SCHWEINFURT

Geliebte Steinsuppe

Sieht gut aus: Kristina Maul hat der kleinen Veronika Tagliatelle mit Lachssoße serviert.
Sieht gut aus: Kristina Maul hat der kleinen Veronika Tagliatelle mit Lachssoße serviert. Foto: Winterhalter

Mittagszeit in der Kindertagesstätte KiZ in St. Maximilian Kolbe. Ein verlockender Geruch zieht durchs Haus, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Köchin Kristina Maul schmeckt die helle Sahnesoße ab, in der kleine Lachsstückchen schwimmen, die Vollkorntagliatelle sind fast fertig, die Obstteller fürs Dessert gerichtet, fehlt nur noch das Dressing zum Salat. Ein perfektes Essen, auch für die Kleinsten im Haus: leicht, ausgewogen, mit frischen Zutaten aus der Region, nicht zu scharf gewürzt und frisch zubereitet. Es wird nicht nur den Kindern und Erzieherinnen schmecken, sondern auch Gwendolin Wagner, dem Besuch aus Würzburg.

Viele Kinder sind zu dick

Seit Januar diesen Jahres war Ernährungscoachin Wagner fünfmal im KiZ. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hatte das Projekt 2011 gestartet, weil in immer weniger Familien richtig gekocht und gemeinsam gegessen wird, weil viele Kinder zu dick sind und weil gerade in den ersten Lebensjahren der Geschmack und die Essgewohnheiten geprägt werden. In der zweiten Runde 2012 wurde die katholische Kindertagesstätte am Deutschhof ausgewählt. Ziel war es, die Verpflegung zu optimieren.

Man könnte sagen, dass Gwendolin Wagner vom Würzburger Fachzentrum Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung im KiZ offene Türen einrannte. In diesem Haus wird seit 1983 jeden Mittag ein warmes Essen zubereitet. In den ersten Jahren kochten die Erzieherinnen selbst, vor elf Jahren engagierten sie eine Köchin. Auch auf frische Produkte wurde schon immer Wert gelegt, sagt Ninette Schmitt, die Leiterin des KiZ. Trotzdem war sie interessiert am Coaching. Sie wollte optimieren, was bisher schon gut lief – vor allem mit Blick auf die Zweijährigen, von denen immer mehr die Einrichtung besuchen. Seit kurzem werden sie in einer eigenen Gruppe betreut, die Anerkennung als Krippe läuft.

Auf die Kleinsten wird seitdem mehr Rücksicht genommen. Fleisch wird nicht mehr scharf gewürzt und angebraten, Gemüsesoßen werden püriert, Fleisch, Fisch und Salat werden in kleine Stücke geschnitten, nitrathaltigen Spinat gibt es selten. Beim Linseneintopf, den die Zweijährigen noch nicht so gut verdauen können, wird mehr Gemüse und nur ein paar Linsen auf den Teller geschöpft. Die Kinder nennen das „Steinsuppe“, die sie sehr gerne essen, sagt Ninette Schmitt.

Fünf Ziele wollte das KiZ-Team in dem halben Jahr Coaching erreichen: neben der genannten Rücksicht auf die Kleinsten wird der Speiseplan regional und saisonal ausgerichtet, auch um den Kindern den Rhythmus in der Natur nahezubringen. Beim Frühstücksbüfett und beim Mittagessen stehen Wasserkaraffen auf dem Tisch. Statt Weißmehl- gibt es Vollkornprodukte, auf Zucker und Fett wird geachtet, der Tee ist ungesüßt. Die neue Köchin Kristine Maul, eine Kindergartenmutter, hat viele Ideen mitgebracht.

Auch den Einkauf haben die Erzieherinnen neu organisiert. Seit Januar bestellt das KiZ seine Lebensmittel beim CAP-Markt der Lebenshilfe am Deutschhof. Obst und Gemüse dürfen die Kinder mit dem Bollerwagen jeden Mittwoch bei der Sennfelder Gemüsefrau auf dem Marktplatz am Deutschhof einkaufen.

Mittagessen kostet zwei Euro

138 Kinder gehen in den größten Schweinfurter Kindergarten. Etwa 40 bis 60 essen das zweigängige Mittagessen. Die Eltern zahlen zwei Euro und für das Frühstück dank Brotspende etwa zehn Cent. Derzeit wird eine neue Küche geplant, der Speisesaal wird neu gestaltet, für die Krippenkinder werden kleinere Stühle und kleines Besteck angeschafft. Jugendamtsleiterin Maria Albert-Wirsching begrüßt das Coaching-Projekt und das Engagement im KiZ sehr, vor allem wegen der überdurchschnittlich vielen übergewichtigen Kinder in Schweinfurt. Oft würden Kinder zu Hause gar nicht erfahren, wie Obst und Gemüse schmecken.

Im KiZ wird eine Tischkultur gepflegt wie sie sicher nicht in allen Elternhäusern selbstverständlich ist. Die Tische sind schön gedeckt. Wenn alle sitzen, wird ein kurzes Gebet gesprochen, jeder fasst seinen Nachbarn an der Hand und wünscht ihm einen guten Appetit.

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