OBERWERRN

Gegen Windräder auf dem Maßkrug

Glaubt man Anja Weisgerber, ist der Ehrengast des 33. Politischen Ascherdonnerstags in Oberwerrn der „zweitmächtigste Mann in Bayern“. Weit herumgesprochen hat sich das vermutlich noch nicht: Thomas Kreuzer wurde erst im Oktober 2013 Fraktionsvorsitzender der Landtags-CSU.

Maximal 350 Besucher haben sich im Sportheim eingefunden, die Halle war auch schon mal doppelt so stark besetzt. Wie es heißt, hatten die CSU-Organisatoren sogar Angela Merkel als Festrednerin anvisiert – bei ihrem letzten Besuch an der Wern, vor der Kanzlerschaft, hatte sie eine Rückkehr versprochen.

Aber auch bei Kreuzer ist für Spannung gesorgt: Eine kleine, lautstarke Schar Demonstranten hat sich am Eingang versammelt. Geduldig hört sich der 54-jährige Kemptener die Klagen der Kaistener gegen eine Stromtrasse an, bevor er zur Marschmusik der Niederwerrner Musikanten einzieht, vorbei an christsozialen Wahlkandidaten aus Stadt und Land.

Politische Grobmotorik ist die Sache des ehemaligen Kultusstaatssekretärs und Staatsministers nicht, er wirkt eher wie ein Feinmechaniker der Macht, der ineinandergreifende Rädchen justiert, zwischen den Biertischen herrscht Arbeitsbesuch-Atmosphäre. Weisgerber würdigt die Unterstützung des gelernten Juristen bei der Konversion im Raum Schweinfurt. Der Oberleutnant der Reserve musste sich, als Staatskanzleichef, zuletzt mit der Strukturreform der Bundeswehr befassen – das sei „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ gewesen, sagt Kreuzer, der Verständnis für die Sorgen betroffener Kommunen zeigt. Für die Region Schweinfurt habe man deren Erstzugriffsrecht auf die Flächen und preisliche Vergünstigungen erreicht.

Bei der Ukrainekrise gibt sich Kreuzer nicht so empathisch wie die Vorrednerinnen. Für Weisgerber zeigt der Maidan-Protest, wie wichtig europäische Integration sei, Europawahlkandidatin Barbara Becker betont, das man Russland nur über EU-Sanktionen beeindrucken könne. Hier widerspricht Kreuzer: Die Russen würden davor nicht zittern. Es folgt ein (Freud'scher?) Versprecher, zu den benachbarten Staaten „Ukraine und Krim“.

Einig ist sich Kreuzer mit Becker bezüglich der Sperrklausel bei der Europawahl – das Bundesverfassungsgericht hat gerade die Drei-Prozenthürde gekippt: Das zeige, dass man dem Europaparlament geringe Bedeutung beimesse, klagt der Ex-Staatsanwalt. Selbst die obligatorische Ascherdonnerstags-Rhetorik, mit Rot-Grün als Gegenpol zu Weiß-Blau, wirkt eher abwägend als aufgeregt. Das Feindbild bleibt begrenzt, wenn er sich über Windräder auf dem Maßkrug beim politischen Aschermittwoch der Grünen mokiert: „Da würde auch mir das Bier nicht schmecken.“

Auch wenn es Bayerns Menschen gut gehe, hat Kreuzer drei Zukunftsfragen ausgemacht: Vernünftiger Umgang mit dem Geld der Bürger, soziale Sicherheit, Eigenständigkeit Bayerns gegenüber Berlin und Brüssel. Die CSU habe sich in der Großen Koalition gegen Steuererhöhungen stark gemacht und sei für Schuldenabbau, anders als rot-grüne Bundesländer: „Der Bremer ist verschuldeter als der Grieche.“ Dann Berlin-Brandenburg und der „Pleiteflughafen“. Seine Partei wolle den Länderfinanzausgleich reformieren, das gesparte Geld soll je zur Hälfte in Bayerns Schuldentilgung und Kommunen fließen. Eine florierende Wirtschaft sei Garant für soziale Sicherheit.

Bayern investiere 1,5 Milliarden in den Breitbandausbau, habe 5000 Lehrerplanstellen geschaffen. Das Landeserziehungsgeld müsse beibehalten werden. Das Betreuungsgeld sei kein Fehlanreiz. Hier habe man sich durchgesetzt, auch bei der Maut.

Bei der Energiewende stehe die CSU zum Ausstieg aus der Atomenergie, die aber nicht durch sinnlose Stromtrassen oder Kohlestrom ersetzt werden dürfe. Bei den Windradabständen habe man einen „vernünftigen Kompromiss“ gefunden. In der EU-Politik brauche es eine Kompetenzrückverlagerung, um den „Irrsinn an Bürokratie“ zu stoppen.

Für den Gastgeber, Bürgermeisterkandidat Norbert Hart, gibt es vorsichtige Wahlkampfhilfe: der sei als dritter Bürgermeister sicher kompetent. Am Ende erklingt ehrlicher Applaus. Das Publikum weiß in aufgewühlten Zeiten pragmatische Rhetorik zu schätzen. Kreuzer lobt dafür den rechtschaffenen Steuerzahler, der die Polizei nur vom Tatort her kenne.

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