen vierspurigen Straße. Der Tag der offenen Tür ist ein Treffen der Generationen und Nationen und er spiegelt die vielfältige diakonische Arbeit des Frauenbundes wider. Wie überhaupt im Garten Spuren dieses breit angelegten Engagements zu finden sind. Ebenso alt wie der Garten ist beispielsweise die Jugendgruppe „Team Spirit“, die jungen Menschen, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind, hilft, die „fremde Welt zu verstehen“ und sich zu integrieren.

Mit ihrer Tanzgruppe unterhalten sie die Besucher an den Tagen der offenen Tür. Seit 2013 ist der Mehrgenerationengarten offiziell auch von der Stiftung Interkultur Bayern als Interkultureller Garten anerkannt.

Schon bei der Rodung des Grundstücks und dem Anlegen des Gartens legten viele Russlanddeutsche und Afghanen mit Hand an. Sie waren dem Frauenbund durch dessen Sprachkurse und die Integrationsarbeit verbunden. Bis heute ist die Integration und die Sprachförderung ein zentrales Anliegen des Frauenbundes. Unterstützt wird er dabei von der evangelischen Landeskirche im Projekt „Wir schaffen Herberge“. Was einst schwerpunktmäßig mit den Russlanddeutschen begann, steht heute Menschen aus aller Herren Länder offen.

Frauen aus Syrien, Mexiko, Russland, Brasilien und Südkorea treffen sich an einem Tag im Sommer im Garten und lernen Deutsch. Heike Gröner drückt ihnen Blätter mit den Bäumen des Gartens in die Hand. Gemeinsam mit den Sprachlehrerinnen des Frauenbundes lernen sie die deutschen Namen. Dann zeigt Gröner ihnen das Gemüsebeet und das Kräuterhochbeet und benennt die Pflanzen. „Es ist wichtig, dass die Menschen, egal woher sie kommen, in guten Kontakt zueinander kommen“, sagt die Vorsitzende.

Nur so gebe es ein gutes Miteinander in Schweinfurt, und das ist ihr wichtig. Zu diesem Miteinander aber gehört nicht nur die Sprache, gemeinsam wird gebastelt, gegärtnert, gekocht und werden Ausflüge gemacht.

Der Bretterzaun um das Grundstück gibt ebenfalls ein Zeugnis interkultureller Arbeit. Vor einem Jahr verband der Frauenbund sein soziales Engagement mit dem künstlerischen. Die stellvertretende Vorsitzende Christa Zoch initiierte ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen, die die Alfons-Goppel-Berufsschule besuchen. Und die Kunst hat nicht nur, wie erwartet, Brücken gebaut, sondern die mannshohen, farbenfrohen Bilder von Menschen aller Nationalitäten zieren heute den Bretterzaun und lassen ahnen, was sich dahinter verbirgt.

Die Vielfalt des Engagements spiegelt sich in den Besuchern des Gartens wider. Die Offene Behindertenarbeit der Diakonie ist dort regelmäßig zu Gast. Vor fünf Jahren hat Gröner eine „Initiative Inklusion“ auf den Weg gebracht. Die Kinder des Leseclubs in der Auenschule, den der Frauenbund seit 2014 anbietet, kommen in den Garten, und auch junge Mütter mit ihren Kindern nutzen ihn gerne.

Jeder, den Heike Gröner kennt und auf den sie sich verlassen kann, darf sich den Schlüssel zum Garten holen. Regelmäßig treffen sich dort auch ein Ärztekreis, die Freunde Chateauduns, Physiotherapeuten, ein Hospizverein, um nur einige der Nutzer zu nennen. „Dieser Garten ist eine gute Sache, ein Lichtblick für die Stadt“, da ist sich die Vorsitzende sicher. Und als Anerkennung für den Einsatz des Förder- und Freundeskreises gibt es einmal im Jahr eine Weinprobe für die Mitglieder im Garten der Begegnung.

Farbenfrohe Bilder von Menschen aller Nationalitäten entstanden bei einem Kunstprojekt für junge Flüchtlinge.
Farbenfrohe Bilder von Menschen aller Nationalitäten entstanden bei einem Kunstprojekt für junge Flüchtlinge.

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