Schweinfurt

Gericht: Widerstand im Vollrausch

Oktober 2017: Der 27-jährige Hartz-IV-Empfänger mit stark blutender Nase will sich nicht helfen lassen, auch nicht von Polizisten. Den Grund offenbart die Blutprobe.
Ein 27-Jähriger wird wegen fahrlässigen Vollrausches statt Widerstands und Körperverletzung verurteilt. Er hatte 2,6 Promille Alkohol im Blut und keine Erinnerung an Einzelheiten der Tat. Foto: Oliver Berg/dpa

Er ist zu Fuß auf dem Weg von Schweinfurt zurück in das Dorf, in dem er mit seiner Familie wohnt. Sein Bruder begleitet ihn. Da erkennt ein Autofahrer, dass der Mann offensichtlich stark aus der Nase blutet. Er hält an, will helfen, doch sein Bemühen wird schroff zurückgewiesen. Beide Männer wirken auf ihn noch dazu recht aggressiv.

Ein Schlag ins Gesicht

Der Zeuge ruft die Polizei. Die kommt auch sofort, erst mit einem Streifenwagen, dann muss eine weitere Streife zur Verstärkung dazu geholt werden, weil beide Männer sich wehren und keine Hilfe für den Blutenden zulassen. Der Angeklagte wie sein jüngerer Bruder schlagen um sich, versuchen zu treten, der Jüngere wird auch beleidigend gegen die Beamten. Der Angeklagte schlägt einem Polizisten ins Gesicht, was zu einer Platzwunde an der Lippe und entsprechenden Schmerzen führt.   

Strafrechtlich führt dies zu einer Anklage wegen Widerstands gegen und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, gefährlicher und versuchter Körperverletzung. Der jüngere Bruder wurde nach einiger Zeit in Kirchenasyl im Frühjahr nach Afghanistan abgeschoben. Der Ältere muss sich nun der Anklage stellen. Er räumt alles ein und sagt, er werde jede Entscheidung  des Richters akzeptieren.

Geständnis – doch keine Erinnerung 

Allein: Er kann sich praktisch an keinerlei Einzelheiten erinnern, nichte einmal daran, wie er zur stark blutenden Nase gekommen ist, ob durch Hinfallen oder im Streit mit dem jüngeren Bruder. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Er hatte zur Tatzeit 2,6 Promille Alkohol im Blut. "Das passt zu dem, was die Polizisten geschildert haben", sagt der Vorsitzende Richter, "dass Sie auf Ansprache keinerlei Reaktion zeigten." Der Angeklagte sei fast vom zweiten Streifenwagen überfahren worden, vor den er getorkelt sei.

Damit könne sich die rechtliche Einordnung der Tat ändern: Statt Widerstand und Körperverletzung komme mangels Schuldfähigkeit infolge der starken Alkoholisierung eine Verurteilung wegen fahrlässigen Vollrausches in Betracht. "Wer volltrunken Straftaten begeht, kommt nicht einfach straffrei davon, sondern wird dann wegen des Vollrausches bestraft", so der Richter.        

Zwei Vorstrafen im Gepäck

Darauf plädiert dann auch der Staatsanwalt und verlangt eine achtmonatige Haftstrafe auf Bewährung. Zwei Vorstrafen bringt der Mann mit: Eine wegen Trunkenheit im Verkehr (mit 1,7 Promille auf dem Fahrrad) und eine wegen Sachbeschädigung. Der Richter hält eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à zehn Euro für Tat und Schuld angemessen.  

Der Angeklagte nimmt das Urteil an.

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