SCHWEINFURT

Gericht bestätigt: Tierarzt ist schuldig

Die Strafe ist zwar um einige Euro niedriger ausgefallen, trotzdem dürfte sich ein Tierarzt mehr vom Berufungsverfahren versprochen haben: Das Landgericht Schweinfurt hat den Mann aus dem Landkreis Main-Spessart am Dienstag wegen unerlaubter Abgabe von Arzneimitteln für zur Lebensmittelgewinnung bestimmte Tiere zu einer Geldstrafe verurteilt. 180 Tagessätze zu 110 Euro, also insgesamt 19 800 Euro, muss der Veterinär jetzt zahlen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann einem Milchviehhalter aus dem Landkreis Schweinfurt Medikamente für die Behandlung von insgesamt 42 Kälbern abgegeben hat, die gar nicht in dessen Stall standen. Er hatte die Nummern auf den Ohrmarken der Tiere nicht wie vorgeschrieben selbst kontrolliert, sondern sich auf die Angaben des Landwirts verlassen. Und das, obwohl es jeweils nur um acht bis 26 Tiere ging – machbar, fand das Gericht.

Warum der Milchbauer die falschen Angaben machte, hatte der Mann zuvor im Zeugenstand nicht sagen wollen. Eine Amtstierärztin, die als Sachverständige geladen war, vermutete jedoch, dass er sich möglicherweise Medikamente auf Vorrat legen wollte. Dann hätte er Tiere selbst behandeln und sich den Tierarzt sparen können – was allerdings verboten ist. Es ging um Antibiotika gegen Durchfall und Nabelentzündung, Betäubungsmittel zur Enthornung und ein Medikament gegen Selen-Mangel.

Gegen den Tierarzt läuft laut seinen Anwälten parallel bereits ein Verfahren, um ihm die Zulassung zu entziehen. Aufgeflogen war das Ganze übrigens, weil in der Milch des Hofes im Landkreis Antibiotika-Rückstände gefunden wurden. Daraufhin sah das Landratsamt genauer hin und wunderte sich, dass die kranken Kälber zufälligerweise stets fortlaufende Ohrnummern haben sollten.

Ordnungswidrigkeit oder Straftat?

Das Amtsgericht Schweinfurt hatte den Veterinär im Oktober 2014 zu einer Geldstrafe von 27 000 Euro verurteilt, dagegen legte der Tierarzt dann Revision ein. Die Argumentation: Er habe lediglich Fehler bei der Dokumentation gemacht, weshalb allenfalls eine Ordnungswidrigkeit vorliege. Das glaubte die Staatsanwaltschaft im aktuellen Verfahren erneut nicht, forderte gar eine höhere Geldstrafe als die Erstinstanz. Das Gericht sah klar eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit.

In der Urteilsbegründung wies der Richter darauf hin, dass eine korrekte Dokumentation „keine reine Formalie“ sei. Ohne könne niemand mehr nachvollziehen, welche Tiere behandelt wurden. „So gelangten Antibiotika völlig unkontrolliert in die Nahrungskette.“ Und an die Adresse des Landwirts, der vor Gericht als Zeuge geschwiegen hatte: „Wie soll man unseren Landwirten noch glauben, wenn bei der Aufklärung solcher Fälle gemauert wird?“ Das sei ein fatales Signal an alle Bauern, die ehrlich und sauber wirtschafteten.

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