Gerolzhofen

Gefahr zu groß: Kreuzblume wurde abgebaut

Die wackelige Kreuzblume auf dem südlichen Treppenturm des Steigerwalddoms wurde am Freitagmorgen kurz nach Sonnenaufgang abgebaut. Die obere Kreuzblume hingegen ist noch stabil. Foto: Klaus Vogt

Spektakuläre Aktion am frühen Freitagmorgen auf dem Gerolzhöfer Marktplatz: Mit einem Kran der Schweinfurter Firma Markewitsch wird die Kreuzblume vom südlichen Treppenturm der Stadtpfarrkirche heruntergeholt. Das Bauteil war nicht mehr sicher genug befestigt.

Nachdem vor einigen Jahren am Nordturm des Steigerwalddoms Teile eines Gesimses in die Kirchgasse gestürzt waren, wird der historische Sandsteinbau regelmäßig von Experten unter die Lupe genommen. Von der Drehleiter der Feuerwehr aus wird von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs und der Steinrestaurator-Werkstatt Petro Schiller (Königsberg) dabei überprüft, ob an der Sandsteinfassade Verwitterungsschäden aufgetreten sind, die zu Abplatzungen oder gar Abbrüchen führen könnten. Denn sollten von dem hohen Bauwerk Teile abfallen, dann besteht für die Fußgänger auf dem Marktplatz und den Gassen höchste Lebensgefahr.

Bauteil von 1902

Bei der jüngsten Überprüfung des historischen Bauwerks stellte man fest, dass die steinerne Bekrönung des südlichen Emporen-Treppenturms auf der Marktplatzseite - die so genannte Kreuzblume - wackelt. Eine Reparatur an Ort und Stelle war nicht möglich. Deswegen musste das Bauteil, das mit dem Anbau der Stadtpfarrkirche um das Jahr 1902 entstanden ist, aus Sicherheitsgründen abgebaut werden. Den Auftrag dazu gab das Bischöfliche Ordinariat in Würzburg.

Die Kreuzblume schwebt zu Boden. Foto: Klaus Vogt

Kreuzblumen finden sich praktisch an allen gotischen Kirchen als abschließender Schmuck auf Dachfirsten, Giebeln, Wimpergen, Fialen und Turmpyramiden. Das kreuzförmige Gebilde besteht aus Blättern (Krabben) und Knospen, die sich wie eine Schlingpflanze am Bauwerk hochschlängeln. Und weil die Kreuzblumen an den exponierten Stellen der Bauwerke stehen, sind sie besonders anfällig für die Unbilden der Witterung. Schwere Stürme setzen den Kreuzblumen am meisten zu.

Leicht zu lösen

Am frühen Freitagmorgen brachte sich am westlichen Marktplatzeingang ein schwerer Kran in Stellung. Im Korb der Feuerwehr-Drehleiter fuhr Bauhofmitarbeiter Andreas Kraus parallel dazu einen Mitarbeiter der Firma Schiller nach oben zur Kreuzblume. Nachdem die Männer das Bauteil mit Gurten verzurrt und an den Haken des Krans befestigt hatten, genügten schon zwei, drei kleine Rucke und die Kreuzblume löste sich, am Stahlseil des Krans hängend, recht leicht vom Dach des Treppenturms. 

Unten am Marktplatzpflaster angekommen, konnte man das rund 300 Kilo schwere Bildhauer-Meisterwerk dann genauer unter die Lupe nehmen. Es zeigte sich, dass die Kreuzblume mit einem Eisendorn oben am Treppentürmchen befestigt war. Dieser Dorn war stark verrostet und hatte sich durch die Korrosion schon verkürzt. Zusätzlich war der Stein damals mit Kalkmörtel befestigt worden, der allerdings auch schon zerbröselt war.

Der Stein reißt

Zudem wurde festgestellt, dass die "Maserung" des Sandsteins senkrecht verläuft und die Tendenz besteht, dass der Stein sich spaltet und aufreißt. Bei der Generalsanierung der Stadtpfarrkirche vor rund 20 Jahren hatte man dies bereits erkannt und - wie heute noch zu erkennen ist - die ersten auftretenden Risse vermutlich mit Harz geschlossen. Zusätzliche Dübel mit einer Querverspannung hätten dem Bauteil sicher noch mehr Stabilität geben können, dies unterblieb damals aber. Einhellige Meinung aller Beteiligten: Es war höchste Zeit, dass das schwere Bauteil in Sicherheit gebracht wurde.  

Ein bröselig gewordener Kalkmörtel und ein viel zu kurzer Eisendorn: Die Befestigung der schweren Kreuzblume war nicht s... Foto: Klaus Vogt

Nach dem Abbau der Kreuzblume stellte man fest, dass auch der schlank nach oben zulaufende Aufsatz, auf dem die Blume saß, bereits Risse aufweist. Diese wurden mit einer Metall-Umspannung gesichert. Das Loch, in dem der Dorn der Kreuzblume saß, wurde mit Blei verschlossen, um ein Eindringen von Regenwasser in den Treppenturm zu verhindern.

Kein Ersatz in Sicht

Wie geht es nun weiter? Die historische Kreuzblume wird zunächst einmal mit Auftrag des Bischöflichen Ordinariats in der Werkstatt von Petro Schiller eingelagert. An eine Reparatur des historischen Teils oder an das Anfertigen einer neuen Blume sei momentan noch nicht gedacht, sagt Pfarrer Stefan Mai. Es müsse auch noch geklärt werden, wer die Kosten trägt.

Grundsätzlich ist es nach altem Herkommen so, dass für das Instandhalten der Außenhülle der Stadtpfarrkirche die Baulast bei der Stadt liegt. Seitens des Ordinariats gibt es einen Ausgabenstopp für größere Baumaßnahmen. Lediglich für Notsicherungsmaßnahmen wie das Abnehmen der Kreuzblume darf Geld ausgegeben werden.

 Die nächste Zeit wird der Steigerwalddom also erst einmal ohne diese Kreuzblume auskommen müssen.

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