Schweinfurt

"Gemütlich wie in einem Wohnzimmer"

"Heimat für viele": Pfarrer im Ruhestand Reinhold Zagel hielt die Festpredigt, zum Diamantenen Jubiläum der Kirche Dreieinigkeit. Foto: Uwe Eichler

Das Miteinander wurde in der Dreieinigkeitskirche immer groß geschrieben: Als Bischof Josef Stangl 1979 im Schweinfurter Josefskrankenhaus verstarb, sollen auch die Glocken der evangelischen Kirchengemeinde geläutet haben, zum letzten Geleit. An diese ökumenische Geste erinnert der damalige Pfarrer Reinhold Zagel, in seiner Festpredigt anlässlich "60 Jahre Dreieinigkeitskirche". Die Kirche ist gut besucht, zum Diamantenen Jubiläum, nur das Wetter könnte besser sein. "Die Kirchengemeinde Dreieinigkeit betet für Frieden, ist Heimat für viele, und vermittelt Achtung und Nächstenliebe", lautet ein Grundsatz der "Tochter" der Gustav Adolf-Kirche. Deren Chor singt unter Leitung von Marina Skrzybski, Jutta Keeß-Zänglein dirigiert das Konzert der Jüngsten aus der benachbarten Kita. 60 Kerzen flackern am Altar, zum Geburtstagsfest des "Begegnungszentrums im Musikerviertel".   

Am 24. Mai 1959, zu Trinitatis, wurde Kirche und Kindergarten eingeweiht: den Altar stiftete der evangelische Army-Pfarrer der US-Garnison. Der Schriftzug über der Eingangstür ("Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist") stammt von Mäzen Georg Schäfer. Es gibt sogar eine Dreieinigkeits-Kantate, die vom ehemaligen Kantor Matthias Hippe  komponiert, aber nur drei Mal  zur Aufführung gekommen ist. Ungewöhnlich ist die Orgel, die im Blickfeld neben dem Altar steht. Die Ökumene mit der benachbarten Gemeinde St. Michael wurde immer groß geschrieben. Der "Campanile", der freistehende, aufwendig sanierte Glockenturm, läutet bei den Gottesdiensten der Nachbarn. Ebenso gibt es eine Ökumene mit Ober- und Untereuerheim. Die Kirche "Dreieinigkeit" hat Musikgruppen wie "Bridge to a Prayer" oder "Jericho" hervorgebracht. Der Kindergarten musste nach einem Brand neu aufgebaut werden, gilt als "multikulturell" und hat mittlerweile eine Krippengruppe. Seit 1992, der Zeit der Jugoslawienkriege, wird die Welt jeden Mittwoch ins "Friedensgebet" genommen.

Eva Loos ist seit dem Jahrtausendwechsel Pfarrerin, nach Martin Ludwig (1958 bis 1967), Karl Glaser (1967 bis 1972), Reinhold Zagel (1973 bis 1986) und Rainer Oechslen (1986 bis 1999).

Loos engagiert sich besonders in der Flüchtlingsarbeit und hat mehrfach Kirchenasyl gewährt, etwa für iranische Emigranten: ein Thema, dass die als bodenständig und pragmatisch geltende Pfarrerin nicht an die große Glocke hängen möchte. "Die Dreieinigkeits-Kantate, die müsste wir wieder mal aufführen", findet die Seelsorgerin. "Es ist gemütlich wie in einem Wohnzimmer", lobt sie ihre Kirche. Finanziell hat die Kirchenfamilie einige Bürden zu tragen, die auch mit langfristigem Mitgliederschwund zusammenhängen, im alternden, sich wandelnden Musikerviertel. Zur Zeit der Expansion zählten noch 3500 Mitglieder zur Gemeinde, aktuell sind es 976. "Uns verbindet die Arbeit für geflüchtete Menschen", sagt  Bürgermeisterin Sorya Lippert in Richtung Pfarrerin. Nach dem Krieg habe es überall Aufbruchsstimmung gegeben. Nun erlebe man, dass im Mittelmeer jedes Jahr tausende Menschen ertrinken. Lippert warnt insbesondere vor dem Erstarken der AfD. Monika Schwarz, Vertrauensfrau in Gustav Adolf (wo sich seit 2015 das gemeinsame Pfarramt befindet), deutet im Grußwort auch die Zukunftsfrage an. Nein, an Ruhestand denke sie (noch) nicht, sagt Eva Loos, "aber wir alle werden älter".  

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