OBERSCHWARZACH

Gemeinde kauft das Echter-Schloss

Beim Schloss in Oberschwarzach steht ein Eigentümerwechsel bevor: Die Kommune wird das beeindruckende Gebäude von der katholischen Kirchenstiftung abkaufen. Foto: Klaus Vogt

Es ist eine Entscheidung von historischer Tragweite: Der Marktgemeinderat hat in seiner Sitzung am Montagabend mehrheitlich beschlossen, das sanierungsbedürftige Echter-Schloss von der katholischen Kirchenstiftung abzukaufen. Voraussetzung ist allerdings, dass die von verschiedenen Fachbehörden bislang nur mündlich zugesagten außerordentlich hohen Förderquoten durch schriftliche Bescheide auch bestätigt werden.

Es war ein Bild von Seltenheitswert. In den sowieso nicht sonderlich großen Sitzungssaal des Rathauses zwängten sich diesmal über 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger. Für einige von ihnen blieb nur im Vorraum noch Platz. Aufgrund ihrer Reaktionen bei den verschiedenen Redebeiträgen dürfte es sich bei den allermeisten um Befürworter eines Schloss-Kaufs gehandelt haben.

Die Anspannung war regelrecht greifbar, auch Bürgermeister Manfred Schötz als Sitzungsleiter konnte eine gewisse Nervosität nicht verbergen. „Jeder von uns ist nochmals mit sich ins Gericht gegangen“, blickte Schötz auf die drei Wochen seit der letzten Gemeinderatssitzung zurück, als die Förderkulisse für das Projekt in aller Ausführlichkeit vorgestellt worden war.

Vom Landesamt für Denkmalpflege sei eine Förderquote von rund 41,5 Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands in Aussicht gestellt worden. Über die Städtebauförderung seien 60 Prozent der förderfähigen Kosten zu erhalten, aus dem Kulturfonds gebe es weitere 40 000 Euro. Die Kirche werde auch in Zukunft Räume im ersten Obergeschoss des Schlosses nutzen und bekomme dies als Erbbaurecht eingetragen, erklärte Schötz. Im Gegenzug trage die Kirche 17 Prozent der nichtförderfähigen Kosten (17 Prozent entsprechen dem Anteil an der gesamten Nutzfläche). Und zusätzlich werde die Kirche auch noch die Hälfte des am Ende verbleibenden Gemeindeanteils übernehmen, maximal 250 000 Euro. Diese Obergrenze sei nach neuen Verhandlungen aber sogar noch „nach oben verschiebbar“, so Schötz. Aber, und dies ist der entscheidende Knackpunkt: Diese außerordentlich hohe Förderung gibt es nur, wenn die politische Gemeinde der Eigentümer ist. Sobald die Kirche, wenn auch nur anteilig, noch beteiligt ist, gibt es deutlichst weniger Fördergelder.

Das heißt: Unterm Strich übernehmen die staatlichen Fachbehörden und die Diözese Würzburg rund 95 Prozent der Kosten. Der bei der Gemeinde verbleibende Anteil sei ohne Probleme finanzierbar, bestätigte Kämmerer René Borchardt. Auch für die Zukunft sieht er keine Probleme. Bei Unterhaltskosten von sehr pessimistisch geschätzten 25 000 Euro im Jahr für das Schloss würde der Marktgemeinde immer noch eine freie Finanzspanne von bis zu 300 000 im Jahr zur Verfügung stehen.

Vor der entscheidenden Abstimmung ließ Sitzungsleiter Schötz noch mehrere kurze Stellungnahmen zu. Zunächst verlas er einen Brief mit 63 Unterschriften, der in Siegendorf verfasst wurde. Kernaussagen sind hier unter anderem: „Wir wollen kein Schloss kaufen.“ „Keine finanzielle Belastung für unsere Kinder.“ Und die Kirche als bisherige Eigentümerin des Schlosses sei sowieso „die reichste Institution der Welt“.

