Geldersheim

Geldersheim: Stattlicher Gasthof, aber kein  Pächter in Sicht

Für Bürgermeister Oliver Brust ist der Fränkische Hof eines der schönsten Gasthäuser im Landkreis. Und doch ist er seit März 2019 geschlossen. Wieder einmal.
Im fränkischen Stil ist die Gaststube des "Fränkischen Hofs" in Geldersheim eingerichtet – für Bürgermeister Oliver Brust einer der schönsten Gasträume im Landkreis. Foto: Silvia Eidel

Eine Wirtschaft gehört ins Dorf. Davon ist Geldersheims Bürgermeister Oliver Brust überzeugt, zumal seine Gemeinde auch eines der schönsten Gasthäuser im Landkreis besitzt, wie er sagt. Und dennoch steht der stattliche "Fränkische Hof" am Marktplatz schon seit März ohne Pächter da, wieder einmal. Obwohl das Konzept der Gemeinde überzeugend klingt.

Gute fränkische Küche in einem gemütlichen, holzgetäfelten Gastraum, dazu ein großer Saal für Veranstaltungen und ein Biergarten: So eine Möglichkeit in einem rundumerneuerten Ensemble, noch dazu an prominenter Stelle im Ort, müsste ein findiger Gastronom doch ergreifen. Das meint jedenfalls der Bürgermeister. Aber warum klappt es seit einiger Zeit nicht?

"An den Pachtpreisen hat es nie gelegen", blickt Brust zurück auf mittlerweile sechs Pächter in 19 Jahren, inklusive teils mehreren Monaten Leerstand dazwischen. Er habe von vielen Menschen im Bereich der Gastronomie bestätigt bekommen, dass die Miete für den Fränkischen Hof "im Vergleich zu anderen Objekten immer sehr günstig" gewesen sei. Gerade in den letzten Jahren habe die Gemeinde individuelle Lösungen mit den Pächtern getroffen.

"Wenn man ins Gasthaus geht, dann will man ein schönes Erlebnis haben."
Bürgermeister Oliver Brust zu dem, was nicht nur die Bevölkerung erwartet

Die Bevölkerung gebe jedem Wirt eine Chance, weiß der Bürgermeister. Man dürfe aber doch gutes Essen, kompetenten Service und ein ansprechendes Ambiente erwarten. "Wenn man ins Gasthaus geht, dann will man ein schönes Erlebnis haben."

Die Kirchweihfichten am Eingang zum "Fränkischen Hof" in Geldersheim künden davon, dass trotz des fehlenden Pächters immer wieder Veranstaltungen im Haus sind. Foto: Silvia Eidel

Ein Wirt müsse sich zudem auf die Gegebenheiten im Dorf einstellen, müsse auch flexibel sein. "Wenn nebenan in den Gaden der Adventsmarkt bis 19 Uhr ist, dann muss ich meine Gaststube offen haben, damit die Leute danach einkehren können", nennt er ein Beispiel. Oder wenn an drei Wochenenden im Saal Theater gespielt werde, dann sei zwar von acht bis zehn Uhr im Gastraum wenig los. "Aber danach ist alles voll, da brummt's nur so."

1,8 Millionen Euro wurden in den Gasthof im Gemeindebesitz investiert

Gerade weil die Gemeinde der Auffassung war, dass so ein Dorfgasthaus wichtig für das Gemeinschaftsleben ist, hatte sie im Jahr 2000 im Rahmen der Dorferneuerung den "Fränkischen Hof" von der Poppenhäuser Werner Bräu gekauft und aufwändig saniert. 1,8 Millionen Euro inklusive Fördergelder wurden investiert, um die Ortsmitte wieder ansehnlich werden zu lassen. Was auch gelungen ist.

Die fränkisch-modern holzgetäfelte Gaststube bietet 110 Quadratmeter Fläche, dazu kommen eine moderne Küche, Kühl- und Lagerräume. Über dem Gastraum wartet auf den Wirt eine 100 Quadratmeter große sanierte Mietwohnung, teils mit Lamperie und mit Stuckverzierung an der Decke. Durch die Wohnung sei ein Pächter nahe am Betrieb, könne auch flexibler agieren, meint Brust.

Der große Saal im Nebengebäude dient auch als Trauzimmer

Etwa 150 Personen fasst der barrierefrei erreichbare, 190 Quadratmeter große Saal im Obergeschoss des Nebengebäudes. Ein Wirt kann ihn von der Gemeinde je nach Bedarf – für Hochzeiten oder sonstige Veranstaltungen – dazu buchen. Übrigens hat die Gemeinde den Saal zum Trauzimmer gewidmet, weshalb standesamtliche Trauungen dort auch mit größerem Publikum stattfinden können.

Ein großes Anwesen mit Saalbau stellt der "Fränkische Hof" mitten in Geldersheim dar. Foto: Silvia Eidel

"Wenn der Saal ausschließlich an den Wirt vermietet wäre, müsste er permanent alle Nebenkosten zahlen", erläutert Brust. Gerade der Saal habe aber in der Vergangenheit viele Pächter abgeschreckt. "Einer wollte ihn gar nicht haben."

Die örtlichen Vereine nutzen fleißig den Saalbau für ihre Veranstaltungen, mit oder ohne Wirt. "Beim Trachtenverein haben wir das halbe-halbe gemacht", erzählt Brust. Es sei ja so, dass sich die Kulturarbeit im Dorf auch tragen müsse, dass man auch eine Co-Finanzierung brauche, wenn man beispielsweise Künstler auftreten lasse.

Bis ein neuer Pächter gefunden ist, werden Saal und Gaststube vermietet

Bis die Gemeinde wieder einen Pächter für den "Fränkischen Hof" gefunden hat, können die Bürger Saal und Gaststube für ihre privaten Feiern und Veranstaltungen mieten. Weil auch jüngst die katholische Kirchengemeinde ihr Pfarrheim geschlossen hat – "wegen Investitionsstau", so Brust – beschloss der Gemeinderat, die Senioren des Ortes ab Januar mietfrei in das Gasthaus zu lassen. So wie es die Jugendgruppen bereits seit längerem dürfen.

Brust weiß, dass vor einer Neuverpachtung ein neuer Fettabscheider eingebaut werden sollte und das holperige Pflaster im Hof durch einen barrierefreien Belag ersetzt werden muss. "Wenn es soweit ist, dann wird es auch schnell gehen", verspricht er.

Damit immer wieder Leben im "Fränkischen Hof" herrscht, organisiert die Jugend des Geldersheimer Trachtenvereins am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, erstmals einen fränkischen "Stephani-Tanz" im Saal. Dass die Gruppe "Allerweil" aufspielt, kann als Omen genommen werden: Es wird immer weitergehen.

Der Saal des "Fränkischen Hofes" ist nicht nur beim Kirchweihtanz ein Treffpunkt für das Dorf und die ganze Umgebung. Foto: Oliver Brust

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