Werneck

Gemeinde rüstet sich gegen Schwammspinner

Die Schwammspinner-Raupen krochen im vergangenen Jahr in Massen an den Gebäuden, hier an einer Garage, in Schraudenbach hoch.
Die Schwammspinner-Raupen krochen im vergangenen Jahr in Massen an den Gebäuden, hier an einer Garage, in Schraudenbach hoch.
Foto: Konrad Bonengel

Eine Invasion von Schwammspinner-Raupen war im Juni letzten Jahres aus den angrenzenden Bayerischen Staatsforsten über die Gärten und Häuser der Anwohner am Forstweg in Schraudenbach hergefallen. Die belastende Plage setzte den betroffenen Anwohnern über Wochen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch stark zu (wir berichteten).

Wie die aktuelle Schwammspinnersituation in dem rund 500 Hektar großen Wald im Markt Werneck und speziell in dem Waldbereich am südöstlichen Ortsrand von Schraudenbach ist, war Thema bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Etwa Mitte April schlüpfen die Raupen des Nachtfalters aus den überwinterten Eigelegen in den Bäumen und beginnen mit dem Fressen beim frischen Laub. Einig waren sich Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl und die eingeladenen Forstexperten, dass in Schraudenbach in diesem Jahr nichts mehr passieren darf. "Wir sind in der Pflicht, den Schraudenbacher Bürgern Hilfe zu gewähren", machte die Bürgermeisterin deutlich.

Im Vergleich zum Vorjahr sei die Eigelege-Dichte bei den noch einmal ausgeweiteten Beobachtungspunkten im Schraudenbacher Wald sehr stark gesunken, gab Stephan Thierfelder, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), die Auswertung der Zählungen bekannt. Der Schwammspinner sei also nach wie vor da, der Befall liege aber deutlich unter der Kahlfraßgrenze und der Schraudenbacher Wald sei nicht gefährdet. Fest stehe damit, dass es aus Waldschutzsicht keine rechtliche Grundlage für eine Schwammspinner-Bekämpfung aus der Luft gibt. Auch müsste beim Einsatz des Häutungsbeschleunigers Mimic mit dem Hubschrauber ein Abstand von 50 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werden, machte Thierfelder deutlich.

Anders als beim Waldschutz, wo die Forstbehörden zuständig sind, ist der Gesundheitsschutz der Anwohner Aufgabe der Gemeinden und des Gesundheitsamtes. Wie Thierfelder berichtete, werde vom AELF und dem Landratsamt derzeit ein Informationsblatt zu den Vorsorge-Möglichkeiten beim Anwohnerschutz erstellt, das betroffene Gemeinden in die Hand bekommen.

Zum Schutz der Anwohner zum Einsatz kommen könnten in Schraudenbach Chemie in Form von Bioziden und mechanische Vorsorge in Form von Zaunbau, erläuterte Christoph Riegert, Arnsteiner Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten, denen der Schraudenbacher Wald gehört. Sofern sich die Gemeinde dafür entscheide, würden die Staatsforsten bei beidem sowohl personell als auch finanziell unterstützen. Ein Biozid-Einsatz müsse von der Gemeinde allerdings beantragt werden. Die Zulässigkeit würde dann behördlicherseits geprüft. Ein Absammeln der Ei-Gelege sei wenig effektiv, da sie sich meist in den Kronen befinden, sagte Thierfelder auf Nachfrage von Sebastian Hauck.

Bei zwei Gegenstimmen sprach sich der Rat für eine Beantragung des Biozid-Einsatzes aus. Die Befürchtung war allerdings, dass es zu lange dauern könnte, bis ein rechtskräftiger Bescheid da sei. Einstimmig fiel die Entscheidung, sich für einen Zaunbau zu rüsten. Beschrieben wurde er ähnlich einem Krötenzaun, wobei Klebestreifen die Raupen festhalten. Sichergestellt sein müsse, dass im Bedarfsfall entsprechend der örtlichen Gegebenheiten das notwendige Material und Personal sofort einsatzbereit seien.

Vor einem Kahlfraß durch den Schwammspinner schützen will der Gemeinderat auch den Gemeindewald und er sprach sich bei einer Gegenstimme dafür aus, 50 Hektar für einen Pflanzenschutzmittel-Einsatz mit dem Hubschrauber anzumelden. Die einzelnen Gefährdungsflächen im Gemeindewald hatte Stephan Thierfelder anhand der Gelegedichte und Waldbeschaffenheit eingangs erläutert und die Bekämpfung empfohlen. Weitere 17 Hektar seien noch in der Abklärung durch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Hingewiesen wurde von Thierfelder auf eine Ortseinsicht an diesen Samstag, 7. März, beim Schraudenbacher Wald. Dazu eingeladen wurden unter anderem die Anwohner, von denen viele zur Gemeinderatssitzung gekommen waren. Auch jeder andere Interessierte könne sich dabei ab 14 Uhr vor Ort ein Bild von der Befallssituation machen.

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