Pfarrer Stefan Mai als Vertreter der Kirchenstiftung sagte, alleine vom gesunden Menschenverstand her frage er sich, warum ein Marktgemeinderat das Angebot einer Förderung von 95 Prozent noch ausschlagen könnte. „Ist es die Angst, sein Gesicht zu verlieren, weil man als Gemeinderat früher eine andere Meinung zur Schlosssanierung hatte? Oder ist es die Einstellung, das Schloss geht uns nichts an, weil ich in einer Filiale wohne und mein Interesse vor allem für mein Dorf schlägt?“ Wenn man das Förderangebot ablehne, verschlafe man auch die Chance, mit Hilfe des hohen Engagements vieler Bürger einen neuen Gemeinschaftssinn hier in Oberschwarzach zu schaffen. Dann werde das Totenglöckchen für das stolze Schloss läuten und es in einen Dornröschenschlaf verfallen. „Wir alle werden den Prinzen nicht mehr erleben, der das Schloss aus seinem Schlaf hebt“, endete der Pfarrer seine Rede, für die es starken Applaus der Zuhörer gab.

Gemeinderat Arthur Mayer sagte, er fühle sich von den zahlreich anwesenden Zuhörern und auch von der Rede des Pfarrers bei der anstehenden Abstimmung „unter Druck gesetzt“. Dies sei nicht in Ordnung. Georg Solf betonte, es sei nicht Aufgabe einer Kirche, sich um Gebäude wie das Schloss zu kümmern. Der Förderverein habe schon jetzt einen spürbaren Aufschwung für Oberschwarzach gebracht, er sehe „nichts Unverantwortliches“, für den Kauf zu stimmen.

„Unsere Haushaltsmittel reichen aus“, sagte Jürgen Moller, „wir müssen jetzt den Mumm haben, uns zum Schloss zu bekennen.“ Die Diözese Würzburg sei zwar, so habe er im Internet recherchiert, rund 350 Millionen Euro reich, trotzdem „juckt die unser Schloss überhaupt nicht. Die schließen es einfach zu.“

Manfred Baumann sah angesichts der hohen Förderkulisse nur ein geringes Risiko für die Gemeinde. „In Oberschwarzach fehlt der Mittelpunkt. Und dann hätten wir ein richtiges Ortszentrum.“ Für Robert Ruppenstein hingegen ist nach wie vor der laufende Unterhalt des Schlosses das Problem. Hier wäre es besser, wenn sich die Kirche zur Hälfte daran beteiligen müsste.

2. Bürgermeister Armin Zehner, der gemeinsam mit Bürgermeister Schötz und Jürgen Brehm das Verhandlungsgremium der Gemeinde gebildet hatte, wehrte sich gegen unterschwellig vorgetragene Vorwürfe, man habe dem Gemeinderat einiges vertuscht oder die Mitglieder nicht vollständig informiert. „Das hat mir weh getan.“

Frank Wagner monierte, es würden noch immer verlässliche Zahlen fehlen. Mit den wenigen Informationen „auf einem DIN A 4 Blättchen“ könne er keine so wichtige Entscheidung treffen. Roland Konrad hingegen sagte, man sei in der langen Sitzung vor drei Wochen komplett und ausführlichst informiert worden.

Die abschließende Abstimmung endete mit sieben zu fünf Stimmen für den Kauf des Schlosses. Der Beschluss hat den Zusatz: „Der Kaufvertrag wird erst wirksam, wenn die in Aussicht gestellte Förderkulisse (Amt für Denkmalpflege/Städtebauförderung/Kulturfonds) per Bescheid zugesagt wird. Die Verwaltung wird beauftragt, einen entsprechenden Vertrag aufzusetzen.“

Starker Beifall der Zuhörer.

Das Abstimmungsergebnis

Bei der namentlichen Abstimmung – vom Marktgemeinderat einstimmig beschlossen auf entsprechende Anträge von Robert Ruppenstein und Jürgen Moller – kam es bei sieben zu fünf Stimmen zu einem Ergebnis pro Schlosskauf. Für den Kauf des Schlosses waren Bürgermeister Manfred Schötz (Breitbach), 2. Bürgermeister Armin Zehner (Oberschwarzach), Manfred Baumann (Handthal), Bernhard Herzog (Oberschwarzach), Roland Konrad (Breitbach), Jürgen Moller (Oberschwarzach) und Georg Solf (Düttingsfeld). Gegen den Kauf sprachen sich aus: Jürgen Brehm (Wiebelsberg), Arthur Mayer (Wiebelsberg), Karlheinz Lechner (Siegendorf), Robert Ruppenstein (Oberschwarzach) und Franz Wagner (Oberschwarzach).

Krankheitsbedingt konnte Roland Seiling nicht an der Sitzung teilnehmen.

Schlagworte

  • Oberschwarzach
  • Klaus Vogt
  • Katholizismus
  • Manfred Schötz
  • Stefan Mai
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!