SCHWEMMELSBACH

Gefährliche Bauernregeln bei der Pilzsuche

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Der kaffeebraune Gabeltrichterling, der kupferrote Gelbfuß und auch der Hallimasch sind essbare Pilze, die es momentan noch in den Wäldern zum Sammeln gibt, die aber kaum ein Laie als Speisepilze kennt. Tom Biehl aus Schwemmelsbach kann hier jetzt weiterhelfen.

Der gelernte Informatiker hat seinen langjährigen Traum verwirklicht und ist nach seiner erfolgreichen Prüfung in Ruppertshofen bei Schwäbisch Gmünd offizieller Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Deutschlandweit gibt es 401 Pilzsachverständige, das sind im Schnitt 25 Experten pro Bundesland.

Die Kenntnis, Giftpilze mit der jeweiligen Giftwirkung zu identifizieren und die Beratung von Pilzsammlern ist eine Aufgabe der der Pilzsachverständigen. Darüber hinaus dürfen sie Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und Exkursionen durchführen.

Neben Biehl gibt es in der Region Siegfried Willig als offiziellen Pilzsachverständigen. Biehl hatte vor drei Jahren an einer Exkursion von Willig teilgenommen und Feuer gefangen: „Der naturverbundene Mensch mit jahrzehntelanger Pilzerfahrung hat mich inspiriert, auch den Sachverständigenschein zu machen“, so Biehl, der seit seiner Jugend auf der Suche nach Pilzen ist.

Die aktuelle Pilzsaison dauert noch zwei bis drei Wochen. Und diese sollte man nutzen. Denn der überdurchschnittlich heiße Sommer und auch die Trockenheit der letzten Wochen hat den Pilzsammlern im Vergleich zum letzten, pilzreicheren Jahr eher einen Strich durch die Rechnung gemacht, viele Speisepilze zu finden. Die momentan herrschenden sonnigen Tage laden nun zu einer Pilzsuche im Wald ein.

Die wohl beliebteste Sorte unter den Sammlern ist der Steinpilz. „Einige Speisepilze haben aber giftige Doppelgänger“, warnt Biehl. So auch der Steinpilz, der leicht mit dem Gallenröhrling mit seinen rosafarbenen Poren oder dem giftigen Schönfuß-Röhrling mit einem rötlichen Stiel verwechselt wird.

Biehl warnt auch davor, mit alten Bauernregeln auf die Pilzjagd zu gehen: „Den Irrglauben höre ich immer wieder, dass alle Pilze, die von Schnecken befallen werden, essbar sind. Das ist leider nicht so.“ Auch, dass bestimmte Pilzfarben nur bei giftigen Pilzen vorkommen, entspreche nicht der Realität.

Erschreckend findet Biehl die überdurchschnittlich hohen Vergiftungszahlen unter Flüchtlingen. Biehl weiß, dass Grüner und Weißer Knollenblätterpilz, beide überaus giftig, für lebensbedrohliche Situationen verantwortlich sind, und ist froh, dass mittlerweile in den Flüchtlingslagern mit Warnschildern bezüglich des Pilzsammelns hingewiesen wird. Es könne immer wieder vorkommen, dass Pilze nicht zu hundert Prozent bestimmbar sind, und deshalb nicht verzehrt werden sollten. Auch Speisepilz können mitunter gefährlich sein. So rufe der Hallimasch bei zirka fünf Prozent der Menschen eine Unverträglichkeit hervor, beim Steinpilz sind es laut Biehl 0,5 Prozent der Menschen. Biehl empfiehlt, alle Speisepilze vor dem Verzehr zu erhitzen.

In Deutschland gibt es über 5000 Großpilze mit ungefähr 400 Gattungen, die teilweise bis zu 200 Arten enthalten. Biehls Favoriten sind die wohlschmeckenden Pfifferlinge und Steinpilze. Auf seiner Speisekarte stehen aber auch der Grünspan-Träuschling und der kupferrote Gelbfuß, der sich beim Erhitzen violett wie Blaukraut verfärbt. Auch schwört Biehl auf den violetten Rötelritterling mit seiner blutdrucksenkenden Wirkung.

Biehl schnitt früher die Pilze bei der Ernte immer ab, doch seit mehreren Jahren zieht der Schwemmelsbacher den gesamten Pilz mit dem Stiel aus dem Boden heraus. „Für die Pilzbestimmung ist der Stiel häufig ein entscheidendes Erkennungsmerkmal“, so Biehl. Bei Steinpilzen ist der Stiel auch essbar. Der Stiel von Hallimasch oder Stockschwämmchen dagegen eignet sich nicht zum Verzehr, weil er zäh ist.

Die Pilze putzt Biehl gleich bei der Ernte vor Ort, um sie zuhause sofort zubereiten zu können.

