Schweinfurt

Gehirn-Sport: Was Kids, Senioren und Kickern helfen soll

Sogar der DFB rührt die Werbetrommel für eine Technik, die Fußballer besser und Senioren fitter machen soll: Life Kinetik.Franziska Pfeifer half sie zurück ins Leben.
Wie man mit Life Kinetik sein Gedächtnis trainieren kann, erklärt Franziska Pfeifer. Die Schweinfurterin hat sich zur Trainerin ausbilden lassen. Ihr Berufswunsch ist das aber nicht. Sie will Allgemeinmedizinerin werden.
Wie man mit Life Kinetik sein Gedächtnis trainieren kann, erklärt Franziska Pfeifer. Die Schweinfurterin hat sich zur Trainerin ausbilden lassen. Ihr Berufswunsch ist das aber nicht. Sie will Allgemeinmedizinerin werden. Foto: Anand Anders

Mein Gehirn fühlt sich gerade so an, als würde wirklich etwas passieren. Fragt sich nur: was? Während ich angestrengt versuche, je nach Ansage einmal mit der linken, einmal mit der rechten Hand den Ball, den mir Franziska Pfeifer zuwirft, zu fangen und dabei gleichzeitig den entgegengesetzten Fuß nach vorne zu setzen, drängt sich das Gefühl von Unvollkommenheit auf. Es ist gerade so, als würde man angestrengt überlegen wollen und doch nicht dazu kommen. Es geht zu schnell. Die Bälle fliegen, etliche fallen, und als wenig später auch noch die Kommandos so ersetzt werden, dass ich bei Gemüsesorten mit der linken Hand und bei Obst mit der rechten fangen soll, wird es richtig anstrengend. Gut so, sagt Franziska Pfeifer, denn nur dann trainieren wir unser Gehirn. Wer die Bälle locker fangen kann, braucht mehr Anreiz. Sonst ist es purer Automatismus.

Life Kinetik ist Training fürs Gehirn und voll im Trend. Der Profifußball hat die Technik für sich entdeckt, auf seiner Homepage widmet der DFB ihr etliche Beiträge, Krankenkassen werben für Kurse oder vermitteln diese, Lehrer lassen sich zum Trainer ausbilden, was eine neu gegründete Stiftung künftig unterstützen möchte, ein P-Seminar des Olympia Morata-Gymnasiums brachte das Gehirnjogging ins Seniorenheimund immer wieder Schlagzeilen. Durchweg positive. Aber warum? Was können, was bewirken die Übungen, die in der Bewegung immer wieder mit neuen Aufgaben konfrontieren?

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Wie Life-Kinetik unser Gehirn trainiert

Franziska Pfeifer erklärt es: "Wir bilden jeden Tag neue Gehirnzellen, die uns nach einer Woche zur Verfügung stehen. Dann haben wir  zwei Wochen Zeit, um sie ins Netzwerk einzubinden. Wenn in den zwei Wochen nichts Neues gemacht wird, sterben sie wieder ab. Bei neuen Aufgaben/neuen Reizen sucht das Gehirn nach Vernetzungen zwischen unseren 100 Milliarden Gehirnzellen, sind keine vorhanden, bildet es neue Synapsen oder vernetzt die bestehenden neu." Die Übungen geben also die wichtigen Anreize, Impulse. Selbst gegen Demenz sollen sie helfen, beziehungsweise den Ausbruch der Krankheit herauszögern. Um bis zu fünf Jahre, sagt Franziska Pfeifer. Dass die 22-Jährige vor einem Jahr die Ausbildung zur Trainerin gemacht hat und heute im eigenen Studio Kurse gibt, hat einen tiefer gehenden Grund. Was die Technik kann, weiß sie – aus eigener Erfahrung. Life Kinetik hat ihr geholfen, ins Leben zurückzukehren.