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Achtung: Pilzsachverständiger Tom Biehl warnt, dass nicht jeder Pilz essbar ist, der von Schnecken angefressen wird, dazu zählt auch der giftige Fliegenpilz.
Achtung: Pilzsachverständiger Tom Biehl warnt, dass nicht jeder Pilz essbar ist, der von Schnecken angefressen wird, dazu zählt auch der giftige Fliegenpilz. Foto: René Ruprecht
Der Pilzsachverständige Tom Biehl hat am Mittwoch aus dem Raum Wasserlosen einen großen Korb mit essbaren honiggelben Hallimaschen gesammelt.  Der Speisepilz für Soßen und Suppen sollte vor dem Verzehr abgekocht werden (Kochwasser danach wegschütten).
Der Pilzsachverständige Tom Biehl hat am Mittwoch aus dem Raum Wasserlosen einen großen Korb mit essbaren honiggelben Hallimaschen gesammelt. Der Speisepilz für Soßen und Suppen sollte vor dem Verzehr abgekocht werden (Kochwasser danach wegschütten). Foto: René Ruprecht
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Nach etwa zwei Stunden Pilzsuche fand der Pilzsachverständige Tom Biehl aus Schwemmelsbach im Greßthaler Wald 16 essbare Pilzsorten, darunter einen Maronenröhrling, zwei Arten aus der Gattung Hallimasch, Kupferrote Gelbfüße und einen Champignon. In seiner Sammlung sind auch zwei giftige Pilze, nämlich die beiden Fliegenpilze (links unten).Weitere Information, links oben: ein Rehbrauner Dachpilz. Darunter ein etwas älterer Maronenröhrling (der einzige Röhrling auf dem Foto, d. h. er hat einem Schwamm auf der Hutunterseite, alle anderen Pilze hier haben Lamellen). Rechts daneben: drei Weißstielige Stockschwämmchen, daneben: der Honiggelbe Hallimasch und der Gewöhnliche Hallimasch (beide sollten vor dem Verzehr abgekocht werden - das Kochwasser wird weggeschüttet.). Weiter von links nach rechts: drei Nebelgraue Trichterlinge, im Volksmund Nebelkappe genannt, sollten auch abgekocht werden. Zwei Mönchsköpfe (Hut kann bis 20 cm Durchmesser groß werden, mit einem Buckel in der Hutmitte) Drei Falsche Pfifferlinge Links unten: Zwei Fliegenpilze (giftig)Zwei Fichtenblutreizker Vier Grünspanträuschlinge (Die schleimige Huthaut sollte beim Putzen abgezogen werden.) Vier Kaffeebraune Gabeltrichterlinge Vier Rauchblättrige Schwefelköpfe (Die Art zwei giftige Doppelgänger, die sehr ähnlich aussehen: Der Grünblättrige und der Ziegelrote Schwefelkopf, Alle wachsen auf  Totholz und Baumstümpfen.)Ein Langstieliger Knoblauchschwindling (Der Hut ist nur als Würzpilz in kleinen Mengen verwendbar)Vier Kupferrote Gelbfüße (färbt sich beim Erhitzen von Orange nach Lila)Drei Violette Rötelritterlinge (blutdrucksenkende Wirkung)Ein Champignon ? der schiefknollige Anisegerling (essbar; Vorsicht: es gibt giftige Doppelgänger)Ein Schopftintling (essbar, solange er nicht schwarz ist, Stiele können wie Spargel zubereitet werden).
Nach etwa zwei Stunden Pilzsuche fand der Pilzsachverständige Tom Biehl aus Schwemmelsbach im Greßthaler Wald 16 essbare Pilzsorten, darunter einen Maronenröhrling, zwei Arten aus der Gattung Hallimasch, Kupferrote Gelbfüße und einen Champignon. In seiner Sammlung sind auch zwei giftige Pilze, nämlich die beiden Fliegenpilze (links unten).Weitere Information, links oben: ein Rehbrauner Dachpilz. Darunter ein etwas älterer Maronenröhrling (der einzige Röhrling auf dem Foto, d. h. er hat einem Schwamm auf der Hutunterseite, alle anderen Pilze hier haben Lamellen). Rechts daneben: drei Weißstielige Stockschwämmchen, daneben: der Honiggelbe Hallimasch und der Gewöhnliche Hallimasch (beide sollten vor dem Verzehr abgekocht werden - das Kochwasser wird weggeschüttet.). Weiter von links nach rechts: drei Nebelgraue Trichterlinge, im Volksmund Nebelkappe genannt, sollten auch abgekocht werden. Zwei Mönchsköpfe (Hut kann bis 20 cm Durchmesser groß werden, mit einem Buckel in der Hutmitte) Drei Falsche Pfifferlinge Links unten: Zwei Fliegenpilze (giftig)Zwei Fichtenblutreizker Vier Grünspanträuschlinge (Die schleimige Huthaut sollte beim Putzen abgezogen werden.) Vier Kaffeebraune Gabeltrichterlinge Vier Rauchblättrige Schwefelköpfe (Die Art zwei giftige Doppelgänger, die sehr ähnlich aussehen: Der Grünblättrige und der Ziegelrote Schwefelkopf, Alle wachsen auf Totholz und Baumstümpfen.)Ein Langstieliger Knoblauchschwindling (Der Hut ist nur als Würzpilz in kleinen Mengen verwendbar)Vier Kupferrote Gelbfüße (färbt sich beim Erhitzen von Orange nach Lila)Drei Violette Rötelritterlinge (blutdrucksenkende Wirkung)Ein Champignon ? der schiefknollige Anisegerling (essbar; Vorsicht: es gibt giftige Doppelgänger)Ein Schopftintling (essbar, solange er nicht schwarz ist, Stiele können wie Spargel zubereitet werden). Foto: René Ruprecht

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