"Ich habe Mitschüler gar nicht mehr erkannt."
Eine Antibiotika-Behandlung löste bei Franziska Pfeifer schwere Komplikationen aus

Mit zwölf beginnt Franziska Pfeifers Krankengeschichte. Unerklärliche Schmerzen. Sie wird 18 sein, als die Ärzte schließlich feststellen: Die Schweinfurterin leidet an Borreliose. Eine sechsmonatige Antibiotika-Behandlung beginnt. Doch statt der ersehnten Heilung gibt es Komplikationen. Die heute 22-Jährige hat extreme Wortfindungsstörungen, Probleme beim Schreiben und Lesen. Als sie wieder in die Schule, ins Celtis-Gymnasium, geht, erkennt sie Mitschüler nicht wieder. Franziska Pfeifer recherchiert im Internet, stößt auf Life Kinetik und probiert es aus, macht die Übungen nach, die auf Werbevideos gezeigt werden – und ist erstaunt.

Nach einem Monat bemerkt sie einen deutlichen Effekt, die Erinnerungen kommen wieder, sie kann sich besser konzentrieren, kombiniert das Gehirnjogging mit Gedächtnistraining und schwört sich damals: "Wenn ich das Abi schaffe, dann mache ich die Ausbildung zur Trainerin." Genau so ist es gekommen. Heute gibt Franziska Pfeifer selbst Kurse, aktuell für Erwachsene und Senioren, vor dem Studium waren es mehr, auch solche für Kinder. Die profitieren ebenfalls von den Übungen, sagt Pfeifer. Unter anderem soll sich die Konzentration verbessern und die Leistungen.

Voll im Leben und das Ziel im Blick: Hausärztin

Dass es Franziska Pfeifer einmal so schlecht gegangen ist, kann man sich angesichts der quirligen jungen Frau kaum vorstellen. Seit April studiert sie in Würzburg Chemie, will dann umsatteln auf Humanmedizin, irgendwann Allgemeinmedizinerin werden, wahrscheinlich sogar auf dem Land; hat zwischen Abi und Studium nicht nur die Ausbildung zum Life Kinetik Pro Trainer gemacht, sondern auch Fortbildungen in Akupunktur und Osteopathie, ist Hatha Yoga Lehrerin, engagiert sich beim Malteser Sanitätsdienst, bei der Schwarzen Elf, spielt Querflöte und singt. Für sie ist das nicht zuviel, sagt die 22-Jährige, sondern "positiver Stress" ohne den es ihr richtig langweilig werden würde.

Zum Schluss noch die spannende Frage: Wie kann Life Kinetik Kickern helfen, besser Fußball zu spielen? Eigentlich ist das ganz einfach: Auch hier geht es um Koordination, den Wechsel von einer in die andere Bewegung und schnelle Entscheidungen. Life Kinetik kann helfen, das zu verbessern und Defizite auszugleichen. Zum Beispiel die Sache mit dem dominanten Auge. Das hat jeder von uns. Automatisch ist das Blickfeld auf der anderen Seite eingeschränkter. Was hier passiert, wird nicht so genau wahrgenommen. Beim Life Kinetik Training wird das dominante Auge abgedeckt, das andere trainiert, um so das Sichtfeld auszugleichen. Bleibt die Hoffnung, dass es bei manchen Kickern wirken wird.

Was hinter Life Kinetik steckt
Das Gehirnjogging mit Bewegung hat Horst Lutz entwickelt. Der studierte Sportlehrer ist nach eigenen Angaben seit den 80er-Jahren Dozent im Bereich Leistungssport, für Unternehmen, die IHK und Berufsbildungswerke. Seit 1996 betreut er Sportler in den Bereichen Technik, Taktik, Kondition und Ernährung. Seit 2007 bildet er Trainer aus, coacht Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Hochleistungssportler wie die deutsche alpine Skimannschaft oder Borussia Dortmund.
Die Idee, das Gehirn durch Bewegung zu fordern, sei während der Ausbildung zum Gesundheitscoach entstanden. Lutz verknüpfte laut seiner Vita auf der Homepage für Life Kinetik verschiedene Konzepte mit eigenen Ideen. Das Ergebnis ist ein geschütztes Training. Wer Trainer werden will, muss sich ausbilden lassen.

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